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Diego de Landa verbrennt die Maya-Schriften am 12.07.1562 – 15:01 Min. WDR 5 (12.07.2022)
- Stichtag: 12. Juli 1562 – Verbrennung der Maya-Schriften auf Yucatán durch den Franziskanermönch Diego de Landa.
- Der Beitrag beleuchtet zugleich die Brutalität der Missionierung und die paradoxe Rolle Landas als Zerstörer und Bewahrer.
Was geschah?
- Bei einem Autodafé ließ Landa stapelweise Maya-Handschriften (auf Baumrindenpapier, leporelloartig gefaltet) vernichten und Indigene öffentlich bestrafen.
- Begründung: Die Texte seien vom „Aberglauben“ geprägt; Landas Missionserfolg schien gescheitert – er reagierte mit inquisitorischen Maßnahmen.
Die Ambivalenz Landas
- Landa verübte massive Kulturzerstörung, verfasste aber später die ➔ Relación de las cosas de Yucatán, eine Rechtfertigungsschrift mit heute unschätzbaren Informationen zu Religion, Kalender, Zahlensystem, Schrift, Recht, Ernährung und Adelsgeschichte.
- Die Originalrelation ist verloren; eine Abschrift aus dem 19. Jh. überliefert den Text.
Vom Missverständnis zum Schlüssel
- Landa hielt eine silbische/logosyllabische Maya-Schrift für ein Alphabet – ein grundlegendes Missverständnis.
- Erst in den 1950er-Jahren erkannte man (Stichwort Knorrosow), wie Landas Angaben richtig zu deuten sind. Damit wurde sein „Alphabet“ zum Schlüssel für die Entzifferung der Maya-Hieroglyphen.
Konflikte, Prozess & Karriere
- Landa geriet in Streit mit der Amtskirche (Kompetenzüberschreitung) und mit Encomenderos (deren Ausbeutung der Getauften er anprangerte).
- 1563 musste er nach Spanien, Prozess; während der sechs Jahre bis zum Freispruch entstand die „Relación“.
- 1573 Rückkehr nach Yucatán als Bischof; 1579 starb er in Mérida.
Blick auf die Maya & Gegenwart
- Der Podcast kontrastiert europäische Arroganz (z. B. Bewertung von Ritualen) mit Maya-Praktiken wie Autosakrificio (Blutopfer), ordnet Menschenopfer ein und zeigt kulturelle Kontinuität und Resilienz der Maya bis heute.
- Moderne Forschung (u. a. Nikolai Grube) belegt: größere/ältere Städte, mächtige Frauen, detaillierte Geschichtsschreibung; heute entstehen Bildungsinitiativen in Maya-Sprachen und -Schrift.
Ein dichtes Porträt kolonialer Gewalt und intellektueller Paradoxie: Landa vernichtete Wissen – und lieferte doch den Schlüssel, um das Überlebende zu lesen.
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