Maya-Kunsthandwerk von Patricia Martín Morales
- Patricia Margarita Martín Morales, geboren am 4. Januar 1967 in Muna in Yucatán, fertigt seit 1985 Nachbildungen von Gefäßen der klassischen Maya-Zeit.
- Werkstatt ist der Taller de Artesanías Los Ceibos, Calle 13 Nummer 201 zwischen Calle 26 und Calle 28 in Muna, rund 16 Kilometer nördlich von Uxmal.
- Gearbeitet wird mit drei lokalen Tonen, Mineralpigmenten und einem holzbefeuerten Ofen im Garten, jedes Stück trägt einen Namensglyphen auf der Unterseite.
- Ihr Gefäß nach der Vase des rauchenden Affen kam 2023 unter der Inventarnummer V.2023.130 in die Sammlung von National Museums Scotland in Edinburgh.
- 2022 wurde sie in die Explorers Club 50 aufgenommen und war die erste lateinamerikanische Teilnehmerin des Salons Nimagine in Nîmes, 5. bis 13. November 2022.
- Am 8. März 2026 überreichte der Kongress des Bundesstaats Yucatán ihr die Auszeichnung Consuelo Zavala Castillo.
- Der Handel mit echten archäologischen Stücken ist in Mexiko verboten, signierte Repliken aus einer benannten Werkstatt sind legal.

In Muna, gut 60 Kilometer südlich von Mérida und 16 Kilometer nördlich von Uxmal, baut Patricia Martín Morales seit rund vier Jahrzehnten Keramik der klassischen Maya-Zeit nach. Sie mischt die Tone selbst, malt mit Mineralpigmenten und brennt die Maya-Keramiken in einem Ofen im Garten. Im März 2026 zeichnete der Kongress von Yucatán sie dafür aus.

Die Werkstatt liegt an der Bundesstraße 261, der Verbindung von Mérida zur Puuc-Region, in einem Ort, dessen Frauen traditionell vom hilo contado lebten, einer Zähltechnik der Stickerei. Töpferei war in Muna kein Familienhandwerk, sondern kam erst später hinzu.

Die Werkstatt Los Ceibos in Muna
Los Ceibos ist ein Familienbetrieb in einer Palapa in einem bewachsenen Garten. Gefertigt wird in Ton, Stein und Jade, das Spektrum reicht von Zylindergefäßen und Tellern über Näpfe, Figurinen und Urnen bis zu Räuchergefäßen und Repliken von Codex-Seiten.

Die Arbeit ist nach Spezialgebieten aufgeteilt. Ihr Bruder Rodrigo Martín Morales skulptiert, ihre Söhne Julián, Adrián und Martín haben die Techniken der Werkstatt übernommen. Adrián ist Archäologe, Julián kommt aus der Gastronomie. Der Ehemann, mit dem Patricia Martín Morales die Werkstatt vor rund 40 Jahren aufgebaut hat, ist verstorben. Patricia ist auf die anspruchsvolle und filigrane Bemalung spezialisiert.

Neben dem Verkauf gibt es Vorführungen, Kurse und Auftragsarbeiten. Versand ins Ausland ist möglich.
Vier Jahrzehnte Werkstattgeschichte
Der Einstieg war Zufall. Als Patricia Martín Morales 16 oder 17 Jahre alt war, richtete ein Töpferer aus Palenque in Muna eine Tonwerkstatt ein. Dort lernte sie, angeleitet von ihrem Bruder, die prähispanische Polychromie. Als der Gründer nach Quintana Roo wegzog, übernahm sie den Betrieb.

Seither folgt die Arbeit einem Muster aus Versuch und Korrektur. Tonrezepturen, Pigmentmischungen und Brandführung wurden über Jahre nachjustiert und hatten immer das Ziel, näher an die Originale zu kommen. Der Kongress von Yucatán fasste diese Linie 2026 als Forschung, Experiment und Rettung traditioneller Techniken zusammen.
Wie eine Replik entsteht

Für den Scherben mischt die Werkstatt drei lokale Tone. Die Gefäße entstehen von Hand, Teller und Vasen auch auf der Scheibe. Bemalt wird mit natürlich vorkommenden Mineralien, Pigmenten und Oxiden in standardisierten Farbkombinationen, gebrannt in einem kleinen holzbefeuerten Ofen im Garten, der über die Jahre umgebaut und der Maya-Technik angenähert wurde.

Vorlagen sind archäologische Gefäße, Wandmalereien und Literatur (z.B. Nikolai Grube) unter anderem aus Yucatán, Tabasco und Palenque. Die Bemalung folgt der feinen Linienführung klassischer Gefäßmalerei, die Hieroglyphenbänder werden mitkopiert und nicht durch Ornament ersetzt. Auf der Unterseite steht der Namensglyph der Künstlerin, den nach Angaben der Werkstatt der Bonner Maya-Forscher Nikolai Grube entworfen hat.

Maya-Blau, ein Pigment aus der Nachbarschaft
Maya-Blau ist kein Mineralfarbstoff, sondern stammt aus Pflanzenfarbe und Ton. Der Farbträger ist Indigo aus Indigofera suffruticosa, auf Yukatekisch ch’oh, das Trägermineral ist Palygorskit, ein faseriges Magnesium-Aluminium-Silikat mit Kanälen von molekularer Weite, im Maya sak lu’um. Beim gemeinsamen Erhitzen auf etwa 100 bis 150 Grad Celsius wandern die Indigomoleküle in diese Kanäle und werden dort festgehalten. Das Ergebnis widersteht Säuren, Laugen und Licht, weshalb das Blau auf Stuck nach tausend Jahren im Tropenklima noch leuchtet.

Die Zusammensetzung von Maya-Blau wurde erst im 20. Jahrhundert entschlüsselt. 1962 wurde das Tonmineral Palygorskit, damals Attapulgit genannt, nachgewiesen, 1967 Indigo als organischer Farbstoff. Untersuchungen von 2012 zeigten, dass der Palygorskit im Maya-Blau von Chichén Itzá aus den Lagerstätten Sacalum und Yo‘ Sah Kab bei Ticul in Yucatán stammt. Beide liegen weniger als 30 Kilometer von Muna entfernt. Die Werkstatt von Los Ceibos befindet sich damit mitten im geologischen Herkunftsgebiet des Pigments.

Ein Befund aus dem Heiligen Cenote von Chichén Itzá geht noch weiter. 2008 wurde in einer Schale mit Kopalharz sowohl Palygorskit als auch Indigo entdeckt. Das Pigment wurde offenbar im Ritual selbst hergestellt, das brennende Räucherwerk lieferte gleichzeitig den Rauch und die Wärme für die Reaktion.
Die Vase des rauchenden Affen
Das berühmteste Objekt aus Muna basiert auf einem polychrom bemalten Zylindergefäß aus der späten Klassik, datiert auf etwa 600 bis 900 nach Christus, das sich heute im Museum of Fine Arts in Boston befindet. Dargestellt sind vier Figuren, die sich in einer Prozession bewegen und sämtlich ein rotes Halstuch tragen. Dieses Tuch weist sie als wayoob aus, als geistige Begleiter in Xibalba, der Unterwelt der Maya. Auf einem Gefäß aus einem Grabzusammenhang könnten sie die wayoob des Verstorbenen verkörpern oder solche Geistwesen darstellen, die er seinen Gegnern abgenommen hatte.
Jede der Figuren trägt einen eigenen Namen. An der Spitze schreitet ein Mann mit Obsidianklinge und einem Olla-Gefäß. Seine Fußbänder sind mit Blutspritzern versehen, über seinem Kopf erscheint ein stilisiertes Auge als Hinweis auf Menschenopfer. Die zugehörigen Glyphen werden als K’an Baah Ch’o‘ gelesen. Hinter ihm folgt eine weiß gekleidete, rauchende Gestalt mit Kopfschmuck und Schurz, deren Name als Sak’il Winik Ak’an gelesen wird. Den Abschluss der Gruppe bildet ein Mischwesen aus Hirsch und Schlange mit Jaguarohren, Hufen und lang ausgezogener Schnauze, das als Chiij Kan identifiziert wird.
Seinen Namen verdankt das Gefäß jedoch dem Affen. Er hält eine dünn gerollte Tabakrolle, die er raucht, und trägt zugleich eine Kakaoschote. Die vor ihm angebrachten Glyphen bezeichnen ihn sinngemäß als Brüllaffen mit Sonnenfell, obwohl die Darstellung eher einem Klammeraffen entspricht. Am Gefäßrand verläuft die für klassische Trinkgefäße typische standardisierte Weihinschrift. Sie kennzeichnet das Stück als Becher für Kakao und nennt anschließend Namen und Titel seines Besitzers. Gerade dieser Besitzer konnte beim Original bislang nicht entziffert werden.
Der Schöpfer des ursprünglichen Gefäßes ist in der Forschung unter der Bezeichnung Artist of the Smoking Monkey bekannt. Ihm wird außerdem ein zweites Gefäß mit dem Motiv des Wasserlilien-Jaguars zugeschrieben. Patricia Martín Morales fertigte ihre Version 2022 an; seit 2023 gehört sie unter der Inventarnummer V.2023.130 zu National Museums Scotland. Ausgestellt ist das Gefäß in Edinburgh in der Galerie Inspired by Nature.
Nebenbei verweist das Motiv auf eine Wortgeschichte, die bis in die Gegenwart reicht. Das englische Wort cigar wird auf das Maya-Wort sikar zurückgeführt, das sinngemäß das Rauchen von Tabakblättern bezeichnet. Darstellungen von gerolltem Tabak sind in der Maya-Kunst bereits seit ungefähr 1000 vor Christus belegt.
Auszeichnungen und internationale Bühne
2022 nahm der Explorers Club Patricia Martín Morales in die Explorers Club 50 auf, eine jährlich zusammengestellte Auswahl von 50 Personen, die der Club besonders öffentlich hervorhebt. Vorgeschlagen worden war sie von Joe Rohde.
Noch im selben Jahr führte sie eine Reise nach Frankreich. Die Messe Nimagine im Parc des Expositions von Nîmes beging vom 5. bis 13. November 2022 ihre 50. Ausgabe. Rund 170 Aussteller aus den Bereichen Mode und Wohnen nahmen daran teil, ergänzt um einen eigenen Sektor für zeitgenössische Kunst. Patricia Martín Morales war dort die erste Teilnehmerin aus Lateinamerika. Sie präsentierte mehr als 50 Arbeiten, darunter Teller, Vasen, Becher und Repliken von Codices. Zustande gekommen war der Kontakt über das Kollektiv Los Tres Pochtecah mit Yamir Óscar Ramírez, Clémence Nicolle und Naïm Ramírez Nicolle, das sie zufällig während einer Ausstellung in Chocholá entdeckt hatte.
Am 8. März 2026 erhielt sie in einer feierlichen Sitzung der LXIV. Legislaturperiode des Kongresses von Yucatán die Auszeichnung Consuelo Zavala Castillo. Grundlage ist ein Dekret von 2018; seitdem ehrt der Kongress damit Frauen aus Yucatán, die sich in Wissenschaft, Kultur, Politik, Wirtschaft oder im Einsatz für Gleichberechtigung besonders ausgezeichnet haben. Die Verleihung erfolgt jeweils am Internationalen Frauentag. In ihrer Dankesansprache nannte sie die verschiedenen Stationen ihrer bisherigen Arbeit. Für Yucatán und Campeche führte sie das Museo Palacio Cantón, das Gran Museo del Mundo Maya und das Museum für Maya-Architektur an. Außerhalb Mexikos erwähnte sie das Metropolitan Museum in New York, Institutionen in Denver, Los Angeles und San Francisco, das Völkerkundemuseum in Leiden sowie das Nationalmuseum in Edinburgh.
Repliken statt Raubgut, was mexikanisches Recht regelt
Archäologische Fundstücke gelten in Mexiko als Eigentum der Nation. Das Ley Federal sobre Monumentos y Zonas Arqueológicos, Artísticos e Históricos aus dem Jahr 1972 untersagt ihre dauerhafte Ausfuhr und stellt Handel sowie Besitz ohne entsprechende Genehmigung unter Strafe. Wer innerhalb Mexikos ein authentisches Maya-Gefäß erwirbt, kauft damit zugleich ein Delikt.
Für Nachbildungen bestehen gesonderte Vorschriften. Nach Artikel 17 des Gesetzes benötigt die kommerzielle Reproduktion archäologischer, historischer oder künstlerischer Monumente grundsätzlich eine Genehmigung des zuständigen Instituts, normalerweise des INAH. Handwerkliche Produktion wird jedoch ausdrücklich davon ausgenommen. Artikel 38 der Durchführungsverordnung versteht unter einer Reproduktion eine Nachbildung in gleicher, ähnlicher oder veränderter Größe. Artikel 41 schreibt vor, dass genehmigte Reproduktionen dauerhaft und unauslöschlich mit dem Hinweis Reproducción autorizada por el Instituto competente gekennzeichnet sein müssen. Das INAH unterhält hierfür ein Register von Reproduzenten und Exporteuren. Die entsprechenden Gebühren sind im Ley Federal de Derechos, Artikel 288-C, geregelt; offiziell anerkannte Kunsthandwerker sind davon befreit.
Für Reisende ergibt sich daraus eine einfache praktische Konsequenz: Ein signiertes Werk aus einer eindeutig benannten Werkstatt ist in der Regel unproblematisch, da Herkunft und Herstellungsjahr nachvollziehbar dokumentiert werden können. Der Kaufbeleg sollte aufbewahrt, die Signatur nicht entfernt und im Zweifelsfall der Werkstattname auf der Rechnung vermerkt werden. Bei vermeintlich antiken Objekten, die am Straßenrand angeboten werden, gilt dagegen das Gegenteil. Zusätzlich zur Gefahr einer Fälschung kann hier ein Problem mit dem Zoll entstehen.
Besuch in Muna
Muna liegt an der Bundesstraße 261 zwischen Mérida und Uxmal. Mit dem Mietwagen ist der Ort von Mérida aus in etwas mehr als einer Stunde zu erreichen. Wer ohnehin die Puuc-Route befährt, kommt praktisch an der Werkstatt vorbei; Gleiches gilt für die Töpferorte Ticul und Sacalum.
Der Showroom des Taller de Artesanías Los Ceibos befindet sich in der Calle 13 Nummer 201 zwischen Calle 26 und Calle 28. Nach Angaben des Betriebs ist er täglich von 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet; erreichbar ist die Werkstatt unter der Telefonnummer 997 101 2552. Für Vorführungen, Kurse oder umfangreichere Bestellungen empfiehlt sich eine vorherige Anmeldung, da die Familie regelmäßig zwischen Werkstatt und Ausstellungen unterwegs ist. Ein Besuch kann problemlos an einem Tag mit Uxmal, Labná und den weiteren Städten der Puuc-Region kombiniert werden.
Ungeklärt bleibt, wie sich das Wissen künftig weitervererbt. Drei Söhne arbeiten bereits mit, die angewandten Techniken sind dokumentiert, und die Erforschung der Pigmente bringt weiterhin neue Erkenntnisse über die Zusammensetzung des Maya-Blaus hervor. Ob sich daraus in Muna eine zweite Generation eigenständiger Werkstätten entwickelt oder ob Los Ceibos ein Einzelfall bleibt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Quellen und Literatur
- Arnold, D. E., Branden, J. R., Williams, P. R., Feinman, G. M. & Brown, J. P. (2008): The first direct evidence for the production of Maya Blue – rediscovery of a technology. Antiquity 82(315), 151 bis 164.
- Arnold, D. E. et al. (2012): The first direct evidence of pre-Columbian sources of palygorskite for Maya Blue. Journal of Archaeological Science. sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S030544031200101X
- Adams, V. (2025): Reviving Mayan ceramics – the Smoking Monkey Vase. National Museums Scotland, Edinburgh. nms.ac.uk/discover-catalogue/reviving-mayan-ceramics-the-smoking-monkey-vase (Abruf 11. August 2026)
- Congreso del Estado de Yucatán (2026): Acta de la Sesión Solemne del 8 de marzo de 2026, LXIV Legislatura, entrega del reconocimiento Consuelo Zavala Castillo. congresoyucatan.gob.mx (Abruf 11. August 2026)
- Diario Oficial del Gobierno del Estado de Yucatán, Nummer 35.931 vom 9. März 2026, Acuerdo über die Verleihung des Reconocimiento Consuelo Zavala Castillo 2026. yucatan.gob.mx/docs/diario_oficial/
- Ley Federal sobre Monumentos y Zonas Arqueológicos, Artísticos e Históricos, letzte Fassung, Artikel 16, 17 und 27. Cámara de Diputados, diputados.gob.mx/LeyesBiblio/pdf/LFMZAAH.pdf
- Reglamento de la Ley Federal sobre Monumentos y Zonas Arqueológicos, Artísticos e Históricos, Fassung DOF 3. Dezember 2020, Artikel 38 bis 41. diputados.gob.mx/LeyesBiblio/regley/Reg_LFMZAAH_031220.pdf
- INAH: Reproducción de monumentos arqueológicos e históricos e inscripciones en el registro de reproductores y exportadores. tramites.inah.gob.mx (Abruf 11. August 2026)
- The Explorers Club (2022): Patricia Martin Morales, Explorers Club 50, Class of 2022. 50.explorers.org/community/patricia-martin-morales/
- Diario de Yucatán (24. Oktober 2022): Artesana yucateca expondrá obras mayas en Festival de Francia. yucatan.com.mx
- Parc Expo Nîmes (2022): Nimagine, 50e édition, 5 au 13 novembre 2022. expo-nimes.com
- Yucatán Turismo: Artista en vasijas prehispánicas, Taller Los Ceibos, Muna. yucatan.travel/experiencia/121-artista-en-vasijas-prehispanicas/
- Michael Grofe (2009): The Name of God L: B’olon Yokte K’uh? Wayeb Notes, no. 30, 2009. Publication of the European Association of Mayanists. PDF
- Artista en vasijas prehispánicas – www.yucatan.travel
- Reviving Mayan ceramics: the Smoking Monkey Vase
- Instagram: www.instagram.com/patriciamartinmorales/
- https://lawsonsyucatanexcursions.com/artist-patricia-martin







