- Dzilam de Bravo ist ein Fischerort mit 2.936 Einwohnern nach dem INEGI-Zensus 2020. Er liegt am östlichen Ende der Küstenstraße Yucatáns, 107 Kilometer von Mérida entfernt.
- Die Reserva Estatal de Dzilam erstreckt sich über 69.039 Hektar, darunter etwa 17.500 Hektar Meeresfläche. Das erste Schutzdekret stammt vom 25. Januar 1989, die Erweiterung erfolgte am 28. Dezember 2005. Seit dem 7. Dezember 2000 ist das Gebiet als Ramsar-Gebiet Nummer 1045 registriert.
- Für das Reservat sind insgesamt 954 Arten dokumentiert – 457 Pflanzenarten, 221 Vogelarten, 152 Fischarten, 62 Säugetierarten, 38 Reptilienarten und 8 Amphibienarten.
- Je nach Strecke kosten Bootstouren mit lokalen Lanchafahrern ungefähr 900 bis 2.400 Pesos pro Boot. In ein Boot passen sieben bis acht Personen, die Touren dauern drei bis sechs Stunden.
- Der Anillo de Cenotes, der dem Kraterrand von Chicxulub folgt, lenkt Grundwasser genau zu diesem Abschnitt der Küste. Vor Dzilam tritt deshalb Süßwasser direkt aus dem Meeresboden aus.
- Die Oktopus-Saison dauert vom 1. August bis zum 15. Dezember, die Schonzeit vom 16. Dezember bis zum 31. Juli. Beim Mero gilt eine Schonzeit vom 1. Februar bis zum 31. März.
Dzilam de Bravo ist ein Fischereihafen an Yucatáns Nordostküste und liegt unmittelbar an einem rund 690 Quadratkilometer großen staatlichen Schutzgebiet aus Mangroven, Lagunen und Trockenwald. Vor der Küste strömt Süßwasser aus Quellen am Meeresboden. Fischer aus dem Ort bringen Besucher mit ihren Booten zu diesen Austritten, zu einem Cenote innerhalb des Mangrovengürtels und zu den Nahrungsplätzen der Flamingos.
Wo Dzilam de Bravo liegt und wie man hinkommt
Der Ort bildet den östlichen Endpunkt der durchgehenden Küstenstraße, die in Chuburná Puerto beginnt und über Progreso, Telchac Puerto, San Crisanto, Chabihau und Santa Clara verläuft. Von Progreso sind es auf der Straße 27 etwa 83 Kilometer. Aus Mérida führt die Strecke über Motul, Cansahcab, Dzidzantún und Dzilam González. Insgesamt sind es ungefähr 115 Kilometer, für die je nach Verkehr eineinhalb bis zwei Stunden benötigt werden. Die Reservatsverwaltung nennt in ihren Angaben 107 Kilometer Luftlinie bis zur Hauptstadt des Bundesstaates.
Busverbindungen starten am Terminal Noreste in Mérida und führen über die Landroute nach Dzilam de Bravo. Planmäßig dauert die Fahrt zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden. Von der Bahnstation Izamal lässt sich der Ort mit dem Auto in etwas mehr als einer Stunde erreichen. Direkt im Hafen gibt es keine Tankstelle. Die letzte Möglichkeit zum Tanken befindet sich in Dzilam González.
Das Gemeindegebiet umfasst 241,43 Quadratkilometer. Beim Zensus 2020 wurden genau 2.936 Einwohner gezählt. 101 Personen gaben an, eine indigene Sprache zu sprechen, davon 96 Maya. Mit dem Dekret 367 wurde Dzilam de Bravo am 25. Dezember 1921 zur freien Gemeinde erhoben und trägt seitdem den Zusatz „de Bravo“ zu Ehren des Unabhängigkeitskämpfers Nicolás Bravo. Der Maya-Name Dzilam lässt sich ungefähr mit „geschält“ oder „ohne Hülle“ übersetzen.
Die Reserva Estatal de Dzilam in Zahlen
Das Schutzgebiet wurde am 25. Januar 1989 zunächst mit einer Fläche von 61.706,83 Hektar ausgewiesen. Durch das Abkommen Nummer 71 vom 28. Dezember 2005 erfolgte eine Erweiterung auf 69.039,29 Hektar. Davon entfallen 17.517 Hektar auf einen geschützten Meeresstreifen. Die Reserve erstreckt sich über ungefähr 40 Kilometer entlang der Küste und reicht rund vier Kilometer ins Landesinnere. Zuständig ist die Secretaría de Desarrollo Sustentable des Bundesstaates Yucatán und nicht die Bundesregierung.
Der 2018 aktualisierte Managementplan nennt für die Kernzone 29.740 Hektar und für die Pufferzone 39.299 Hektar. An einer anderen Stelle desselben Dokuments werden für die Kernzone allerdings nur 21.935 Hektar angegeben. Dieser Widerspruch wurde bislang nicht geklärt, weshalb Angaben zur tatsächlichen Größe der Kernzone mit Vorsicht zu behandeln sind.
Seit dem 7. Dezember 2000 ist die Reserva Estatal de Dzilam als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung nach der Ramsar-Konvention eingetragen. Sie trägt die Nummer 1045 und wird dort noch mit der älteren Flächenangabe von 61.707 Hektar geführt. BirdLife International listet das Gebiet außerdem als Important Bird Area MX185. Im Osten grenzt es beinahe direkt an das Biosphärenreservat Ría Lagartos. An der schmalsten Stelle liegen zwischen beiden Schutzgebieten lediglich 50 bis 80 Meter.
Der wirtschaftliche Nutzungsdruck ist erheblich. Ungefähr 14.000 Hektar der geschützten Fläche befinden sich in Privatbesitz, während rund 68 Prozent der innerhalb des Gebiets lebenden Bevölkerung ihren Lebensunterhalt mit Fischerei, Jagd und Landwirtschaft bestreiten.
Warum vor Dzilam Süßwasser aus dem Meeresboden austritt
Im Norden Yucatáns gibt es keine oberirdischen Flüsse. Der Kalkstein ist derart wasserdurchlässig, dass Niederschläge unmittelbar versickern und unterirdisch in Richtung Küste abfließen. Für Dzilam spielt dabei der Anillo de Cenotes eine zentrale Rolle. Dieses halbkreisförmige Gebiet besitzt eine besonders hohe Konzentration an Karsthohlformen. Eugene Perry und seine Kollegen beschrieben 1995 in der Fachzeitschrift Geology einen ungefähr 180 Kilometer großen Ring, der weitgehend mit einer Struktur des unter der Halbinsel begrabenen Chicxulub-Kraters übereinstimmt, der beim Einschlag am Ende der Kreidezeit entstand.
Dieser Ring funktioniert hydrogeologisch ähnlich wie ein unterirdischer Fluss. Er konzentriert Grundwasser und leitet es zu zwei bestimmten Bereichen an der Küste – nach Celestún im Westen und zu den Bocas de Dzilam im Osten. Perry und sein Team wiesen an beiden Orten eine auffällig hohe Zahl submariner Süßwasserquellen nach. Eine hydrogeochemische Modellierung von Rosela Pérez-Ceballos und Kollegen aus dem Jahr 2021 bestätigte diese beiden Strömungswege. Außerdem zeigte sie, dass das Grundwasser auf seinem Weg nach Dzilam Formationen aus Eozän, Oligozän und Miozän durchquert.
Das austretende Wasser ist in der Praxis sauerstoffarm und salzarm. Der Sauerstoffgehalt liegt zwischen 0,1 und 0,5 Milligramm je Liter, der Salzgehalt zwischen 1 und 10 Gramm je Liter. Dadurch wird die starke Versalzung der flachen und intensiv verdunstenden Küstengewässer abgeschwächt. Der entstehende Salzgradient macht die Lagune zu einem wichtigen Aufwuchsgebiet für Weichtiere, Seegurken, Schildkröten und Fische. Im Managementplan wird deshalb festgehalten, dass genau diese Bedingungen Dzilam vermutlich zu einem der fischreichsten Küstenabschnitte Yucatáns machen.
Fünf Vegetationstypen auf engem Raum
In der Reserve treffen fünf tropische Vegetationstypen aufeinander – Küstendüne, Mangrove, Petén, saisonal überfluteter Niederwald und laubabwerfender Trockenwald. Insgesamt wurden 457 Pflanzenarten aus 316 Gattungen und 91 Familien erfasst. Davon sind 55 Arten Endemiten der biotischen Provinz Yucatán, 16 werden im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens geführt.
Mangrove
Mangroven bedecken 18.979 Hektar und damit 27,5 Prozent der Reservatsfläche. Sie bilden den wichtigsten Lebensraum des Schutzgebiets. Alle vier in Mexiko vorkommenden Mangrovenarten sind vertreten und werden in der NOM-059-SEMARNAT-2010 als „amenazada“ eingestuft. Die Rote Mangrove (Rhizophora mangle, Maya tabche‘) macht 57 Prozent aller Individuen aus. Es folgen die Weiße Mangrove (Laguncularia racemosa) mit 16 Prozent, die Schwarze Mangrove (Avicennia germinans, xtauché) mit 5 Prozent und die Knopfmangrove (Conocarpus erectus) mit knapp 5 Prozent. Entlang der Kanäle und im Bereich der Bocas erreicht der Saummangrovenwald Höhen zwischen 8 und 12 Metern. Im Landesinneren bleibt die Beckenmangrove dagegen mit 1,5 bis 3 Metern deutlich niedriger.
Petenes
Petenes sind bewaldete Inseln innerhalb überfluteter Marschlandschaften, die sich rund um Süßwasserquellen entwickeln. Innerhalb Mexikos kommen solche Landschaftsformen ausschließlich auf der Halbinsel Yucatán vor. In der Reserva Estatal de Dzilam nehmen sie 1.640 Hektar ein. Vorherrschend sind Bravaisia berlandieriana mit 44 Prozent und die Weiße Mangrove mit 41 Prozent. Hinzu kommen der Farn Acrostichum aureum, die Palme Sabal yapa und der Alligatorapfel Annona glabra. Durch die dauerhafte Versorgung mit Wasser und Nährstoffen wirken die Petenes innerhalb der ansonsten salzgeprägten Landschaft wie kleine Inseln besonders hoher Biodiversität.
Küstendüne und Trockenwald
Mit nur 63 Hektar bedeckt die Küstendüne gerade einmal 0,09 Prozent des Reservats, beherbergt jedoch 124 Pflanzenarten aus 45 Familien. Sechs dieser Arten kommen ausschließlich auf der Halbinsel vor, darunter Enriquebeltrania crenatifolia, Prosopis mayana und der Kaktus Selenicereus donkelaari. Auf den stabileren Bereichen der inneren Düne wachsen unter anderem die Palmen Thrinax radiata (ch’it) und Coccothrinax readii (nakax) sowie die Meertraube Coccoloba uvifera.
Der laubabwerfende Trockenwald im südlichen Teil der Reserve erstreckt sich über 6.355 Hektar und umfasst ebenfalls 124 Arten, darunter 14 regionale Endemiten. Fast sämtliche Bäume verlieren während fünf bis sechs Monaten des Jahres ihre Blätter und blühen ausgerechnet am Ende der Trockenzeit im unbelaubten Zustand. Von besonderer ökologischer Bedeutung sind das Guajakholz Guaiacum sanctum und der lokal Kanzacam genannte Säulenkaktus Pterocereus gaumeri, der als vom Aussterben bedroht gilt. Unter besonderem Schutz stehen außerdem die Königspalme Roystonea dunlapiana und die Bromelie Tillandsia festucoides.
Auf dem Boden der Lagune wurden 53 Makroalgenarten nachgewiesen. Hinzu kommen die Seegräser Halodule wrightii, Thalassia testudinum, Syringodium filiforme und Ruppia maritima. Mit einem Deckungsgrad von 90 Prozent besitzt die Lagune von Dzilam die dichteste Makrophytenvegetation aller Küstenlagunen Yucatáns.
Tierwelt zwischen Mangrove, Karst und Meer
Für die Reserva Estatal de Dzilam sind 497 Tierarten nachgewiesen. 69 davon werden nach der mexikanischen Norm NOM-059 einer Gefährdungskategorie zugeordnet, 34 sind Endemiten der Halbinsel und 23 stehen auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion.
Vögel
Mit 221 dokumentierten Vogelarten beherbergt das Schutzgebiet 48 Prozent der gesamten für Yucatán bekannten Vogelwelt. Zwei endemische Arten machen den Küstenstreifen für Vogelbeobachter besonders interessant. Der Yucatán-Zaunkönig Campylorhynchus yucatanicus brütet ausschließlich in einem ungefähr einen Kilometer breiten Bereich am landseitigen Rand der Mangroven und gilt als potenziell gefährdet. Der Mexikanische Scherenschwanzkolibri Doricha eliza wiegt lediglich 2,4 bis 2,6 Gramm, wird nach NOM-059 als vom Aussterben bedroht eingestuft und kommt in zwei voneinander getrennten Populationen vor. In Zentralveracruz leben weniger als 2.500 Individuen, während die Population an Yucatáns Nordküste auf 6.000 bis 10.000 Tiere geschätzt wird.
Für Dzilam selbst existiert ein konkreter wissenschaftlicher Nachweis. Waldemar Santamaría-Rivero, Bárbara MacKinnon und Eurídice Leyequién beschrieben 2011 zwei der ersten wissenschaftlich publizierten Nester dieser Art im Bundesstaat Yucatán. Eines davon befand sich auf einer Viehweide bei Dzilam de Bravo. Dadurch verschob sich das bekannte Verbreitungsgebiet um mindestens vier Kilometer weiter ins Landesinnere und um Vegetationsformen, in denen der Kolibri zuvor nicht dokumentiert worden war.
Rosaflamingos (Phoenicopterus ruber) nutzen die Lagunen als Nahrungsflächen, ihre Brutgebiete liegen jedoch in Ría Lagartos. In der Ramsar-Registrierung werden mehr als 20.000 Wasservögel für das Gebiet genannt. Zwischen November und Februar erreichen nach Schätzungen der Umweltbehörden mehr als 300.000 ziehende Wasservögel die Schutzgebiete der nördlichen Küste Yucatáns. Dazu zählen Blauflügelenten, Löffelenten und Spießenten. Ganzjährig lassen sich Rosalöffler, Reiher, Kormorane, Pelikane und der mit dem Jabiru verwandte Waldstorch beobachten.
Reptilien, Säugetiere und Wirbellose
In der Reserve wurden 38 Reptilienarten erfasst, entsprechend 43 Prozent des Bestands im gesamten Bundesstaat. An den Stränden nisten sowohl die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) als auch die Suppenschildkröte (Chelonia mydas), wobei die Karettschildkröte deutlich häufiger vorkommt. In Cenoten, Aguadas und Mangrovenkanälen lebt Crocodylus moreletii, das dortige Pendant zum Spitzkrokodil. Besucher bekommen diese Tiere auf Bootstouren regelmäßig zu sehen.
Unter den insgesamt 62 Säugetierarten befinden sich 22 Fledermausarten. Das Schutzgebiet gehört zu den mexikanischen Jaguar-Konservierungseinheiten. Außerdem sind der Klammeraffe (Ateles geoffroyi) und das Weißbartpekari (Tayassu pecari) nachgewiesen. Drei Meeressäuger wurden dokumentiert – der Ostpazifische Delfin Stenella longirostris, der Kurzflossen-Grindwal Globicephala macrorhynchus und die Karibische Seekuh Trichechus manatus.
Bei der Seekuh ist eine realistische Einschätzung angebracht. Benjamín Morales-Vela, Janneth Padilla und Antonio Mignucci befragten im Dezember 1999 Fischer entlang der Nordküste und führten im Jahr 2000 drei Erfassungsflüge durch. Keiner der befragten Fischer hatte in den vorangegangenen fünf Jahren eine Seekuh gesehen, und das Forschungsteam selbst beobachtete nur ein einziges erwachsenes Tier. Der Abschnitt zwischen Dzilam de Bravo und Río Lagartos gilt zwar als geeigneter Lebensraum, der Bestand ist jedoch äußerst klein. Neuere Daten aus dem nationalen Artenschutzprogramm enthalten wieder einzelne Sichtungen, darunter auch vor Dzilam. Eine Reise allein in der Hoffnung auf eine Seekuh lohnt sich dennoch nicht.
Unter den Wirbellosen fällt besonders der Pfeilschwanzkrebs Limulus polyphemus auf, der nach NOM-059 als vom Aussterben bedroht gilt. Wirtschaftlich wichtig sind die Rotkrake Octopus maya, die Languste Panulirus argus, die Fechterschnecke Strombus gigas und die Seegurke Isostichopus badionotus. Die hohen Preise der Seegurke haben in den vergangenen Jahren zu erheblichem Überfischungsdruck geführt.
Bootstouren ab Dzilam de Bravo
Die Ausflugsboote starten am Malecón und beim Leuchtturm. Gefahren werden die Touren von Fischern und kleinen lokalen Anbietern und nicht von Reiseagenturen aus Mérida. Nachdem sich die frühere Kooperative Sayachuleb aufgelöst hatte, übernahmen mehrere Familien den Betrieb eigenständig.
Üblich sind drei Tourvarianten. Die kürzeste Fahrt führt ausschließlich zum submarinen Süßwasseraustritt Xbuya-Há und kostet ungefähr 900 Pesos pro Boot. Die Standardrunde dauert drei bis vier Stunden und kombiniert Xbuya-Há mit dem Cenote Elepetén und der Lagune. Je nach Anbieter werden dafür 1.300 bis 1.800 Pesos pro Boot verlangt. Die längste Variante führt bis zu den Bocas de Dzilam und nach Punta Arenas, dauert bis zu sechs Stunden und lässt sich mit Schleppangeln, Schnorcheln an den Piedras de Chakaltún sowie frisch zubereitetem Ceviche verbinden. Dafür verlangen manche Anbieter bis zu 2.400 Pesos. Die Preise beziehen sich auf das gesamte Boot und nicht auf einzelne Teilnehmer. Üblicherweise gibt es sieben bis acht Plätze.
Einige Lanchafahrer bieten außerdem nächtliche Touren zur Beobachtung der Biolumineszenz an. Sie finden ausschließlich bei mondlosen Bedingungen statt und dauern typischerweise von 20:30 bis 23:30 Uhr. Der Preis liegt bei ungefähr 2.000 Pesos pro Boot. Mit Genehmigung kann an den Bocas übernachtet werden. Dort stehen Palapas zum Aufhängen von Hängematten sowie eine Trockentoilette zur Verfügung. Kajaks können ausgeliehen werden, Angelfahrten werden separat angeboten.
Für Vogelbeobachtung eignet sich besonders der frühe Morgen. Flamingos halten sich dann in den flachen Armen der Lagune auf, während das Licht für das Fotografieren vom Boot günstig steht. Ein Fernglas ist oft nützlicher als ein langes Teleobjektiv, weil die Boote ausreichend Abstand zu den Tieren einhalten müssen.
Xbuya-Há und Cenote Elepetén
Xbuya-Há ist eine Süßwasserquelle im offenen Meer und liegt nur wenige hundert Meter vor der Küste. An der Wasseroberfläche lässt sie sich an einer ständig bewegten Stelle erkennen, an der das aufsteigende Süßwasser das salzige Meerwasser verdrängt. Beim Hineinspringen schwimmt man durch eine deutlich sichtbare Schlierenschicht und spürt gleichzeitig einen Temperatursprung, weil das Grundwasser merklich kühler ist als das durch die Sonne aufgeheizte Flachwasser. Das Phänomen ist eine lokale Ausprägung jener hydrogeologischen Prozesse, die Perry und seine Kollegen für den gesamten Kraterrand beschrieben haben.
Der Cenote Elepetén befindet sich mitten in der Mangrove und ist von Feuchtwald umgeben. Er lässt sich ausschließlich mit dem Boot erreichen. Vom Anleger führt ein ungefähr 340 Meter langer Bohlenweg zum Wasser. Außerdem gibt es dort Palapas und eine ökologische Toilette. Da die Umgebung zum Lebensraum von Krokodilen gehört, sollte nur an dafür vorgesehenen Stellen und gemeinsam mit einem Guide gebadet werden. Bei einem Arbeitsbesuch der Tourismusbehörde SEFOTUR im Jahr 2025 wurde Elepetén ausdrücklich als Beispiel für das touristische Entwicklungspotenzial Dzilams genannt.
Fischerei als Taktgeber
Die Fischerei bildet das wirtschaftliche Fundament des Ortes und bestimmt zugleich, wann überhaupt ausreichend Boote für touristische Fahrten verfügbar sind. Die Oktopus-Saison dauert vom 1. August bis zum 15. Dezember. Vom 16. Dezember bis zum 31. Juli gilt Schonzeit. Gefangen werden sowohl die endemische Rotkrake Octopus maya als auch die weiter verbreitete Octopus vulgaris. Beim Zackenbarsch Mero gilt die Schonzeit vom 1. Februar bis zum 31. März, bei Langusten vom 1. März bis zum 30. Juni.
Die Fangmengen verdeutlichen die Bedeutung des Hafens. Im August 2022 wurden in Dzilam de Bravo 273.058 Kilogramm Oktopus angelandet, darunter 245.462 Kilogramm Rotkrake. Damit belegte der Ort innerhalb Yucatáns Rang vier hinter Progreso, Celestún und Sisal. Während der Saison 2025 wurden im gesamten Bundesstaat etwa 32.000 Tonnen gefangen. Der Kilopreis lag bei ungefähr 250 Pesos.
In den ersten Wochen des Augusts ist der Hafen dementsprechend stark ausgelastet. Boote und Besatzungen werden dann vor allem für die Fischerei gebraucht. Zwischen Januar und Juli haben Besucher deshalb eine deutlich größere Auswahl an Touren. Gleichzeitig verändert sich jedoch das kulinarische Angebot. Ceviche und frittierter Tagesfang werden das ganze Jahr angeboten, frischer Pulpo vor allem zwischen August und Dezember.
Isla Cerritos, der Hafen von Chichén Itzá
Im östlichen Bereich des Schutzgebiets liegt vor San Felipe eine kleine Insel mit ungewöhnlicher Vergangenheit. Isla Cerritos war ungefähr von 100 v. Chr. bis 1200 n. Chr. besiedelt und fungierte im 10. und 11. Jahrhundert als Seehafen von Chichén Itzá. Ab 1984 führten Anthony P. Andrews und Tomás Gallareta Negrón dort Ausgrabungen durch. Dabei wurden 32 Gebäude in drei Bereichen freigelegt, darunter Tempel, Pfeilerhallen und Wohnplattformen.
Besonders auffällig ist eine künstlich angelegte Hafenmauer mit einer Länge von 330 Metern. Sie wurde ungefähr 80 Meter vor der südlichen Küste der Insel errichtet und bildete einen geschützten Ankerplatz. Eine derart spezialisierte Hafenanlage ist aus dem übrigen Maya-Gebiet nicht bekannt. Die Fundstücke belegen weitreichende Handelskontakte – darunter Obsidian aus Zentralmexiko und dem guatemaltekischen Hochland sowie Basalt, Jadeit und Feuerstein. Darüber hinaus wurde auf Isla Cerritos die umfangreichste Muschelsammlung entdeckt, die jemals an einem Maya-Fundplatz dokumentiert wurde. Sie umfasst 46 verschiedene Molluskenarten. Um 1200 wurde der Hafen plötzlich aufgegeben, zeitgleich mit dem Niedergang von Chichén Itzá.
Isla Cerritos ist keine regulär erschlossene archäologische Zone des INAH mit Kasse und festen Besuchszeiten. Wer die Insel besuchen möchte, muss in San Felipe nach einer Bootsfahrt fragen. Auch auf dem Festland innerhalb des Gemeindegebiets von Dzilam de Bravo existieren weitere nicht erschlossene Fundorte, darunter Xalau, Tamba, Bolmay, Petul und Xcan.
Das Grab von Jean Lafitte und was sich aus den Quellen ableiten lässt
Kaum ein anderer Ort Yucatáns hält so beharrlich an einer lokalen Legende fest. In Dzilam de Bravo erinnert ein Denkmal an den französischen Freibeuter Jean Lafitte, der durch die Schlacht von New Orleans bekannt wurde. Nach örtlicher Überlieferung soll er in Dzilam gestorben und auf dem alten Friedhof unmittelbar am Meer bestattet worden sein. 1960 wurde ein Grabstein aufgestellt. Der Managementplan des Reservats nennt unter Berufung auf den Kartografen Michel Antochiw dagegen das Jahr 1961. Der ursprüngliche Friedhof wurde im Oktober 1966 durch den Hurrikan „Inés“ zerstört. Ein später errichteter Stein wurde im September 1988 durch „Gilberto“ beschädigt. In den örtlichen Erzählungen werden als Todesjahr Lafittes 1821, 1826 oder 1827 genannt.
Dem widerspricht ein zeitgenössischer Bericht. Die Gaceta de Colombia schrieb in ihrer Ausgabe vom 20. April 1823 über ein Seegefecht im Golf von Honduras, das ungefähr zwei Monate zuvor stattgefunden hatte. Lafitte war damals mit einem Kaperbrief Gran Colombias unterwegs und griff zwei Schiffe an, die sich als stark bewaffnet herausstellten. Laut Bericht wurde er tödlich verwundet und starb einen Tag später. Vermutlich wurde sein Körper auf See bestattet. Nach dieser Darstellung existieren weder ein Leichnam in Dzilam noch ein dortiges Grab.
Damit stehen zwei nicht miteinander vereinbare Versionen nebeneinander – ein zeitgenössisch gedruckter Bericht von 1823 und eine mündliche Überlieferung, die erst 1960 durch einen Gedenkstein sichtbar gemacht wurde. Hinzu kommt eine dritte Geschichte, nach der Lafitte seinen Tod nur vortäuschte und bis 1875 unter einem anderen Namen in North Carolina lebte. Für keine der beiden später entstandenen Varianten gibt es belastbare Belege. Dzilam de Bravo hält dennoch an seiner eigenen Überlieferung fest, und der Gedenkstein bleibt ein beliebtes Fotomotiv mit ungeklärtem historischen Wahrheitsgehalt.
Klima und beste Reisezeit
Das Klima entspricht einem heißen Savannenklima mit Sommerregen. An der Wetterstation Dzilam de Bravo beträgt die durchschnittliche Jahrestemperatur 25,9 Grad Celsius. Die jährliche Niederschlagsmenge liegt zwischen 600 und 970 Millimetern, während die Verdunstung ungefähr 1.800 Millimeter erreicht.
Drei Jahreszeiten bestimmen das Wetter. Während der Trockenperiode von März bis Mai fällt kaum Regen, gleichzeitig steigen die Höchsttemperaturen auf 36 bis 38 Grad. Die Regenzeit dauert von Juni bis Oktober und erreicht im September mit ungefähr 125 Millimetern Niederschlag ihr Maximum. In den letzten beiden Monaten dieser Periode herrscht zugleich Hurrikansaison. Von November bis Februar folgt die Zeit der Nortes. Kaltlufteinbrüche senken die Durchschnittstemperaturen dann auf etwa 23 Grad, bei ungefähr 40 Millimetern Niederschlag.
Für Bootsausflüge und Vogelbeobachtungen bietet der Zeitraum von Dezember bis April die zuverlässigsten Bedingungen. Dann halten sich die Zugvögel im Gebiet auf, das Meer ist häufig ruhig und die Temperaturen sind angenehmer. Nortes können allerdings kurzfristig dazu führen, dass Boote nicht auslaufen dürfen. Ein zusätzlicher Puffertag bei der Reiseplanung ist deshalb sinnvoll. Direkt vor dem Malecón ist der Strand relativ schmal. Breitere Strandbereiche beginnen ungefähr 500 Meter weiter östlich.
Was sich derzeit verändert
Seit 2025 fördert der Bundesstaat die Entwicklung Dzilam de Bravos zu einem Ziel für Ökotourismus. Bei einem Arbeitsbesuch der Tourismusbehörde SEFOTUR wurden fünf Vereinbarungen getroffen. Dazu gehören eine zweite Bauphase des Malecóns, die Aufnahme zusätzlicher lokaler Anbieter in das offizielle Tourismusregister und Schulungsprogramme für Guides.
Diese Entwicklung ist nicht widerspruchsfrei. Bereits der Managementplan von 2018 verschärfte die Zonierung des Reservats. Küstenbereiche, die zuvor für die öffentliche Nutzung freigegeben waren, wurden einer Zone für Erhaltung und traditionelle Nutzung zugeordnet. Genau dort treffen Mangroven, Seegrasflächen und die submarinen Süßwasserquellen aufeinander. Gleichzeitig räumt der Plan den Fischerkomitees von Dzilam de Bravo, Dzilam González und San Felipe Mitspracherechte bei der Gestaltung der Nutzungsstrategien ein. Ob sich wachsende Besucherzahlen mit diesem Schutzsystem vereinbaren lassen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Für Besucher ergibt sich daraus eine einfache Konsequenz – Touren bei örtlichen Anbietern buchen, Rettungswesten verwenden, ausreichend Abstand zu Flamingos und Krokodilen halten und keinerlei Abfälle im Wasser hinterlassen. Dzilam de Bravo lebt in erster Linie von der Fischerei. Der Tourismus liefert zusätzliches Einkommen, doch beide Wirtschaftszweige sind auf dieselbe natürliche Grundlage angewiesen.
Quellen und Literatur
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