
- Die vier Atlanten stehen auf der Pyramide B von Tula de Allende, Bundesstaat Hidalgo, rund 80 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt.
- Jede Figur misst 4,60 Meter, wiegt nach INAH-Angaben etwa 8,5 Tonnen und besteht aus vier Basaltblöcken, die über Zapfen und Zapfenloch ineinandergreifen.
- Jorge R. Acosta fand die zerlegten Figuren 1941 in einer vorspanischen Raubgrube auf der Pyramide, aufgestellt wurden sie erst 1960.
- Tula erreichte zwischen 900 und 1150 nach Christus rund 16 Quadratkilometer Ausdehnung, gestützt auf 68 publizierte Radiokarbondaten.
- Die Region ist semiarid, das Tal trägt seinen Namen nach dem Mezquite-Baum, der Ort seinen nach dem Schilfrohr Tule.
- Baumringe mexikanischer Sumpfzypressen belegen für 1149 bis 1167 eine anhaltende Dürre, zeitgleich mit dem Ende der toltekischen Vorherrschaft.
- Eintritt 2026: 210 Pesos für Ausländer, 105 Pesos für Mexikaner und Personen mit Wohnsitz in Mexiko, geöffnet Montag bis Sonntag von 9:00 bis 17:00 Uhr.
Auf der Pyramide B von Tula stehen vier Basaltkrieger von 4,60 Metern Höhe. Sie trugen einst das Dach eines Tempels, wurden im 12. Jahrhundert gestürzt, verscharrt und erst 1941 wiedergefunden. Rundherum liegt eines der trockensten Kulturtäler Zentralmexikos, das seit einem Jahrhundert vom Abwasser der Hauptstadt lebt.

Der Ort verbindet drei Geschichten, die selten zusammen erzählt werden. Die erste ist archäologisch und hat sich in den letzten fünf Jahren stärker verändert als in den vierzig Jahren davor. Die zweite ist botanisch, denn Tula liegt in einem Dornstrauch- und Kakteenland, dessen Artenbestand die toltekische Wirtschaft mitbestimmte. Die dritte ist ökologisch und aktuell: Der Industriekorridor von Tula gehört zu den größten Schwefeldioxidquellen Nordamerikas, und der saure Regen greift genau jene Steinoberflächen an, wegen derer Besucher kommen.

Warum Tula nach einer Sumpfpflanze heißt
Der Name der Stadt stammt von einer Pflanze, die dort heute kaum noch wächst. Tollan kommt vom Nahuatl-Wort tollin, dem Rohrkolben oder Binsengewächs, das an den Flussufern wuchs und aus dem Matten, die petates, geflochten wurden. Wörtlich heißt Tollan also „Ort der Tule“. Alma Guadalupe Mastache und andere Forscher lesen den Namen zusätzlich metaphorisch: Wo Binsen so dicht stehen, steht auch die Menschenmenge dicht, weshalb Tollan im Nahuatl zum Wort für Metropole wurde.

Der zweite Namensteil, Xicocotitlan, verweist auf den benachbarten Berg Xicuco, wird gelegentlich aber auch als „bei den Hummeln“ übersetzt. Archäologen benutzen die Doppelform Tollan-Xicocotitlan, um die reale Stadt in Hidalgo vom mythischen Tollan der Chroniken zu trennen. Diese Unterscheidung ist keine Pedanterie. Noch Alexander von Humboldt hielt die Pyramiden von Teotihuacán für ein Werk der Tolteken.

Die Umgebung trägt ebenfalls einen Pflanzennamen. Das Valle del Mezquital ist nach dem Mezquite benannt, einem dornigen Hülsenfruchtbaum mit tiefreichender Pfahlwurzel. Der Ortskern liegt auf etwa 2.020 Metern über dem Meer, das Klima ist nach Köppen ein kaltes Steppenklima vom Typ BSk. Die Jahresmitteltemperatur liegt je nach Station bei 16 bis 18 Grad, der Jahresniederschlag zwischen etwa 620 und 700 Millimetern, mit einer Regenzeit von Mai bis September. Zum Vergleich: Berlin bekommt bei deutlich niedrigerer Verdunstung ähnlich viel Regen.

Die Atlanten – Maße, Material, Machart
Die vier Figuren sind keine Statuen im engeren Sinn, sondern tragende Bauteile. Sie standen im Inneren des Tempels auf der Pyramide B und stützten zusammen mit vier reliefierten Pfeilern die Dachkonstruktion. Für das Publikum auf dem Platz waren sie nicht sichtbar. Erst der Einsturz des Daches und die moderne Rekonstruktion machten sie zur Silhouette, die heute jedes Hidalgo-Plakat ziert.

Jede Figur misst 4,60 Meter und wiegt nach Angaben des Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH) rund 8,5 Tonnen. Das Material ist Basalt, ein zähes vulkanisches Gestein, das sich schlecht spalten und nur mühsam glätten lässt. Die Bildhauer arbeiteten deshalb in vier Segmenten: Beine und Füße, zwei Rumpfteile, Kopf. Verbunden wurden sie mit dem System caja y espiga, also Zapfen und Zapfenloch, passgenau ohne Mörtel.

Die Ausstattung ist die eines hochrangigen Kriegers und im Detail bemerkenswert konsistent. Das Museo Nacional de Antropología listet für sein Exemplar einen zylindrischen Kopfschmuck, ein Brustschild in Form eines stilisierten Schmetterlings, den tezcacuitlapilli, eine runde Rückenscheibe mit Feuerschlangen, dazu einen Speerschleuderer (átlatl), eine gebogene Holzwaffe, Wurfpfeile, ein lanzettförmiges Messer, einen Lendenschurz, rechteckige Ohrpflöcke und Sandalen mit Schlangendekor. Auf der unbedeckten Haut hat sich rotes Pigment erhalten. Die Atlanten waren also farbig gefasst, nicht grau.

Der Name selbst ist eine europäische Zutat. Atlanten heißen in der Architekturgeschichte männliche Stützfiguren nach dem griechischen Titanen Atlas. Mit toltekischer Vorstellungswelt hat der Begriff nichts zu tun. In Mexiko heißen sie deshalb oft schlicht Gigantes de Tula.
Wie Jorge Acosta die Figuren fand
Der mexikanische Archäologe Jorge Ruffier Acosta grub ab 1940 auf dem Cerro del Tesoro. Auf der Pyramide B stieß er auf eine vorspanische Raubgrube, in der die Bruchstücke der Figuren und mehrere Reliefplatten lagen. Das INAH datiert den Fund der Atlanten auf 1941, ältere populäre Darstellungen nennen 1940. Wer die Grube anlegte, ist nicht sicher geklärt; das Museo Nacional de Antropología hält mexicanische Gruppen für wahrscheinlich, die die längst verlassene Stadt nach Beutestücken durchsuchten.

Acosta arbeitete mehr als zwei Jahrzehnte an Tula. Die Atlanten setzte er zunächst provisorisch auf dem nördlichen Platz zusammen. Erst 1960 wurden sie auf die Pyramide gehoben, dorthin also, wo Acosta ihren ursprünglichen Standort vermutete. Dieser Punkt wird in Reiseführern gern übergangen: Die heutige Aufstellung ist eine begründete archäologische Rekonstruktion, kein überlieferter Befund.
Ein Detail, das kaum ein deutschsprachiger Beitrag nennt: Nicht alle vier Figuren auf der Pyramide sind Originale. Das Museo Nacional de Antropología schreibt, drei der vier vor Ort seien original, das vierte Original stehe in der Sala Tolteca des Museums in Mexiko-Stadt. Die Delegation des Centro INAH Hidalgo erklärte dagegen 2019, nur zwei der vier seien echt, und schlug vor, weitere Originale durch Repliken zu ersetzen, um sie vor saurem Regen zu schützen. Die Angaben widersprechen sich, und das INAH hat den Widerspruch bislang nicht öffentlich aufgelöst.
Pyramide B und das Zeremonialzentrum
Die Pyramide B trägt den Namen Tempel des Tlahuizcalpantecuhtli, „Herr der Morgenröte“. Gemeint ist der Planet Venus als Morgenstern, eine Erscheinungsform des Quetzalcóatl. Die Terrassen waren mit Reliefplatten verkleidet, auf denen Jaguare, Adler mit Herzen im Schnabel und ein Mischwesen aus Feuerschlange und Menschengesicht erscheinen.
Unmittelbar westlich schließt der Palacio Quemado an, der „verbrannte Palast“, ein Komplex aus drei Sälen mit Säulenreihen, Steinbänken und einem Chac Mool. Nördlich der Pyramide verläuft das Coatepantli, die Schlangenmauer, deren Fries eine Schlange zeigt, die ein Skelett verschlingt. Dazu kommen ein Tzompantli, zwei Ballspielplätze, das Edificio 4 und ein Adoratorium in der Platzmitte.
Der sichtbare Bereich ist nur der jüngere Kern. Rund anderthalb Kilometer nördlich liegt Tula Chico, das ältere Zeremonialzentrum mit sehr ähnlichem Grundriss. Tula Chico ist nicht für Besucher freigelegt. Der Archäologe Carlos Arriaga Mejía formulierte es 2026 so, dass die heutige Schutzzone nur einen winzigen Prozentsatz der vorspanischen Stadt umfasse.
Was die Forschung seit 2021 anders sieht
2021 legten Dan M. Healan, Robert H. Cobean und Robert T. Bowsher in Ancient Mesoamerica eine überarbeitete Chronologie vor. Grundlage sind 68 publizierte Radiokarbondaten und mehrere archäomagnetische Datierungen, ausgewertet mit dem Kalibrierprogramm CALIB. Drei Ergebnisse verschieben das bisherige Bild deutlich.
Erstens beginnt die Besiedlung von Tula Chico früher als gedacht. Die drei ältesten Daten, eines davon an einem Maiskolben gewonnen, fallen in die mittlere Klassik. Die Autoren setzen den Beginn der Frühen Corral-Phase nun um 400 nach Christus an. Tula wurde also gegründet, als die Region noch unter der Kontrolle Teotihuacáns stand.
Zweitens begann der monumentale Ausbau von Tula Chico erst um 600 bis 650. Das Zentrum Tula Grande, wo die Atlanten stehen, entstand noch später, frühestens in der Terminalen Corral-Phase. Ein Holzkohlefund unter sieben Metern Aufschüttung lieferte dafür einen medianen Wert von 868 nach Christus.
Drittens war die Stadt sozial durchmischter als angenommen. Ausgrabungen an mehr als 30 Fundstellen zeigen Viertel, in denen Haushalte sehr unterschiedlichen Status nebeneinander lagen. Maya-Polychromkeramik, Plumbate-Ware, Türkismosaike, ein polierter Obsidianspiegel und erstmals auch Goldobjekte kamen nicht aus dem Zeremonialzentrum, sondern aus Wohnhäusern quer durch das Stadtgebiet. In der Fundstelle PGR fanden sich zudem Spuren einer Massenopferung von bis zu 49 Personen, überwiegend Kinder, unmittelbar vor dem Bau eines Wohnkomplexes.
Zur Einwohnerzahl schweigt die Chronologie bewusst. Ältere Schätzungen reichen von rund 30.000 bei Richard Diehl bis über 60.000. Das INAH nennt in Publikumsmaterialien 85.000. Belastbar ist bislang nur die Fläche von etwa 16 Quadratkilometern, die durch neuere Rettungsgrabungen an den Hängen des Cerro Magoni eher noch wächst.
Der Nachschub an Befunden reißt nicht ab, weil Infrastrukturprojekte durch das Stadtgebiet führen. Im März 2026 meldete das INAH einen Altar der Tollan-Phase, gefunden bei Rettungsgrabungen für die Personenbahn Mexiko-Stadt bis Querétaro, rund 300 Meter außerhalb der Schutzzone. Im Mai 2026 kamen bei Ignacio Zaragoza fünf schachtgrabähnliche Bestattungen aus teotihuacanischer Zeit ans Licht, mit 47 Miniaturgefäßen in einer einzigen Kammer. Ende Juni 2026 stieß ein Team beim Bau einer Kläranlage in der Colonia 16 de Enero auf ein Elitegebäude von 40 mal 80 Metern. Darin lagen zwei Reliefplatten, die von der Pyramide B stammen dürften: eine mit Tlahuizcalpantecuhtli, 78 mal 53 Zentimeter, eine mit einem Raubkatzenmotiv, 53 mal 42 Zentimeter. Unter einem Wohnfußboden fanden sich die Skelettreste von sechs Kindern. Der Archäologe Luis Gamboa Cabezas deutet den Befund als Selbstlegitimation: Bewohner der Peripherie eigneten sich Symbole der Kernstadt an, als diese ihren sakralen Rang bereits verloren hatte.
Tula und Chichén Itzá – wer beeinflusste wen
Die gängige Erzählung geht so: Quetzalcóatl wurde aus Tula vertrieben, zog nach Osten und gründete als Kukulcán Chichén Itzá, weshalb beide Städte einander architektonisch ähneln. Die Ähnlichkeiten sind real, von den Kriegersäulen über den Chac Mool bis zu den Adler-Jaguar-Friesen. Die Richtung des Einflusses ist es nicht.
Neuere Datierungen zeigen, dass die „toltekische“ Architektur von Chichén Itzá teils älter ist als Tula Grande. Zugleich fanden Cobean, Healan und Suárez in Tula Chico Reliefskulpturen mit den Kernmerkmalen des sogenannten toltekischen Stils, also in epiklassischen Schichten deutlich vor der Blütezeit von Tula Grande. Keith Jordan hatte 2016 in Latin American Antiquity bereits argumentiert, dass diese Funde die Frage nach der Priorität neu stellen. Wer heute schreibt, die Tolteken hätten Chichén Itzá erobert und ihren Stil mitgebracht, gibt einen Forschungsstand der 1970er Jahre wieder.
Dürre, Feuer und das Ende
Die Tollan-Phase endet nach der überarbeiteten Chronologie um 1150. Für die Zerstörung des Palacio Quemado durch Feuer liefern archäomagnetische Messungen zwei Zeitfenster: Daniel Wolfman kam auf etwa 1140, fünf neuere Messungen von Martínez auf rund 1175. Healan und Kollegen betonen, dass das Ende der Tollan-Phase und der Brand zwei verschiedene Ereignisse sein können.
Den interessantesten Baustein liefert die Botanik. David Stahle und Kollegen bauten 2011 aus 74 Bohrkernen von 30 tausendjährigen Ahuehuetes eine 1.238 Jahre lange Jahrringchronologie auf. Die Bäume, mexikanische Sumpfzypressen der Art Taxodium mucronatum, stehen in der Barranca de Amealco in Querétaro, rund 60 Kilometer von Tula entfernt. Es ist die einzige Baumart Mesoamerikas, die regelmäßig ein Jahrtausend alt wird, und zugleich Mexikos Nationalbaum.
Die daraus rekonstruierte Bodenfeuchte im Frühsommer korreliert mit modernen Maiserträgen Zentralmexikos mit einem Koeffizienten von 0,58. Für die Jahre 1149 bis 1167 zeigt die Reihe eine schwere, anhaltende Dürre. Auf unbewässerten Feldern im trockenen Tula-Becken bedeuteten solche Jahre nach Diehls Einschätzung Totalausfälle. Damit liegt erstmals ein jahrgenau datiertes Klimasignal vor, das exakt in das Zeitfenster des politischen Zusammenbruchs fällt. Als monokausale Erklärung taugt es nicht, denn interne Konflikte und Zuwanderung sind ebenfalls belegt. Als Beitrag zur Erklärung ist es das präziseste Argument, das die Forschung derzeit hat.
Die Vegetation – Matorral xerófilo im Mezquital-Tal
Wer in Tula aus dem Auto steigt, steht in einem Dornstrauchland, das floristisch näher an der Chihuahua-Wüste liegt als am zentralmexikanischen Hochtal. Untersuchungen im benachbarten Tecozautla-Tal ergaben die größte Ähnlichkeit mit dem Südteil der Chihuahua-Wüste, gefolgt von den Tälern Actopan und Ixmiquilpan.
Der Oberbegriff lautet matorral xerófilo, Trockenbuschland. Im Mezquital treten vor allem drei Ausprägungen auf. Der matorral crasicaule ist von Sukkulenten bestimmt und siedelt auf flachgründigen, steinigen Rhyolithhängen zwischen etwa 1.800 und 2.700 Metern. Dominant sind der Garambullo Myrtillocactus geometrizans, der Feigenkaktus Opuntia streptacantha und, in feuchteren Lagen, der säulenförmige Isolatocereus dumortieri. Der matorral espinoso, das eigentliche Mezquital, wird von Mezquite und dornigen Leguminosen wie Mimosa biuncifera und Vachellia schaffneri getragen. Entlang von Río Tula und Río Rosas verläuft schmaler Galeriewald.
Über den Sträuchern ragen zwei Baumformen heraus. Die Palmlilie Yucca filifera, regional Palma china oder Izote genannt, bildet mehrere Meter hohe Stämme mit Blütenrispen. Der Pfefferbaum Schinus molle, spanisch Pirul, prägt viele Ortsränder und Kirchhöfe. Er gilt weithin als Wahrzeichen des mexikanischen Hochlands, stammt aber aus den Anden und wurde in der Kolonialzeit eingeführt. Auf Mezquite-Ästen wächst fast überall die wurzellose Bromelie Tillandsia recurvata, die Feuchtigkeit direkt aus der Luft aufnimmt.
Im Bodenbereich fallen Agaven auf. Der Pulque-Agave Agave salmiana ist die wirtschaftlich wichtigste Art, die Lechuguilla Agave lechuguilla liefert die Faser Ixtle. Auf der archäologischen Zone selbst sind Lechuguilla-Rosetten zwischen den Fundamenten unübersehbar.
Ein Hinweis für alle, die mit offiziellen Artenlisten arbeiten. Die CONANP nennt für den Parque Nacional Tula unter anderem „Mezquite (Prosopis juliflora)“, „Nopal (Opuntia imbricata)“ und „Huizache (Acacia constricta var. farnesiana)“. Alle drei Angaben sind aus heutiger Sicht korrekturbedürftig. Der Mezquite des zentralmexikanischen Hochlands ist Prosopis laevigata, nicht P. juliflora; nach der Revision der Gattung durch Hughes und Kollegen 2022 heißt er korrekt Neltuma laevigata, denn Prosopis im engeren Sinn umfasst nur noch drei altweltliche Arten. Opuntia imbricata gehört längst zu den Cholla-Kakteen und heißt Cylindropuntia imbricata, ist also kein Nopal. Und „Acacia constricta var. farnesiana“ vermengt zwei Arten: Der Huizache ist Vachellia farnesiana, Vachellia constricta ist eine eigenständige Art. Solche Altlasten sind in mexikanischen Behördenlisten häufig und werden von Reiseportalen ungeprüft übernommen.
Pflanzen als toltekische Wirtschaftsgrundlage
Die frühen Siedlungen der Region lagen auf Hügelkuppen, also auf agrarisch schlechtem Gelände. Anderson und Kollegen führen ihre Beständigkeit auf kaktusgestützten Anbau zurück, allen voran Maguey. Die Agave liefert vier Produkte auf einmal: Aguamiel und daraus vergorenen Pulque, Blätter als Futter und Baumaterial, Fasern für Seile und Textilien, dazu den Blütenschaft als Bauholz. Sie braucht keine Bewässerung, verträgt Frost und wird auf Terrassenrändern gepflanzt, wo Mais nicht mehr sicher trägt.
Genau diese Kombination erklärt, warum Tula in einem Trockental so groß werden konnte. Mais, Bohnen und Kürbis wuchsen in der Flussaue und mit kleinen Kanälen und Staustufen, Maguey und Nopal auf allem Übrigen. Ergänzend lieferten Mezquite-Hülsen ein stärkereiches Mehl, Nopal-Feigen und die sauren Xoconostles Frischobst, Tule das Flechtmaterial. Im ländlichen Tepetitlán, 20 Kilometer nördlich, hat die Forschung eine ganze Keramikproduktion nachgewiesen, deren Gefäßformen an der Maguey-Verarbeitung hängen. Patricia Fournier García hat diese Kontinuität bis in die Gegenwart der Hñähñu, der Otomí des Mezquital, verfolgt: Maguey, Pulque und Töpferei bilden dort bis heute einen zusammenhängenden Komplex.
Die Spindelwirtel und Webgeräte aus den Wohnvierteln Tulas passen ins Bild. Gesponnen wurde Baumwolle, die importiert werden musste, und Agavenfaser, die vor der Haustür wuchs.
Parque Nacional Tula – 99,5 Hektar Schutzgebiet
Die Ruinen liegen in einem Nationalpark. Präsident José López Portillo erklärte am 27. Mai 1981 eine Fläche von 99,50 Hektar auf Ejido-Land von Tula de Allende zum Parque Nacional Tula. Das Dekret nennt als Zweck ausdrücklich, das Ökosystem des Ortes zu bewahren, an dem die toltekische Kultur aufblühte. Ein zweites Dekret vom 3. Dezember 1993 gliederte die Zone der archäologischen Monumente ein, die weiterhin dem INAH untersteht. Verwaltet wird der Park heute gemeinsam von SEMARNAT beziehungsweise CONANP und INAH.
Die CONANP weist zwölf nummerierte Interpretationspfade mit zusammen etwa zehn Kilometern aus. Als Fauna führt sie unter anderem das Katzenfrett Bassariscus astutus, den Graufuchs Urocyon cinereoargenteus, Taschenratten und die Krötenechse Phrynosoma orbiculare. Ältere Bestandsaufnahmen räumen freimütig ein, dass zu Untertypen der Vegetation und zur floristischen Zusammensetzung nichts Genaues bekannt sei. Für ein seit 1981 geschütztes Gebiet ist das eine bemerkenswerte Wissenslücke.
Abwasser aus Mexiko-Stadt und ein grünes Trockental
Wer heute durch das Mezquital-Tal fährt, sieht Luzerne- und Maisfelder, wo die Klimadaten Dornbusch erwarten lassen. Der Grund ist das Abwasser der Hauptstadt. Seit über einem Jahrhundert wird ungeklärtes Wasser aus dem Becken von Mexiko nach Hidalgo abgeleitet, seit 1975 vor allem durch den Túnel Emisor Central, seit 2019 zusätzlich durch den Túnel Emisor Oriente. Es sammelt sich in der Lagune von Zumpango und in den Talsperren Requena, Endhó, Rojo Gómez und Vicente Aguirre und speist von dort die Bewässerungskanäle.
Die Größenordnung ist beachtlich. Nach Conagua-Daten erreichen dem hydrographischen System des Mezquital rund 56,6 Kubikmeter pro Sekunde, von denen etwa 94 Prozent in die Bewässerung fließen. Das Bewässerungsdistrikt 003 Tula versorgt zusammen mit den Distrikten Ajacuba und Alfajayucan eine Fläche, die in Behörden- und Presseangaben mit bis zu 90.000 Hektar beziffert wird. Luzerne und Körnermais dominieren. Es handelt sich um eines der größten Abwasserbewässerungsgebiete der Welt.
Der Preis ist bekannt und gut dokumentiert. Schwermetalle reichern sich seit Jahrzehnten in den Böden an, Christina Siebe wies das bereits 1994 für das Distrikt 003 nach. Der Grundwasserleiter unter dem Tal wird durch Versickerung künstlich aufgefüllt und liefert inzwischen Trinkwasser, doch in mehreren der untersuchten Brunnen liegen Arsen, Fluorid und Blei über den zulässigen Grenzwerten. Die Kläranlage Atotonilco, auf 158,4 Hektar gebaut und für bis zu 35 Kubikmeter pro Sekunde ausgelegt, gehört zu den größten der Welt. Ihre Inbetriebnahme löste Proteste der Bewässerungsbauern aus, weil das gereinigte Wasser weniger Stickstoff und Phosphor mitbringt und Teile davon in die Industrie umgeleitet wurden.
Saurer Regen und die Oberfläche der Steinriesen
Zwölf Kilometer von der Pyramide entfernt stehen die Raffinerie Miguel Hidalgo und das Kraftwerk Francisco Pérez Ríos. Nach dem Luftreinhalteprogramm Proaire emittieren beide zusammen ein Vielfaches des Schwefeldioxids der gesamten Metropolregion Mexiko-Stadt; das Bürgerobservatorium OCCA führt den Komplex an zweiter Stelle unter 500 SO2-Emittenten Nordamerikas. Seit 1989 gilt die Zone offiziell als kritisches Luftbelastungsgebiet.
Für die Archäologie ist das kein abstraktes Problem. Schwefeldioxid bildet mit Luftfeuchte schweflige Säure, die Basaltoberflächen chemisch angreift und Relief wie Farbreste abträgt. Genau damit begründete das Centro INAH Hidalgo 2019 den Vorschlag, weitere Originalfiguren durch Repliken zu ersetzen.
Hier gibt es eine konkrete Aussicht auf Besserung. Im Januar 2025 kündigte Präsidentin Claudia Sheinbaum die Umstellung des Kraftwerks von Schweröl auf Erdgas an. Die CFE konkretisierte im Dezember 2025: Drei der fünf Blöcke werden stillgelegt, zwei bleiben als Reserve, der Betrieb der neuen Gas-und-Dampf-Anlage soll im Dezember 2028 beginnen. Erwartet werden rund 60 Prozent weniger Kohlendioxid und praktisch kein Schwefeldioxid mehr. Ob der Zeitplan hält, ist offen; ähnliche Ankündigungen gab es seit den 2000er Jahren mehrfach.
Besuch, Anfahrt und Preise 2026
Die Zona Arqueológica de Tula öffnet Montag bis Sonntag von 9:00 bis 17:00 Uhr, letzter Einlass um 16:00 Uhr. Tula fällt in die Kategorie I der Bundesgebührenordnung. Seit dem 1. Januar 2026 kostet der Eintritt 210 Pesos für Ausländer und 105 Pesos für Mexikaner sowie Personen mit Wohnsitznachweis in Mexiko. Sonntags ist der Zugang für beide Gruppen frei, ebenso ganzjährig für Kinder unter 13 Jahren, Studierende und Lehrkräfte mit gültigem Ausweis, INAPAM-Berechtigte und Menschen mit Behinderung. Die Gebührenreform wurde am 7. November 2025 im Diario Oficial de la Federación veröffentlicht und gilt bis Ende 2026.
Die Anfahrt ab Mexiko-Stadt führt über die Autobahn 57 Richtung Querétaro, bei Kilometer 77 zweigt die Straße nach Tula de Allende ab. Vom Ortszentrum fahren Sammeltaxis Richtung Actopan, Iturbe oder Santa Ana bis zum Eingang. Neben dem Haupteingang liegen das Museo Jorge R. Acosta und die Interpretationshalle Guadalupe Mastache.
Praktisch wichtig: Auf dem Gelände gibt es keinen Schatten und keine Trinkwasserstellen. Sonnenschutz, Hut und ausreichend Wasser gehören zur Grundausstattung, besonders von März bis Mai, wenn die Höchstwerte über 30 Grad steigen können. Wer botanisch interessiert ist, plant zusätzlich Zeit für die Pfade des Nationalparks ein, weil sich der Sukkulentenbestand dort besser erschließt als auf dem Zeremonialplatz.
Ein Nebeneffekt der geringen Bekanntheit: Tula ist selten voll. Die archäologischen Zonen Hidalgos verzeichneten von Januar bis Mai 2025 zusammen 77.315 Besuche, davon 59.248 in Tula. Chichén Itzá kam von Januar bis November 2025 auf rund zwei Millionen. Wer die Atlanten an einem Werktagvormittag besucht, hat die Pyramide häufig fast für sich.
Was offen bleibt
Drei Fragen sind ungelöst und werden die nächsten Jahre bestimmen. Erstens die Priorität des toltekischen Stils gegenüber Chichén Itzá, für die die epiklassischen Skulpturen aus Tula Chico neues Material liefern. Zweitens der tatsächliche Umfang der Stadt, den jede Rettungsgrabung an Bahntrassen und Kläranlagen ein Stück weiter nach außen schiebt. Drittens der Zustand der Steinoberflächen, über den es keine öffentlich zugängliche Langzeitmessreihe gibt, obwohl das INAH seit Jahren mit saurem Regen argumentiert. Wer die Atlanten im Original sehen will, sollte damit nicht beliebig lange warten.
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