
- Aristolochia tricaudata Lem. gehört zur Familie der Aristolochiaceae und wächst als etwa 3 bis 4 Meter hoher Strauch. Charles Antoine Lemaire beschrieb die Art 1865 und 1867.
- Bislang sind fünf Fundstellen bekannt: drei liegen im Norden Oaxacas, eine im nördlichen Chiapas und eine weitere entspricht dem nicht genauer lokalisierten Typusfundort in Chiapas.
- Die Pflanze kommt in Höhenlagen zwischen 900 und 1.375 Metern vor, wo tropischer Tieflandregenwald in Bergnebelwald übergeht.
- Die dunkel weinroten Blüten erreichen eine Länge von 8 bis 16 Zentimetern. Jedes der drei miteinander verwachsenen Kelchblätter endet in einem herabhängenden, 5 bis 15 Zentimeter langen Fortsatz.
- Im Mai 2008 entdeckten Rivera-Hernández und Samain bei San Juan Teponaxtla in Oaxaca drei blühende und fruchtende Exemplare. Damit wurden erstmals überhaupt reife Früchte der Art dokumentiert.
- Weder in der IUCN-Roten Liste in der Version 2024-1 noch im Anhang III der NOM-059-SEMARNAT-2010 in der Fassung von 2019 ist die Art aufgeführt.

Aristolochia tricaudata ist eine Pfeifenblumenart aus den feuchten Bergwäldern der mexikanischen Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas. Insgesamt sind fünf Vorkommen belegt, von denen das jüngste erst 2008 entdeckt wurde. Charakteristisch sind ihre weinroten Kesselfallenblüten mit drei langen, fadenartigen Fortsätzen, denen die Art ihren Namen verdankt. In europäischen Gewächshäusern wird sie bereits seit den 1860er Jahren kultiviert, dort bildet sie jedoch keine Früchte.
Vorkommen – fünf bekannte Fundstellen
Sämtliche nachgewiesenen Standorte befinden sich zwischen 900 und 1.375 Metern über dem Meeresspiegel. Sie liegen in einer Übergangszone zwischen tropischem Regenwald des Tieflands und Bergnebelwald. Am Standort El Campamento bei San Juan Teponaxtla im Distrikt Cuicatlán wurden drei Sträucher auf 1.220 Metern Höhe gefunden. Dort wuchsen sie gemeinsam mit Pflanzen aus den Gattungen Terminalia, Calatola, Amphitecna und Clusia. Herbarbelege aus Usila und Tenango in Oaxaca sowie aus Tila in Chiapas nennen außerdem Coccoloba und Quararibea als Begleitpflanzen. Der Nachweis aus Chiapas stammt aus dem Jahr 1983, während der älteste bekannte Beleg aus Oaxaca 1991 gesammelt wurde. Bis heute wurden die bekannten Fundorte nicht vollständig erneut untersucht, um die Größe der dortigen Populationen zu bestimmen.

Botanik – ein Strauch innerhalb einer überwiegend kletternden Gattung
Zur Gattung Aristolochia gehören ungefähr 500 Arten, bei denen es sich größtenteils um Kletterpflanzen handelt. A. tricaudata bildet dagegen einen mehrstämmigen, an andere Pflanzen angelehnten Strauch. Seine Zweige verlaufen zickzackförmig und besitzen leicht verdickte Knoten. Der Wuchs entspricht dem Architekturmodell von Troll. Die Blätter erreichen eine Länge von 10 bis 23 Zentimetern und eine Breite von 5 bis 12 Zentimetern. Auf ihrer Unterseite sind die Blattnerven feinfilzig behaart.
Die dreizähligen und zygomorphen Blüten besitzen eine dunkelrote bis rotbraune Färbung und einen weißlichen Schlund. Sie entstehen sowohl unmittelbar am Stamm als auch in den Blattachseln älterer Zweigbereiche. Sechs Staubbeutel sind jeweils paarweise an den drei Lappen eines Gynostemiums angeordnet. Als Frucht entwickelt sich eine 3 bis 8 Zentimeter lange, sechsfächrige und septizide Kapsel. Beim Öffnen rollen sich ihre Klappen stark zurück. Die Samen werden bis zu 5 Millimeter groß. Innerhalb der Untergattung Isotrema gelten A. arborea und A. salvadorensis als die nächsten Verwandten. Hans Huber ordnete die Art 1960 unter dem Namen Isotrema tricaudatum einer eigenständigen Gattung zu. Plants of the World Online führt sie weiterhin unter der Gattung Aristolochia.
Ökologie – eine Kesselfalle mit Nahrungsvorrat
Pfeifenblumen nutzen ihre Blüten als Gleitfallen. Durch Duftstoffe angelockte Insekten rutschen in den Blütenkessel und können diesen zunächst nicht wieder verlassen. Erst nachdem die Blüte von ihrer weiblichen in die männliche Phase übergegangen ist und die Sperrhaare erschlaffen, wird der Ausgang wieder zugänglich. Claudia Erbar, Anna Heiler und Peter Leins konnten 2017 bei acht Arten der Gattung Aristolochia Nektarien an der Innenseite des Blütenkessels nachweisen. Bei A. tricaudata, A. arborea und A. salvadorensis entdeckten sie erstmals sogenannte Nektariolen. Dabei handelt es sich um voneinander getrennte Drüsengruppen anstelle der ansonsten üblichen Drüsenhaare. Der produzierte Nektar versorgt die eingeschlossenen Fliegen während ihres Aufenthalts mit Nahrung und führt sie gleichzeitig in Richtung des später geöffneten Ausgangs. Welche Insekten A. tricaudata unter natürlichen Bedingungen tatsächlich bestäuben oder besuchen, wurde bislang nicht untersucht.
Vom Typusexemplar zur Kultur im Gewächshaus
Der belgische Pflanzensammler Auguste Boniface Ghiesbreght, der von 1810 bis 1893 lebte, sammelte das Typusexemplar in Chiapas. Eine genaue Ortsangabe hinterließ er dabei nicht. Lebende Pflanzen gelangten anschließend in die Gärtnerei von Ambroise Verschaffelt in Gent und wurden von dort an zahlreiche europäische Pflanzensammlungen weitergegeben. Charles Antoine Lemaire veröffentlichte 1865 zunächst eine kurze vorläufige Mitteilung. Zwei Jahre später, 1867, folgte in L’Illustration Horticole die vollständige botanische Beschreibung einschließlich einer Farbtafel. Da kultivierte Exemplare bis heute keine Früchte bilden, vermuten Rivera-Hernández und Samain, dass sämtliche Gewächshauspflanzen von einer einzigen Einführung abstammen. Wahrscheinlich geht diese auf dieselbe Sammlung zurück, aus der auch das Typusmaterial hervorging.
Verwendung, Bezeichnungen und Toxikologie
Die meisten mexikanischen Arten der Gattung Aristolochia werden als guaco oder flor de guaco bezeichnet. Den Bewohnern von San Juan Teponaxtla war A. tricaudata vor ihrer Dokumentation im Jahr 2008 nicht bekannt. Sie gaben der Pflanze den Cuicatec-Namen i’ho dúvi, was „kleiner Baum“ bedeutet. Hintergrund ist, dass ihre Sprache keinen eigenen Begriff für einen Strauch besitzt. Aus Chiapas ist eine traditionelle Anwendung bekannt, bei der sechs Blätter abgekocht werden. Der daraus hergestellte Sud wird drei Tage lang zweimal täglich gegen blutige Durchfälle getrunken. Pflanzen der Gattung enthalten jedoch Aristolochiasäuren. Diese wurden 2012 von der IARC als Karzinogene der Gruppe 1 für den Menschen eingestuft. Sie können eine Aristolochiasäure-Nephropathie mit interstitieller Nierenfibrose sowie Urothelkarzinome verursachen. Von einer Selbstmedikation ist deshalb ausdrücklich abzuraten.
Schutzstatus – bekannt, aber bislang nicht offiziell gelistet
Rivera-Hernández und Samain schlugen 2011 vor, Aristolochia tricaudata in die NOM-059-SEMARNAT-2010 unter der Kategorie „en peligro de extinción“ aufzunehmen und die Art bei der IUCN als Critically Endangered einzustufen. Bislang wurde keiner dieser beiden Vorschläge umgesetzt, wie der Eintrag in der eFloraMex des Instituto de Biología der UNAM zeigt. Einen unmittelbaren Schutz gewährleistet derzeit vor allem die Gemeinde San Juan Teponaxtla. Dort ist die Entnahme von Pflanzen oder Pflanzenteilen innerhalb des Gemeindegebiets untersagt.
Quellen und Literatur
- Rivera-Hernández, J. E. & Samain, M.-S. (2011): Where has Aristolochia tricaudata (Aristolochiaceae) gone? New record of a critically endangered species in Oaxaca, Mexico. Revista Mexicana de Biodiversidad 82(1), 281 bis 285. scielo.org.mx/pdf/rmbiodiv/v82n1/v82n1a25.pdf
- Erbar, C., Heiler, A. & Leins, P. (2017): Nectaries in fly-deceptive pitcher-trap blossoms of Aristolochia. Flora 232, 128 bis 141. doi.org/10.1016/j.flora.2016.10.007
- Lemaire, C. (1867): Aristolochia tricaudata. Aristoloche à trois queues. L’Illustration Horticole 14, 121 bis 123, Tafel 522.
- Paizanni Guillén, A. & Douterlungne, D. (2023): Aristolochia spp. Aristolochiaceae. In: Casas, A. et al. (Hrsg.): Ethnobotany of the Mountain Regions of Mexico. Springer, 1081 bis 1137. doi.org/10.1007/978-3-319-77089-5_29-1
- Instituto de Biología, UNAM: Aristolochia tricaudata Lem. eFloraMex, Flora de México en línea. efloramex.ib.unam.mx (abgerufen am 15. September 2026)
- SEMARNAT (2019): Modificación del Anexo Normativo III, Lista de especies en riesgo de la NOM-059-SEMARNAT-2010. Diario Oficial de la Federación, 14. November 2019.
- IARC (2012): Pharmaceuticals. Aristolochic acids. IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Band 100A. Lyon.
- Plants of the World Online: Aristolochia tricaudata Lem. Royal Botanic Gardens, Kew. powo.science.kew.org (abgerufen am 15. September 2026)






