- Xalapa ist die Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Veracruz. Laut INEGI-Zensus von 2020 lebten im Gemeindegebiet 488.531 Menschen.
- Das Stadtgebiet befindet sich auf etwa 1.250 bis 1.560 Metern Höhe und liegt ungefähr 100 Straßenkilometer von der Küste des Golfs von Mexiko entfernt.
- Im Museo de Antropología de Xalapa sind sieben der bisher 17 entdeckten olmekischen Kolossalköpfe ausgestellt. Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag zwischen 9:00 und 17:00 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 70 Pesos.
- Weniger als ein Prozent der Fläche Mexikos ist von Bergnebelwald bedeckt. Trotzdem wachsen dort etwa 2.500 Pflanzenarten und damit ungefähr ein Zehntel der gesamten mexikanischen Flora.
- Vom 20. August bis 20. November überqueren vier bis fünf Millionen Greifvögel die Küstenebene rund 60 Kilometer östlich von Xalapa.
- Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt etwa 18 Grad, die jährliche Niederschlagsmenge rund 1.500 Millimeter. Vergleichsweise trocken ist es von November bis April.
Xalapa befindet sich ungefähr auf halber Strecke zwischen dem Hafen von Veracruz und dem mexikanischen Hochland. Hier trifft die warme Luft des Golfs auf die Sierra Madre Oriental, steigt auf und sorgt häufig für einen feinen, anhaltenden Nieselregen, den die Einwohner chipi chipi nennen. Dieses besondere Klima prägt die gesamte Region: Es schafft die Voraussetzungen für Nebelwald und Kaffeeanbau, sorgt für eine üppig grüne Stadt mit kühlen Morgenstunden und beeinflusst eine Küche, in der Blüten, Kletterpflanzen und die Blütenstände von Palmen verwendet werden.
Der Ortsname hat seinen Ursprung im Nahuatl. Xalli bedeutet Sand und apan lässt sich mit Fluss oder Quelle übersetzen, sodass der Name ungefähr als „Quelle im Sand“ verstanden werden kann. Nach dem INEGI-Zensus 2020 zählt die Gemeinde 488.531 Einwohner und ist damit die zweitbevölkerungsreichste Gemeinde des Bundesstaates Veracruz. Zusammen mit sechs benachbarten Gemeinden bildet Xalapa eine Metropolregion. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über Höhen zwischen 700 und 1.600 Metern, weshalb sich Vegetation und Klima bereits auf kurzen Distanzen deutlich verändern. Für Veracruz besteht derzeit keine regionale Reisewarnung des Auswärtigen Amts, allerdings wird wie für Mexiko insgesamt zu erhöhter Vorsicht geraten.
Das Museo de Antropología und die olmekischen Kolossalköpfe
Das Museo de Antropología de Xalapa, meist kurz MAX genannt, wird nach dem Nationalmuseum in Mexiko-Stadt häufig als zweitbedeutendstes archäologisches Museum Mexikos bezeichnet. Anders als viele archäologische Museen gehört es nicht zum INAH, sondern zur Universidad Veracruzana. Diese gründete 1957 gleichzeitig ein Museum, ein Forschungsinstitut und eine anthropologische Hochschule. Das heutige Museumsgebäude wurde vom Büro des US-amerikanischen Architekten Edward Durell Stone entworfen und 1986 eröffnet. Es folgt dem natürlichen Gefälle des Geländes in mehreren Terrassen, sodass Besucher die Ausstellung beim Rundgang schrittweise bergab durchqueren.
Die Sammlung widmet sich den drei großen Kulturen, die das Gebiet des heutigen Veracruz besonders geprägt haben: den Olmeken, den Totonaken und den Huasteken. Insgesamt umfasst der Bestand etwa 25.000 bis 30.000 Objekte, von denen dauerhaft nur ein kleiner Teil gezeigt wird. Mittelpunkt des Museums ist der Saal der Olmeken. Dort stehen sieben der weltweit 17 bekannten Kolossalköpfe, die größtenteils aus San Lorenzo Tenochtitlan stammen. Der als Nummer 7 bezeichnete Kopf wurde erst 1969 entdeckt. In keinem anderen Museum der Welt befinden sich mehr monumentale olmekische Skulpturen an einem Ort.
Für Besucher wichtig: Das Museum öffnet von Dienstag bis Sonntag jeweils zwischen 9:00 und 17:00 Uhr. Der reguläre Eintritt kostet 70 Pesos. Studierende, Lehrkräfte und Personen mit INAPAM-Ausweis zahlen 30 Pesos. Jeden Tag beginnt um 11:30 Uhr eine kostenlose Führung. Audioguides in spanischer und englischer Sprache sind für 60 Pesos erhältlich. Bei guter Sicht lässt sich von der Cafeteria des Museums aus der Cofre de Perote erkennen.
Die Altstadt – Parque Juárez, schmale Gassen und ein erloschener Vulkan
Beim Parque Juárez handelt es sich nicht um eine typische mexikanische Plaza. Der Platz wurde vielmehr als Terrasse an einem Hang angelegt. Von der südlichen Begrenzung reicht der Blick über die Dächer der Stadt bis zu den Bergen. Rund um den Park stehen die Catedral Metropolitana, der Palacio de Gobierno und der Palacio Municipal. In der Kathedrale werden die Reliquien von Rafael Guízar y Valencia aufbewahrt, der 2006 heiliggesprochen wurde. Dadurch besitzt Xalapa auch Bedeutung als Ziel für religiös motivierte Reisen.
Nur wenige Schritte entfernt verläuft der Callejón del Diamante. In dieser engen Gasse befinden sich Cafés, Bücherstände und Geschäfte mit Kunsthandwerk. Besonders am Abend gehört sie zu den lebendigsten Bereichen des Zentrums. Parallel dazu führt der Callejón Jesús te Ampare in Richtung der Kirche San José. Etwas weiter westlich befindet sich das Viertel Xallitic mit historischen Quellen und Waschbecken. Dieser Bereich steht in engem Zusammenhang mit dem Namen der Stadt.
Drei Grünanlagen spielen innerhalb Xalapas eine besondere Rolle. Der Paseo de los Lagos erstreckt sich als langgezogener Park entlang künstlich angelegter Seen durch Teile der Stadt und wird besonders morgens von Läufern genutzt. Der Parque Ecológico Macuiltépetl befindet sich auf einem erloschenen Vulkankegel. Mit knapp 1.600 Metern bildet dieser den höchsten Punkt innerhalb des Stadtgebiets. Ein Rundweg führt dort durch Sekundärwald. Die dritte wichtige Anlage ist der Botanische Garten, der aufgrund seiner Besonderheiten einen eigenen Abschnitt verdient.
Nebelwald direkt vor der Stadt – Jardín Botánico Clavijero
Der Jardín Botánico Francisco Javier Clavijero befindet sich an der alten Straße in Richtung Coatepec, etwas mehr als vier Kilometer vom Zentrum Xalapas entfernt. Seit dem Ende der 1980er Jahre gehört er zum Instituto de Ecología, kurz INECOL, und führt das Herbarkürzel XAL. Von insgesamt 38 Hektar Fläche werden acht Hektar für botanische Sammlungen genutzt. Die übrigen 30 Hektar bestehen aus erhaltenem Wald, der auf dem Gelände einer ehemaligen Kaffeeplantage wächst. Besucher finden dort unter anderem ein Arboretum, ein Pinetum, ein Palmetum, Bambusbestände, eine Station mit stachellosen Meliponen-Bienen sowie Gewächshäuser mit Orchideen und Zykadeen. Der Garten ist täglich zwischen 9:00 und 17:00 Uhr geöffnet. Der Eintrittspreis ist niedrig.
Unmittelbar daneben befindet sich das Santuario del Bosque de Niebla. Das staatlich geschützte Gebiet umfasst 30 Hektar und ist einer der wichtigsten Gründe für einen Besuch. Wissenschaftler des INECOL haben auf dieser vergleichsweise kleinen Fläche mindestens 100 Vogelarten, 19 Säugetierarten, zehn Reptilienarten, neun Amphibienarten, 40 Orchideenarten und mehr als 250 Pilzarten festgestellt. Auch acht verschiedene Eichenarten wachsen hier. Dazu gehören Quercus xalapensis, Quercus germana und Quercus insignis. Letztere bildet die größten Eicheln der Welt. Seit 2015 ist das Gebiet Bestandteil des „Archipiélago de bosques y selvas“, eines Systems aus grünen Inseln zwischen Xalapa, Banderilla, Coatepec, Acajete, Emiliano Zapata und Tlalnelhuayocan.
Der mexikanische Bergnebelwald wird auf Spanisch als bosque mesófilo de montaña bezeichnet und gilt als seltenster Waldtyp Mexikos. Nach Angaben der CONABIO bedeckt er rund 18.534 Quadratkilometer und damit ungefähr ein Prozent der Landesfläche. Gleichzeitig kommen dort etwa 2.500 Pflanzenarten vor, was fast einem Zehntel der gesamten mexikanischen Flora entspricht. Rund 30 Prozent dieser Pflanzen existieren ausschließlich innerhalb dieses Ökosystems. Etwa 800 Arten sind Epiphyten. Noch größer ist seine Bedeutung für verschiedene Tiergruppen. In diesem Waldtyp leben Vertreter von ungefähr 60 Prozent der mexikanischen Amphibienarten, mehr als 55 Prozent der Reptilienarten und über 40 Prozent der Säugetierarten. Der von José Luis Villaseñor erstellte Katalog nennt für den mexikanischen Bergnebelwald insgesamt 6.790 Arten von Gefäßpflanzen. Knapp 35 Prozent davon sind endemisch.
Diese Waldgebiete sind jedoch erheblichen Belastungen ausgesetzt. Modellberechnungen von Esperón-Rodríguez und Barradas für das Zentrum von Veracruz zeigten, dass gerade der Amberbaum Liquidambar styraciflua zu den klimatisch empfindlichsten charakteristischen Arten gehört. Quercus xalapensis erwies sich dagegen als besonders widerstandsfähig gegenüber Trockenstress. Für Oreomunnea mexicana, einen Baum aus der Familie der Walnussgewächse mit sehr spezifischen Standortansprüchen, wird ein Verlust geeigneter Lebensräume von 36 bis 55 Prozent vorhergesagt.
Tierwelt der Umgebung – von Salamandern bis zum Strom der Greifvögel
Im Nebelwald selbst sind größere Tiere nur selten zu beobachten, da viele Säugetiere vor allem nachts aktiv werden. Aufnahmen von Kamerafallen aus dem Santuario zeigen unter anderem Beutelratten, Eichhörnchen, Stinktiere, Gürteltiere und Graufüchse. Deutlich häufiger lassen sich Vögel entdecken. Dazu gehören Trogone, farbenprächtige Verwandte des Quetzals. Unter Moos und Laub leben außerdem lungenlose Salamander. Diese Tiergruppe ist stark auf die hohe Feuchtigkeit des Waldes angewiesen und eignet sich deshalb als Indikator für dessen ökologischen Zustand.
Das spektakulärste zoologische Ereignis der weiteren Region findet allerdings rund 60 Kilometer östlich von Xalapa in der Küstenebene statt. Zwischen Cardel und Chichicaxtle wird die Zugroute nordamerikanischer Greifvögel durch die Lage zwischen dem Gebirge und dem Golf stark eingeengt. Dadurch entsteht ein natürlicher Flaschenhals. Pronatura Veracruz beobachtet und zählt den Vogelzug dort seit 1991 gemeinsam mit dem Hawk Mountain Sanctuary und HawkWatch International. Die jährlichen Zählungen laufen vom 20. August bis zum 20. November. In diesem Zeitraum ziehen vier bis fünf Millionen Greifvögel aus mindestens 27 verschiedenen Arten durch die Region. An einzelnen besonders starken Zugtagen wurden mehr als 1,2 Millionen Vögel erfasst.
Außergewöhnlich ist auch der Anteil bestimmter Arten an ihren weltweiten Populationen. Pronatura zufolge werden an den beiden Beobachtungsstationen rund 95 Prozent der Weltbestände des Präriebussards (Buteo swainsoni), des Breitflügelbussards (Buteo platypterus) und des Mississippiweihs (Ictinia mississippiensis) registriert. Hinzu kommt ein bedeutender Anteil der nordamerikanischen Truthahngeier (Cathartes aura). Die Beobachtungsstation in Cardel liegt auf dem Dach eines Hotels. Das Observatorium von Chichicaxtle wurde 1997 eröffnet und kann von Besuchern genutzt werden. Die dort eingerichtete Beringungsstation ist die einzige Anlage dieser Art in Mexiko und Mittelamerika.
Ausflugsziele rund um Xalapa
Coatepec befindet sich etwa zehn Kilometer südlich von Xalapa. Der Ort trägt die Auszeichnung Pueblo Mágico und gilt als Zentrum der Kaffeekultur von Veracruz. Für einen Rundgang durch das historische Ortsbild mit seinen Arkaden und Innenhöfen reichen ungefähr zwei Stunden. Wer zusätzlich die umliegenden Kaffeeplantagen besuchen möchte, kann problemlos einen ganzen Tag einplanen.
Xico liegt weitere zwölf Kilometer höher in den Bergen und ist ebenfalls als Pueblo Mágico ausgezeichnet. Bekannt ist der Ort insbesondere für den mole xiqueño, die Wasserfälle Texolo und La Monja sowie das Patronatsfest zu Ehren von Santa María Magdalena. Dieses wird vom 18. bis zum 31. Juli gefeiert. Während des Festes werden die Straßen mit Teppichen aus Blüten und gefärbtem Sägemehl geschmückt. Der Wasserfall Texolo fällt etwa 50 Meter tief in eine bewaldete Schlucht und kann über eine alte Stahlbrücke erreicht werden. Wer dort baden möchte, sollte genügend Abstand zur Abbruchkante einhalten, da die Strömung oberhalb des Wasserfalls regelmäßig unterschätzt wird.
Naolinco liegt etwa 30 Kilometer nordöstlich von Xalapa und ist vor allem für Lederverarbeitung und Schuhherstellung bekannt. Im nahe gelegenen San Miguel Aguasuelos wird bereits seit Jahrhunderten Keramik gebrannt.
Der Cofre de Perote, auch Nauhcampatépetl genannt, ist ein erloschener Schildvulkan etwa 40 Kilometer westlich von Xalapa. Auf seinem Gipfel befindet sich ein ungefähr 30 bis 40 Meter hoher Felsblock, dessen Form zur spanischen Bezeichnung „Truhe“ führte. Mit einer Höhe von etwas mehr als 4.200 Metern ist der Cofre de Perote der achthöchste Berg Mexikos. Das umliegende Gebiet wurde am 4. Mai 1937 zum Nationalpark erklärt. Dieser umfasst ungefähr 11.530 Hektar Kiefern- und Tannenwald, in dem Bäume mit einem Alter von mehr als 450 Jahren wachsen. Die CONANP verlangt einen Eintritt von 125 Pesos pro Person und Tag. Auch Alexander von Humboldt beschrieb den Berg während seiner Reise durch Neuspanien.
Die Hacienda El Lencero liegt an der Straße in Richtung Veracruz und wird heute als Museum genutzt. Zeitweise gehörte das Anwesen Antonio López de Santa Anna. Seinen Namen verdankt es jedoch Juan Lencero, einem Soldaten, der zum Gefolge von Hernán Cortés gehörte.
Cempoala befindet sich rund 80 Kilometer östlich von Xalapa. Die Stadt war einst das politische Zentrum der Totonaken und hatte während ihrer Blütezeit etwa 25.000 bis 30.000 Einwohner. Sie war die erste bedeutende indigene Stadt, mit der Hernán Cortés im Jahr 1519 in direkten Kontakt kam. Der damalige Herrscher wird in spanischen Chroniken als „Cacique Gordo“ bezeichnet. Er schloss ein Bündnis mit Cortés gegen die Mexica. Heute sind unter anderem Ringmauern, der Templo de las Caritas, das Sistema IV und ein aufwendig angelegtes System zur Wasserversorgung erhalten. Die archäologische Zone ist täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Nach Angaben des INAH beträgt der Eintritt für Besucher aus dem Ausland 145 Pesos, während in Mexiko ansässige Personen 80 Pesos zahlen.
Wer sich für Wildwasserfahrten interessiert, kann nach Jalcomulco am Río Pescados fahren. Dort bieten verschiedene Veranstalter Raftingtouren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden an.
Kaffee – weshalb die Region um Xalapa ideale Bedingungen bietet
Im 18. Jahrhundert gelangte Kaffee über den Hafen von Veracruz nach Neuspanien. In den Bergen rund um Xalapa fand die Pflanze nahezu perfekte Wachstumsbedingungen: fruchtbare vulkanische Böden, dauerhaft hohe Feuchtigkeit durch den Nebel und Höhenlagen zwischen 1.000 und 1.600 Metern sorgen dafür, dass die Kaffeekirschen langsam ausreifen können. „Café Veracruz“ besitzt seit dem Jahr 2000 eine geschützte mexikanische Herkunftsbezeichnung. Neben Chiapas handelt es sich um die einzige Kaffee-Denominación Mexikos. Das geschützte Gebiet umfasst ungefähr 145.000 Hektar in insgesamt 82 Gemeinden.
Auch aus ökologischer Sicht ist die traditionelle Bewirtschaftungsform interessant. Große Teile der Kaffeeplantagen werden als cafetal bajo sombra angelegt. Dabei wachsen die Kaffeepflanzen unter einem schützenden Dach einheimischer Baumarten. Peter Hietz konnte in einer Untersuchung mexikanischer Kaffeeplantagen zeigen, dass solche Schattenplantagen einen beträchtlichen Teil der Epiphytenvielfalt des ursprünglichen Nebelwaldes bewahren können. Allerdings lassen sich dort nicht sämtliche Arten erhalten. Im Botanischen Garten kann man in den alten Kaffeebeständen sehr gut erkennen, wie dieser Übergang zwischen Plantage und natürlichem Wald aussieht.
Essen in Xalapa – Chileatole, Gasparitos und die Herkunft des Jalapeño-Namens
Kulinarisch unterscheidet sich die Bergregion deutlich von der durch Fisch und Meeresfrüchte geprägten Küche an der Küste. Zu den typischen Gerichten gehört chileatole, eine dickflüssige Maissuppe mit Epazote, die je nach Rezept mit Zuckermais, Garnelen oder Fleisch zubereitet wird. Ebenfalls verbreitet sind huevos tirados, eine Mischung aus Rührei und schwarzen Bohnen. Hinzu kommen picadas und garnachas, kleine Maisfladen mit Salsa, Zwiebeln, Crema und Käse, sowie molotes aus Maisteig und Kartoffeln.
Aus ethnobotanischer Sicht sind viele weitere Zutaten auf den Speisekarten besonders bemerkenswert. In der Region werden zahlreiche Pflanzen des umliegenden Waldes traditionell als Lebensmittel genutzt. Das INECOL dokumentierte für den Golfabhang fast 570 essbare Wildpflanzenarten. Allein in der zentralen Bergregion werden 69 Arten als quelites verwendet. Besonders häufig findet man:
- Gasparitos sind die Blüten des Korallenbaums Erythrina americana. Sie werden beispielsweise mit Rührei zubereitet oder zu kleinen Küchlein verarbeitet.
- Xonequi (Ipomoea dumosa) ist eine Windenart mit herzförmigen Blättern. In Xico werden diese traditionell zusammen mit schwarzen Bohnen und kleinen Maisklößchen gekocht.
- Tepejilote bezeichnet die unreifen Blütenstände der Bergpalme Chamaedorea tepejilote. Sie werden paniert oder in Essig eingelegt. Der Begriff aus dem Nahuatl lässt sich ungefähr mit „Bergmais“ übersetzen, da der Blütenstand optisch an einen Maiskolben erinnert.
- Acuyo, auch Hoja Santa genannt (Piper auritum), besitzt aromatische Blätter mit einem an Anis erinnernden Duft. Sie dienen unter anderem zum Würzen von Fisch und Tamales.
- Izote sind die Blüten verschiedener Yucca-Arten. In der Kaffeezone werden sie unter anderem in Teig ausgebacken.
Besondere Aufmerksamkeit verdient außerdem der Chili, dessen Bezeichnung den Namen Xalapas weltweit bekannt gemacht hat. Der Jalapeño wurde nach Xalapa benannt, obwohl er heute ausgerechnet nicht zu den typischen lokalen Anbauprodukten gehört. Die wichtigsten Anbaugebiete befinden sich vielmehr im Becken des Río Papaloapan im Süden von Veracruz und in der Umgebung von Delicias im Bundesstaat Chihuahua. Die Historikerin Rosa María Spinoso Arcocha untersuchte 2020, wie diese Bezeichnung entstanden ist. Ihre Quellen legen nahe, dass sich das Wort „jalapeño“ ursprünglich nicht auf die frische Frucht, sondern auf eine bestimmte Konserve bezog. Zwischen 1720 und 1776 fanden in Xalapa insgesamt dreizehn sogenannte ferias de la flota statt. Auf diesen großen Handelsmessen wurden Waren, die aus Spanien eingetroffen waren, ins mexikanische Landesinnere weiterverteilt. Über dieselben Handelswege gelangten Olivenöl, Essig und Gewürze nach Xalapa. Damit standen genau jene Zutaten zur Verfügung, die für escabeche benötigt werden. Eingelegte Chilis aus Xalapa entwickelten sich daraufhin zu einem charakteristischen Produkt der Stadt.
Die weitere Entwicklung ist eng mit dem Handel verbunden. Der Ausdruck „chiles jalapeños“ erschien 1878 erstmals in Zeitungen von Mexiko-Stadt. Damals warben Anzeigen für „unvergleichliche Chilis aus Jalapa“. Bereits zwei Jahrzehnte später bot eine Fabrik in Toluca ihre eigenen „jalapeños“ an. Die Bezeichnung hatte sich damit von einem Herkunftshinweis zu einem Qualitätssiegel entwickelt. Eine der bekanntesten Konservenfabriken Xalapas war La Jalapeña. Sie wurde 1918 gegründet und stellte ihre Produktion erst in den 1990er Jahren ein. Wird ein reifer Jalapeño getrocknet und geräuchert, entsteht daraus Chipotle. Der Name geht auf das Nahuatl-Wort chilpoctli zurück und bedeutet „geräucherter Chili“.
Kaffee wird in Xalapa zu nahezu jeder Tageszeit getrunken. Daneben gehören torito, ein Milchlikör mit Frucht oder Erdnuss, sowie die Fruchtliköre aus Xico zu den regionaltypischen Getränken.
Kultur – Mexikos ältestes Sinfonieorchester
Xalapa trägt gelegentlich den Beinamen „Atenas Veracruzana“. Dahinter steht mehr als ein werblicher Slogan. Die Universidad Veracruzana beeinflusst das wissenschaftliche und kulturelle Leben der Stadt so stark, dass ihre Einrichtungen das Stadtbild wesentlich mitprägen. Das anthropologische Museum gehört zur Universität, während der Botanische Garten mit dem INECOL verbunden ist. Auch das bedeutendste musikalische Ensemble der Stadt steht in enger Verbindung mit der Universidad Veracruzana.
Die Orquesta Sinfónica de Xalapa spielte ihr erstes Konzert am 21. August 1929 im später abgerissenen Teatro Lerdo. Damals standen 38 Musiker unter der Leitung von Juan Lomán y Bueno auf der Bühne. Aufgeführt wurden Werke von Schubert, Liszt und Beethoven. Da das Orchester seit seiner Gründung ohne Unterbrechung aktiv geblieben ist, gilt es als das älteste kontinuierlich spielende Sinfonieorchester Mexikos. Seit 1975 gehört es zur Universidad Veracruzana.
Seinen heutigen Sitz hat das Orchester in der Sala Tlaqná auf dem Campus für Kultur, Kunst und Sport. Für die akustische Planung war Kirkegaard Associates verantwortlich. Besonders auffällig ist die Gestaltung der Innenwand. Der mexikanisch-japanische Bildhauer Hiroyuki Okumura schuf aus 2.272 einzelnen Betonplatten das Wandrelief „Bosque de niebla“. Die Faltungen des Kunstwerks wurden zugleich nach akustischen Gesichtspunkten berechnet. Damit hat Xalapa seinen charakteristischen Nebelwald gewissermaßen auch in den Konzertsaal integriert. Konzerte werden normalerweise am Freitagabend veranstaltet.
Zum weiteren kulturellen Angebot gehören das Teatro del Estado, die Galerie Ramón Alva de la Canal, die Pinacoteca Diego Rivera und das Ágora de la Ciudad unterhalb des Parque Juárez. Ergänzt wird dies durch zahlreiche kleine Bühnen und Buchhandlungen. Der Jazzstudiengang der Universität trägt außerdem dazu bei, dass in den Bars des Stadtzentrums neben Salsa auch andere Musikrichtungen zu hören sind.
Beste Reisezeit, Anreise und praktische Hinweise
Als besonders angenehm gelten die Monate von November bis April. In dieser Zeit ist das Klima vergleichsweise trocken und kühl. Die meisten Niederschläge fallen dagegen zwischen Juni und Oktober. Während des Winters können sogenannte nortes kalte Luft und kräftige Winde vom Golf in die Region bringen. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei ungefähr 18 Grad, während jährlich etwa 1.500 Millimeter Niederschlag fallen. Eine Regenjacke sollte deshalb unabhängig von der Jahreszeit ins Reisegepäck. Auch ein Pullover wird häufig benötigt.
Der nächstgelegene Flughafen befindet sich in Veracruz, ungefähr 100 Straßenkilometer von Xalapa entfernt. Die Fahrt mit dem Bus dauert etwa anderthalb Stunden. Fernbusse aus Mexiko-Stadt benötigen ungefähr vier bis fünf Stunden. Innerhalb Xalapas können viele Ziele zu Fuß erreicht werden. Das historische Zentrum ist relativ kompakt, allerdings muss man mit zahlreichen Steigungen rechnen.
Wer lediglich einen Tag zur Verfügung hat, kann am Vormittag das Museum und den Botanischen Garten besuchen und den Nachmittag für die Altstadt nutzen. Bei einem Aufenthalt von drei Tagen lassen sich zusätzlich Coatepec und Xico einplanen. Reisende, die im Oktober in der Region sind, können einen Nachmittag für Chichicaxtle reservieren und dort den Zug der Greifvögel beobachten.
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