
Auf einen Blick
- Tulum liegt rund 128 Kilometer südlich von Cancún an der Karibikküste von Quintana Roo, auf einer 12 Meter hohen Kalksteinklippe.
- Die sichtbaren Bauten gehören zum Postklassikum Medio und Tardío (1250 bis 1550), eine Stela aus dem Jahr 564 belegt Kontakte oder Vorbesiedlung im Klassikum.
- Tulum war ursprünglich vermutlich vom benachbarten Tankah abhängig und diente in seiner Blütezeit als Karibikhafen für die Inlandsmetropole Cobá.
- 60 erhaltene Strukturen liegen innerhalb einer Mauer mit fünf Toren und zwei Wachtürmen, beherrscht von El Castillo, dem höchsten Bauwerk der Anlage.
- Im November 2025 bargen INAH-Archäologen im Sac-Actun-Höhlensystem unter Tulum ein 8000 Jahre altes menschliches Skelett, der elfte Fund dieser Art zwischen Tulum und Playa del Carmen.
- Eintritt 2026 für Ausländer 515 Pesos insgesamt aus drei separaten Tickets (INAH 210, CONANP 125, Parque del Jaguar 180), Öffnung Montag bis Sonntag von 8:00 bis 17:00 Uhr mit letztem Einlass um 15:30 Uhr.
- Tulum ist die drittmeistbesuchte archäologische Stätte Mexikos hinter Chichén Itzá und Teotihuacán, mit mehr als 3.000 Eintritten pro Tag.

Tulum ist die einzige große Maya-Stadt, die direkt am Meer errichtet wurde. Auf einer Steilküste über dem Karibischen Meer erlebte sie zwischen dem 13. und dem 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt als Hafen, Wachposten und religiöses Zentrum. Was Besucher heute sehen, ist nur die jüngste Schicht einer mindestens 1.000 Jahre alten Siedlungsgeschichte, die unter Tulums Boden bis in die Eiszeit reicht.
Wo Tulum liegt und wie die Stadt einst hieß
Die archäologische Zone befindet sich am Kilometer 230 der Bundesstraße Cancún bis Chetumal (Federal 307), im Munizip Tulum, Bundesstaat Quintana Roo. Bis Cancún sind es 128 Kilometer nach Norden, bis Playa del Carmen rund 65 Kilometer. Der Ort gehört zur sogenannten Riviera Maya, dem Touristenstreifen entlang der Karibikküste.

Tulum bedeutet im yukatekischen Maya „Mauer“ oder „Palisade“ und ist ein relativ junger Name, der erst in der Kolonialzeit auf die ummauerte Stadt übertragen wurde. Quellen aus dem 16. Jahrhundert bezeichnen die Siedlung als Zamá, „Morgenröte“ oder „Tagesanbruch“, ein Hinweis auf ihre Lage an der östlichsten Spitze der Halbinsel, an der die Sonne über dem Meer aufgeht. Der spanische Chronist Juan Díaz beschrieb 1518 von Bord eines Schiffes der Expedition Juan de Grijalvas eine Stadt „so groß wie Sevilla“ mit einem hohen Turm, mutmaßlich El Castillo, der damals noch in Funktion war.
Geschichte – vom Tankah-Vorposten zur Karibikmetropole
Die archäologische Forschung sieht Tulum nicht als isolierten Ort, sondern als Teil eines größeren Siedlungssystems an der Costa Oriental. Das nahe gelegene Tankah, etwa zwei Kilometer nördlich, gilt als ältere Mutterstadt, von der Tulum zunächst abhängig war. Aus diesem Grund führt das mexikanische Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH) beide Orte unter der gemeinsamen Bezeichnung „Tulum-Tankah“. Auch die Struktur 59 in Tulum trägt Stilelemente des terminalen Klassikums (ca. 800 bis 1000), die auf eine Besiedlung lange vor der sichtbaren Stadt hinweisen.

Erst im Postklassikum Medio und Tardío (etwa 1250 bis 1550) wurde Tulum zu einer eigenständigen Hafenstadt. In dieser Zeit war die Anlage politisch wahrscheinlich an Cobá gekoppelt, die mächtige Inlandmetropole rund 47 Kilometer westlich im Dschungel. Tulums Funktion bestand darin, den Seehandel der Region zu kontrollieren, vor allem den Verkehr mit Obsidian aus Zentralmexiko, mit Salz aus dem nördlichen Yucatán und mit Jade, Kakao und Federn.

Nach den ersten spanischen Sichtungen 1518 blieb Tulum noch rund siebzig Jahre bewohnt. Mit den Conquistadoren kamen Pocken, Masern und andere Seuchen, die die indigene Bevölkerung dezimierten, dazu verlagerten sich die Handelsrouten. Die Stadt wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts aufgegeben.

Eine letzte historische Rolle spielte Tulum während des Kastenkriegs der Halbinsel Yucatán (1847 bis 1901). Ab 1871 war es ein Zentrum der Cruzoob-Maya, eines Widerstandsbundes um das sogenannte Sprechende Kreuz, gehütet von der Priesterin María Uicab, die als „Königin von Tulum“ galt. Erst 1916 begannen die ersten systematischen Freilegungen der überwucherten Ruinen.
Stadtmauer und Stadtanlage
Die innere Stadt war auf drei Seiten von einer rechteckigen Stadtmauer aus Kalksteinblöcken eingefasst, die Ostseite öffnete sich zum Meer. Das Areal misst rund 380 mal 170 Meter, die Mauer ist an ihren dicksten Stellen bis zu acht Meter breit und fünf Meter hoch. Fünf schmale Tore gewähren Zugang, an der nordwestlichen und der südwestlichen Ecke stehen zwei kleine Wachtürme. Außerhalb der Mauern lebten die einfachen Bewohner in Hütten mit Steinsockeln, von denen heute nur niedrige Fundamente erhalten sind. Schätzungen für die Blütezeit gehen von 1.000 bis 1.600 Bewohnern aus, die innerhalb der Mauern wohnten oder dort religiöse und politische Funktionen ausübten.
Die wichtigsten Bauwerke
Innerhalb der Mauern haben Archäologen etwa 60 Strukturen registriert. Sechs Bauwerke sind für den Besuch zentral.
El Castillo
El Castillo ist die höchste Plattform Tulums und beherrscht die Anlage von der Ostkante her. Auf einem rund 7,5 Meter hohen Basament steht ein Tempel mit drei Eingängen, die durch zwei serpentinenförmige Säulen gegliedert sind. An den beiden vorderen Ecken hocken zoomorphe Maskarone aus Stein. Die strategische Lage 12 Meter über dem Meer ließ El Castillo zugleich als Leuchtturm wirken. Forscher vermuten, dass zwei Feuer auf der Plattform den Maya-Kanus den Einlass zwischen den Korallenriffen wiesen, ein gefährlicher Durchlass, der nur in einer schmalen Lücke direkt unter dem Tempel passierbar ist.
Templo del Dios Descendente
Die Struktur 5 nördlich von El Castillo trägt im Dachfries eine Stuckfigur des „herabsteigenden Gottes“ mit Flügeln an Armen und Schultern. Die Identität dieser Gottheit ist nicht eindeutig geklärt. Sie wird mit dem Sonnenuntergang, mit dem Blitz, mit Regen und mit der Bienenzucht in Verbindung gebracht und im Yukatekischen Ah Mucen Cab genannt, dem Bienengott. Andere Deutungen interpretieren die Figur als herabstürzende Biene oder als Abendstern. Im Innern befindet sich an der Rückwand ein Wandbild in Blau, Weiß und Schwarz mit Gottheiten in einem Sternenband.
Templo de los Frescos
Das wichtigste Zeugnis postklassischer Maya-Wandmalerei steht im Zentrum Tulums. Der zweistöckige Templo de los Frescos zeigt im Hinterzimmer des ersten Stocks Wandbilder von Schlangen, Fischen, Eidechsen und Meerestieren, die Gottheiten umrahmen. Der US-amerikanische Archäologe Arthur G. Miller deutete die Figuren in seiner Standardstudie „On the Edge of the Sea“ (1982) als übernatürliche Wesen des Inframundo, der Maya-Unterwelt. Die Malereien zählen zu den am besten erhaltenen Beispielen ihrer Art und stehen unter strengem Konservierungsregime. Besucher können sie nur von außen erkennen.
Templo de la Serie Inicial
Südlich von El Castillo steht das Edificio 9, der „Tempel der Anfangsreihe“. Sein Name geht auf eine Stele zurück, die John Lloyd Stephens und Frederick Catherwood 1842 an dieser Stelle dokumentierten und die das früheste in Tulum nachgewiesene Datum trägt, das Jahr 564 nach der Maya-Langenrechnung. Da der sichtbare Bestand der Stadt erst rund 600 Jahre später entstand, gehen viele Forscher davon aus, dass die Stele aus einer älteren Anlage, möglicherweise aus Cobá, nach Tulum verbracht wurde. Vor dem Tempel steht zusätzlich eine etwa 1,5 Meter hohe Stela mit einem postklassischen Kalenderdatum für das Jahr 1261.
Casa del Cenote
Am nördlichen Ende der Anlage steht die Casa del Cenote über einem offenen Karstloch mit Brackwasser. Anders als die zentralen Tempelplattformen ist das Gebäude bescheiden ausgeführt, im Boden klafft ein Spalt, durch den der Cenote sichtbar wird. Die Maya wählten den Standort vermutlich aus rituellen Gründen, da Cenoten als Tor zum Inframundo galten.
Templo del Viento
Der Tempel des Windes steht auf einer runden Plattform am nördlichen Mauerrand, einer ungewöhnlichen Bauform für die Region. Vergleichbare Rundplattformen gibt es im zentralmexikanischen Raum, wo sie dem Windgott Ehécatl-Quetzalcóatl geweiht waren, ein Hinweis auf späte Kontakte zwischen Yucatán und dem postklassischen Hochland.
Stela 1 – eine 1.460 Jahre alte Inschrift im British Museum
Die wertvollste Inschrift aus Tulum steht heute 8.500 Kilometer entfernt. Die Stela 1 wurde von Stephens und Catherwood während ihrer Yucatán-Expedition 1841 bis 1842 nahe dem Templo de la Serie Inicial entdeckt. Der britische Arzt und Hobbyarchäologe Thomas Gann brachte den Kalkstein-Monolithen Anfang des 20. Jahrhunderts nach London, das British Museum kaufte ihn 1924. Die Stele zeigt einen Maya-Herrscher in vollem Ornat, der Kopfschmuck ist der des Blitz- und Maisgottes K’awiil, der Schurz der des „Tonsured Maize God“. Die umlaufende Inschrift datiert in die Langenrechnung 9.6.10.0.0, das entspricht dem Jahr 564 n. Chr. Damit liegt die Datierung der Stele rund sieben Jahrhunderte vor dem heute sichtbaren Tulum, ein Indiz dafür, dass der Stein aus einer früheren Phase oder einem Nachbarort übernommen wurde.
Aktuelle Forschung – was Promeza seit 2023 zutage fördert
Im Zuge des Bahnprojekts Tren Maya legte die mexikanische Regierung 2021 das Programa de Mejoramiento de Zonas Arqueológicas (Promeza) auf, das die Infrastruktur und die Forschung an aktuell 27 archäologischen Stätten verstärkt. In Tulum wurde unter Leitung des Archäologen José Manuel Ochoa Rodríguez die Servicezone neu gebaut, die Wege wurden erneuert und 190 erläuternde Tafeln entwickelt. Zugleich öffneten Promeza-Grabungen mehrere bisher verschlossene Bereiche, darunter die Tempel an der nordwestlichen Ecke (Edificio 55) und an der südwestlichen Ecke (Edificio 56) der Stadtmauer sowie die Plattform 50.
Im Dezember 2023 meldete der Projektkoordinator José Antonio Reyes Solís einen Fund, der die Stadt in neuem Licht zeigt. Bei der Anlage eines neuen Wegs zwischen dem Templo de las Columnas (Edificio 21) und dem Templo del Halach Uinic (Edificio 25) stießen die Grabungstrupps auf eine Karsthöhle mit menschlichen Bestattungen aus dem Postklásico Tardío (1200 bis 1550). Die Kammer enthält Keramikfragmente vom Typ Papacal Inciso und drei direkt zuordenbare Individuen. An der Vorderwand der Höhle ist mit Stuck eine Meeresschnecke an den Muttergestein geklebt, ein bewusster Akt der rituellen Markierung. Die Konservierungsarbeiten leitet die Restauratorin Patricia Meehan Hermanson.
Am 7. September 2024 eröffnete Präsident Andrés Manuel López Obrador zusammen mit der designierten Nachfolgerin Claudia Sheinbaum das Museo Regional de la Costa Oriental (Mureco) am Eingang zum Parque del Jaguar. Das Museum zeigt mehr als 300 archäologische und ethnographische Objekte aus Tulum und der gesamten Karibikküste. Drei Säle behandeln die Dauerausstellung, ein vierter beherbergt wechselnde Schauen. Die erste Wechselausstellung „Sian Ka’an, donde nace el cielo“ widmete sich dem benachbarten UNESCO-Biosphärenreservat.
8000 Jahre Menschheitsgeschichte unter Tulum
Im November 2025 meldete die Subdirección de Arqueología Subacuática des INAH die Bergung eines etwa 8.000 Jahre alten menschlichen Skeletts im Cenotensystem Sac Actun, das unter Tulum verläuft. Der Unterwasserarchäologe Octavio del Río Lara und der Co-Direktor Gustavo García brauchten zehn Tage, sieben davon im Tauchgang, um die Knochen aus einer Kammer hinter einem Speläothem zu bergen. Der Fundort liegt 200 Meter tief im Höhlensystem und 8 Meter unter dem heutigen Wasserspiegel. Bisher wurden rund 45 Prozent des Skeletts geborgen, darunter Femur, Tibia, Wirbel und Teile des Schädels.
Sac Actun ist mit rund 380 Kilometern kartierter Länge eines der weltweit größten unterirdischen Karstsysteme. Die Person muss die Höhle erreicht haben, als sie noch trocken war, am Übergang vom Pleistozän zum Holozän, bevor der steigende Meeresspiegel die Gänge flutete. Damit ist der Tulum-Fund der elfte prähistorische Skelettnachweis im Streifen zwischen Tulum und Playa del Carmen. Die Mujer de Naharón, der älteste der Reihe, wird auf rund 13.700 Jahre datiert und ist einer der ältesten menschlichen Funde des amerikanischen Doppelkontinents überhaupt. Die laufenden DNA-Analysen am Bioarchäologen Allan Talavera González sollen klären, ob die ersten Bewohner Yucatáns wie ihre nordamerikanischen Verwandten über die Beringstraße einwanderten oder ob es eine zweite Route gab.
Die Befunde haben auch politische Folgen. Der INAH-Direktor für archäologische Studien Luis Alberto Martos Romero betreibt seit 2025 die Klassifizierung des Sac-Actun-Systems als geschütztes Kulturerbe, parallel zur naturschutzrechtlichen Ausweisung 2026. Die Cenoten gelten dabei nicht nur als „archäologische Fenster“ in die Eiszeit, sondern auch als „historische Fenster“ auf rituelle Maya-Praxis und auf den Kastenkrieg, dessen Gewehre und Kanonen bis heute im Karst liegen.
Eintritt, Öffnungszeiten und das Drei-Ticket-System 2026
Die archäologische Zone Tulum gehört seit 2023 zum Parque del Jaguar, einem bio-kulturellen Schutzgebiet von 2.913 Hektar, das von der Bundesgesellschaft Gafsacomm und der Kommission für Naturschutzgebiete Conanp gemeinsam verwaltet wird. Damit fallen für Besucher drei separate Eintritte an, die alle drei an unterschiedlichen Schaltern entrichtet werden.
| Träger | Ausländer | Mexikaner |
|---|---|---|
| INAH (Zone) | 210 Pesos | 105 Pesos |
| CONANP (Nationalpark) | 125 Pesos | 125 Pesos |
| GAFSACOMM (Parque del Jaguar) | 180 Pesos | 180 Pesos |
| Gesamt | 515 Pesos | 410 Pesos |
Vom INAH-Eintritt befreit sind mexikanische Kinder unter dreizehn Jahren, Lehrer und Studenten mit Ausweis, Senioren mit INAPAM-Karte sowie Menschen mit Behinderung. Sonntags ist der INAH-Anteil für Mexikaner und Residenten gratis, die anderen zwei Gebühren bleiben jedoch fällig. Mitglieder der indigenen Gemeinden, die an die Zone grenzen, sind seit 2024 vollständig befreit, sofern sie einen Wohnsitznachweis vorlegen.
Die Öffnungszeiten sind nicht einheitlich. Die archäologische Zone (INAH) öffnet Montag bis Sonntag von 8:00 bis 17:00 Uhr, der letzte Einlass ist um 15:30 Uhr. Der Parque del Jaguar ist von 8:00 bis 19:00 Uhr zugänglich, letzter Einlass um 17:00 Uhr. Das Mureco hat von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Tickets gibt es ausschließlich an den offiziellen Kassen sowie online über das Portal Tickets Sectur, das INAH warnt ausdrücklich vor Reverkäufern.
Anreise mit Tren Maya, Mietwagen, Bus oder Tour
Seit dem 15. Dezember 2023 ist Tulum an den Tren Maya angeschlossen. Zwei Stationen tragen den Ortsnamen. Die Station Tulum liegt nördlich der Stadt am Eingang zum Parque del Jaguar und ist rund 1,5 Kilometer von der archäologischen Zone entfernt. Vom Bahnhof verkehrt ein kostenloser Pendelbus zum Parkeingang. Die zweite Station, Tulum Aeropuerto, befindet sich rund 27 Kilometer südwestlich am neuen Flughafen Felipe Carrillo Puerto und gehört zum Munizip Felipe Carrillo Puerto, nicht zu Tulum selbst. Wer fliegt und gleich zu den Ruinen will, braucht von dort ein Taxi oder den Anschlusszug nach Tulum.
Mit dem Mietwagen erreicht man Tulum von Cancún in rund zwei Stunden über die Federal 307. Direkt am Zoneneingang gibt es keine offiziellen INAH-Parkplätze, dafür einen kommerziellen Großparkplatz am Centro Comercial mit eigenen Tarifen. Von dort sind es etwa 800 Meter zu Fuß bis zur Kasse, alternativ fährt ein kleiner Touristenzug für 20 Pesos hin und zurück. Linienbusse der Gesellschaft ADO verkehren stündlich von Cancún, Playa del Carmen und Tulum-Pueblo zur Zone.
Beste Besuchszeit und praktische Tipps
Tulum ist die drittmeistbesuchte archäologische Stätte Mexikos hinter Chichén Itzá und Teotihuacán, mit mehr als 3.000 Eintritten pro Tag. Die Hochsaison von Dezember bis April und die Karwoche bringen Wartezeiten an den Kassen von einer halben Stunde und mehr. Wer Tulum ruhig erleben will, kommt entweder um 8:00 Uhr mit dem ersten Einlass oder erst gegen 14:00 Uhr, wenn die ersten Reisebusse abfahren. Sonntags gilt der Andrang als besonders dicht, da der INAH-Anteil für Mexikaner an diesem Tag entfällt.
Praktische Hinweise für den Rundgang. Die Strecke innerhalb der Mauern ist 1,5 bis 2 Kilometer lang, je nach Variante, fast ohne Schatten. Sonnenhut, mineralisches Sonnenschutzmittel (kein Oxybenzon, ein Pestizid für Korallen, in Quintana Roo gesetzlich eingeschränkt) und mindestens ein Liter Wasser pro Person sind Pflicht. Die Sandstrand-Bucht innerhalb der Zone, einst beliebter Badeplatz unmittelbar unter El Castillo, ist seit 2020 für Besucher gesperrt, das südliche Pendant Playa Paraíso ist mit dem CONANP-Armband erreichbar. Reisestative, Drohnen und große Kamerataschen sind genehmigungspflichtig, das INAH zieht für professionelles Filmmaterial gesonderte Gebühren ein.
Wer mit Führung gehen will, bucht entweder die zertifizierten Guías de Turistas vor Ort (die spanischen sind günstiger als die englischsprachigen) oder eine Tour ab Cancún oder Playa del Carmen. Das INAH selbst stellt keine Führer, lediglich Spezialisten der Paseos Culturales führen seltene Sonderführungen durch.
Was man in der Umgebung verbindet
Zwei Ausflüge ergänzen Tulum direkt vor Ort. Erstens die etwa 47 Kilometer nordwestlich gelegene Mutterstadt Cobá im Dschungel, die im Klassikum bis zu 50.000 Einwohner zählte und an deren langer Sacbé-Straße Tulum als Karibikhafen hing. Zweitens das südlich anschließende UNESCO-Biosphärenreservat Sian Ka’an, das seit 1986 geschützt ist und in dem die zugehörige Maya-Stätte Muyil mit ihrer Lagunenroute liegt. In direkter Nachbarschaft Tulums befinden sich außerdem zahlreiche Cenoten, darunter der nahe Cenote Carwash (Aktun Ha) und der größere Gran Cenote. Eine virtuelle 360-Grad-Tour durch die Anlage findet sich unter panorama-fotos.org/pano/Tulum-Ruinas/.
Tulum in der heutigen Diskussion – Tourismus, Erosion, Schutz
Die schiere Zahl der Besucher belastet die fragile Substanz Tulums. Die Steilküste, auf der die Stadt steht, ist Kalkstein und unterliegt natürlicher Erosion durch Salznebel, Hurrikane und Brandung. Hurrikan Wilma 2005 und Hurrikan Delta 2020 schlugen messbare Stücke aus der Klippe unter El Castillo. Aus diesem Grund ist seit Mitte der 2000er Jahre keines der zentralen Gebäude mehr betretbar, Besucher bewegen sich auf festgelegten Holzplanken.
Die zweite Belastung ist der Tourismus selbst. Mit dem Hotelboom an der Riviera Maya wuchs der Wasserverbrauch, der Müll und die Versiegelung. Die Bauarbeiten am Tren Maya zwischen 2021 und 2023 schädigten Teile der unterirdischen Karstsysteme, das INAH und die Umweltbewegung lieferten sich öffentliche Auseinandersetzungen über fehlende Umweltverträglichkeitsprüfungen. Inzwischen liegt der politische Fokus auf der Ausweisung von Sac Actun als geschütztem Natur- und Kulturerbe, eine Entscheidung, die 2026 erwartet wird.
Aus archäologischer Sicht ist Tulum derzeit eine ungewöhnlich aktive Baustelle. Promeza hat zwischen 2021 und Mai 2026 nach Angaben des INAH allein im Tulum-Tankah-Komplex 1.925 bewegliche Funde und mehr als eine Million Keramikfragmente erfasst. Das Mureco und die geplante Erweiterung um die neu erschlossenen Konjunkte Nauyacas und Cresterías machen einen Tagesbesuch fast zu kurz. Wer das postklassische Yucatán in seiner ganzen Tiefe verstehen will, sollte einen ganzen Tag einplanen, am besten in Kombination mit einer Übernachtung im Pueblo Tulum.
Quellen und Literatur
- Andrews, A. P. & Andrews, A. P. IV (2017): The Tulum Murals – A New Perspective. Latin American Antiquity 28(2), 221 bis 237. doi.org/10.1017/laq.2017.10
- Coe, M. D. & Houston, S. (2015): The Maya. 9th edition, Thames & Hudson, London, 296 Seiten.
- INAH (2024): La Z.A. de Tulum y el Museo Regional de la Costa Oriental se posicionan como referentes del Parque del Jaguar. Boletín, 8. September 2024. inah.gob.mx/boletines/la-z-a-de-tulum-y-el-museo-regional-de-la-costa-oriental-se-posicionan-como-referentes-del-parque-del-jaguar
- INAH (2024): Cuotas de ingreso a museos, monumentos históricos y zonas arqueológicas para 2025. Boletín, Dezember 2024. inah.gob.mx/boletines/el-inah-da-a-conocer-cuotas-de-ingreso-a-museos-monumentos-historicos-y-zonas-arqueologicas-para-2025
- INAH (2023): Localizan cueva con depósitos mortuorios al interior del recinto amurallado de Tulum. Boletín, Dezember 2023. inah.gob.mx/boletines/localizan-cueva-con-depositos-mortuorios-al-interior-del-recinto-amurallado-de-tulum-en-quintana-roo
- INAH (2023): Ampliarán la visita a la Zona Arqueológica Tulum-Tankah. Boletín, Juli 2023. inah.gob.mx/boletines/ampliaran-la-visita-a-la-zona-arqueologica-tulum-tankah-con-la-apertura-de-los-conjuntos-nauyacas-y-cresterias
- INAH (2026): En las profundidades del tiempo – Hallazgo en Sac Actun, Quintana Roo. Foto del día, April 2026. inah.gob.mx/foto-del-dia/en-las-profundidades-del-tiempo-hallazgo-en-sac-actun-quintana-roo
- INAH (laufend): Zona Arqueológica de Tulum, offizielle Webseite. inah.gob.mx/zonas/99-zona-arqueologica-de-tulum
- Lothrop, S. K. (1924): Tulum – An Archaeological Study of the East Coast of Yucatan. Carnegie Institution of Washington, Publication 335, Washington D.C.
- Miller, A. G. (1982): On the Edge of the Sea – Mural Painting at Tancah-Tulum, Quintana Roo, Mexico. Dumbarton Oaks, Washington D.C., 137 Seiten.
- Olivieri, F. (2026): Hallazgo de fósil humano de 8.000 años en cenotes mexicanos. Associated Press, 28. Februar 2026. losangelespress.org/mexico-de-conciencia/2026/feb/28/hallazgo-de-fosil-humano-de-8000-anos-en-cenotes-mexicanos-14506.html
- Stephens, J. L. (1843): Incidents of Travel in Yucatan. Harper & Brothers, New York, 2 Bände.
- Secretaría de Cultura (2024): Tulum-Tankah – Sistema de Información Cultural. sic.cultura.gob.mx/ficha.php?table=zona_arqueologica&table_id=96
- The British Museum (laufend): Tulum Stela 1, museum number Am1923,Maud.7. britishmuseum.org/collection/object/E_Am1923-Maud-7
- Quintana Roo Hoy (2026): Descubren fósil humano de más de 8 mil años en Tulum. März 2026. quintanaroohoy.com/ciencia/descubren-fosil-humano-de-mas-de-8-mil-anos-en-tulum/







