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Neu entdeckte Maya-Ruinen in Mexiko – alle Funde seit 2020

  • Minanbé im Biosphärenreservat Calakmul, Campeche, wurde am 22. Juni 2026 vom INAH bekannt gegeben. Der Kern misst 15 Hektar, der Pyramidentempel über 13 Meter, dazu 14 Stelen und Altäre.
  • Ocomtún in der Schutzzone Balamkú, Campeche, meldete das INAH im Juni 2023. Monumentaler Kern über 50 Hektar, Pyramiden über 15 Meter, drei Plätze und ein Ballspielplatz.
  • Valeriana bei Xpujil, Campeche, entstand 2024 aus der Neuauswertung von Umwelt-LiDAR von 2013. Im 122 Quadratkilometer großen Prüfblock kartierten die Forscher über 6.500 präkolumbische Strukturen.
  • Aguada Fénix in Balancán, Tabasco, ist mit 1.400 Metern Länge das größte und mit 1000 bis 800 v. Chr. das älteste Monumentalbauwerk des Maya-Gebiets.
  • Entlang der Tren-Maya-Trasse registrierte das INAH 66.662 archäologische Monumente und 883 Bestattungen, verarbeitete 170.553 Hektar LiDAR-Daten und verlegte die Trasse in 25 Fällen.
  • Ichkabal bei Bacalar, Quintana Roo, öffnete am 11. Januar 2025 als 194. besuchbare Zone Mexikos. Eintritt frei, Montag bis Sonntag, 8:00 bis 17:00 Uhr.
  • Guiengola in Oaxaca entpuppte sich 2024 als Zapotekenstadt mit 1.100 Gebäuden, in Chiapas kamen 2026 179 Zoque-Gefäße in einer Höhle zutage.
  • Seit 2020 sind in Mexiko mehr bislang unbekannte Maya-Ruinen dokumentiert worden als in den drei Jahrzehnten davor. Auslöser sind flugzeuggestütztes Laserscanning, die Rettungsgrabungen entlang der Tren-Maya-Trasse und Hinweise aus der Bevölkerung. Die wichtigsten Orte liegen in Campeche, Quintana Roo und Tabasco.

Die Zahlen dahinter sind ungewöhnlich. Das zentrale Maya-Tiefland der Yucatán-Halbinsel beherbergte nach Schätzung des slowenisch-mexikanischen Forschungsteams um Ivan Šprajc in der Spätklassik zwischen 9 und 11 Millionen Menschen. Große Teile dieses Gebiets sind archäologisch bis heute nicht begangen. Allein die Biosphäre Calakmul umfasst 723.185 Hektar, überwiegend geschlossenen Trockenwald. Wer dort mit LiDAR fliegt, findet fast zwangsläufig Siedlungsstrukturen.

LiDAR hat die Maya-Archäologie in fünf Jahren umgebaut

Der methodische Bruch liegt weniger in der Technik selbst als in der Datenverfügbarkeit. LiDAR (Light Detection and Ranging) tastet den Boden mit Laserpulsen aus dem Flugzeug ab. Ein Teil der Pulse fällt durch Lücken im Kronendach, aus den Rücklaufzeiten entsteht ein Geländemodell ohne Vegetation. Erdhügel, Terrassen, Dämme und Plattformen werden dadurch sichtbar, bevor jemand vor Ort war.

Zwei Arbeiten markieren den Sprung. 2021 veröffentlichte ein Team um Takeshi Inomata von der University of Arizona in Nature Human Behaviour die Auswertung von LiDAR-Daten über 85.000 Quadratkilometern in Tabasco, dem südlichen Veracruz sowie Teilen von Chiapas, Campeche und Oaxaca. Ergebnis waren 478 formal angelegte rechteckige und quadratische Komplexe, datiert auf 1050 bis 400 v. Chr. Am olmekischen Zentrum San Lorenzo zeigte sich ein zuvor unbekannter rechteckiger Platz von rund 1.000 mal 275 Metern mit etwa 20 Randplattformen. Das Layout gilt seither als möglicher Bauplan, der sich nach dem Niedergang San Lorenzos über die Region verbreitete.

2024 kam der zweite Hebel dazu. Luke Auld-Thomas, damals Doktorand an der Tulane University, wertete frei zugängliches LiDAR aus, das 2013 zur Kohlenstoffbilanzierung mexikanischer Wälder geflogen worden war. Aus einem Datensatz für Forstmonitoring wurde eine archäologische Karte. Dieses Recycling vorhandener Umweltdaten senkt die Kosten dramatisch, weil ein eigener Befliegungsauftrag im Maya-Tiefland schnell sechsstellig wird.

Wichtig für die Einordnung: LiDAR entdeckt Strukturen, es datiert sie nicht. Jede der hier genannten Stätten braucht Begehung, Keramikaufnahme, Epigrafik und im Idealfall Radiokohlenstoffdaten, bevor eine Chronologie belastbar ist.

Minanbé – eine unberührte Stadt im Biosphärenreservat Calakmul

Minanbé ist der jüngste und in mancher Hinsicht wertvollste Fund. Das INAH gab die Stätte am 22. Juni 2026 bekannt. Sie liegt im Nordteil der Biosphäre Calakmul in Campeche, westlich von Chactún, jenem Zentrum, das dasselbe Team 2013 gemeldet hatte.

Der Name stammt aus dem Yukatekisch-Maya und setzt sich aus mina’an (es gibt nicht) und bej (Weg) zusammen. Er beschreibt die Anreise. Die Archäologen und Arbeiter aus der Gemeinde Constitución schlugen mit Macheten eine fünf Kilometer lange Schneise, fuhren die Strecke mit Quads und legten anschließend noch einmal eine ähnliche Distanz zu Fuß zurück. Gerade das Fehlen alter Holzfällerpisten, die in der Region sonst als Zufahrt dienen, hielt Plünderer fern.

Die LiDAR-Daten zeigten einen monumentalen Kern von rund 15 Hektar. Vor Ort bestätigte das Team Plätze, umgeben von Palast- und Sakralbauten, dazu Terrassen sowie Feuchtgebiete mit angelegten Kanälen. Der höchste Pyramidentempel überschreitet 13 Meter und trägt Merkmale des Río-Bec-Stils, darunter feines Mauerwerk, glatte Fassadenpaneele, eine steile Treppe und Gesimse im oberen Bereich. Der beteiligte Archäologe Vitan Vujanović bezeichnete es als den ersten einigermaßen gut erhaltenen Tempel, den er aufnehmen konnte.

Archäologisch am aussagekräftigsten sind die 14 Stelen und Altäre, die in einer Reihe am Südende einer Prachtstraße stehen. Aus etwa 500 Fotografien entstanden fotogrammetrische 3D-Modelle, die der Epigrafiker Octavio Esparza Olguín auswertete. Auf Stele 1 hebt eine Figur ein Messer oder Beil zur Enthauptung eines Menschen. Darüber steht das Kalenderzeichen 5 Ajaw, das dem Jahr 849 n. Chr. entspricht. Damit fällt die Aufstellung in die Terminalklassik, unmittelbar vor die regionale Aufgabe der Siedlungen im 10. Jahrhundert.

Monument 6 liegt zerbrochen. Es zeigt frontal einen Herrscher mit Federkopfschmuck, dreilappigem Brustschmuck, Armbändern und Halsketten, seitlich hieroglyphische Kartuschen. Ein Text enthält Teile eines Langzeitdatums, das vermutlich auf das späte 7. Jahrhundert verweist und damit das älteste bekannte Datum des Gebiets wäre. Mehrere Monumente wurden nach Einschätzung der Epigrafik absichtlich beschädigt. Šprajc verbindet das mit einer möglichen Zuwanderung von Gruppen aus dem Norden der Halbinsel, die den Machtdiskurs der bereits verlassenen Stadt umschreiben wollten.

Mit Minanbé schließt Šprajc ein dreißigjähriges Projekt ab. In dieser Zeit hat er im zentralen Maya-Tiefland mehr als 80 Fundstellen identifiziert.

Ocomtún – Steinsäulen im archäologischen Niemandsland von Balamkú

Ocomtún wurde am 20. Juni 2023 gemeldet und ist bis heute die flächenmäßig größte Neuentdeckung der Region. Die Stätte liegt in der ökologischen Schutzzone Balamkú im Municipio Calakmul, Campeche. Der Zugang führte über 60 Kilometer alter Holzfällerpisten.

Der Name bedeutet Steinsäule im Yukatekisch-Maya und geht auf die zahlreichen zylindrischen Monolithen zurück, die über das Gelände verstreut liegen. Ihre Funktion ist ungeklärt, denkbar sind Stützen von Obergeschossen oder Eingängen. Der monumentale Kern deckt über 50 Hektar ab und liegt auf einer Landzunge aus höherem Gelände inmitten ausgedehnter Feuchtgebiete. Dokumentiert sind Pyramidenbauten über 15 Meter Höhe, drei Plätze, Altäre und ein Ballspielplatz. Die vorläufige Datierung reicht über die gesamte Klassik von 250 bis 1000 n. Chr., mit einem Schwerpunkt in der Spätklassik.

Der eigentliche Punkt ist der Kontext. Vor dem Projekt gab es in einem Areal von 3.000 bis 4.000 Quadratkilometern keine einzige registrierte Fundstelle. Wenige Wochen nach der Erstmeldung berichtete das INAH über einen megalithischen Block mit Bildern und Hieroglyphentext, der den ursprünglichen Namen der Stadt enthalten könnte. Diskutiert wird die Lesung Maatz‘.

Valeriana – eine Großstadt direkt neben der Bundesstraße

Valeriana wurde am 29. Oktober 2024 in der Fachzeitschrift Antiquity publiziert, von Auld-Thomas, Marcello Canuto, Adriana Velázquez Morlet und weiteren Beteiligten aus Tulane University, Northern Arizona University, INAH und University of Houston. Die Stätte liegt in Campeche unweit von Xpujil, benannt nach einer nahen Süßwasserlagune.

Im untersuchten Block von rund 122 Quadratkilometern identifizierten die Autoren über 6.500 präkolumbische Strukturen. Der größere der beiden monumentalen Bezirke Valerianas trägt nach ihrer Beschreibung sämtliche Merkmale einer klassischen Maya-Hauptstadt: mehrere umschlossene Plätze, verbunden durch eine breite Prachtstraße, Tempelpyramiden, einen Ballspielplatz, ein durch Aufstauen eines Arroyo entstandenes Wasserreservoir sowie eine wahrscheinliche E-Gruppe. Diese astronomisch ausgerichtete Bauform gilt als Hinweis auf eine Gründung vor 150 n. Chr.

Die Siedlungsdichte ist der harte Befund. Im Block um Valeriana erreichen die Werte bis zu 426 Strukturen pro Quadratkilometer. Übertroffen wird das im Vergleichsdatensatz nur von Calakmul mit bis zu 770. Da der Prüfblock den dichtesten Teil des Stadtkerns anschneidet, ist die tatsächliche Ausdehnung nach Einschätzung der Autoren größer als die Berechnung nahelegt. Für die Blütezeit werden 30.000 bis 50.000 Bewohner veranschlagt, mehr als heute in der Umgebung leben.

Bemerkenswert ist die Lage. Valeriana liegt an der einzigen Fernstraße der Gegend, Bauern bewirtschaften seit Jahren Felder zwischen den Hügeln. Weder Behörden noch Fachwelt hatten die Stadt registriert. Der Fund entstand nicht im Gelände, sondern am Bildschirm, bei der Auswertung eines Datensatzes, den niemand mit Archäologie in Verbindung gebracht hatte.

Aguada Fénix – das älteste und größte Bauwerk der Maya-Region

Aguada Fénix liegt im Municipio Balancán im Osten von Tabasco, nahe der Grenze zu Guatemala. Die Erstpublikation erschien im Juni 2020 in Nature. Beschrieben wurde eine künstliche Plattform von 1.400 Metern Länge und 10 bis 15 Metern Höhe, von der neun Dammwege ausstrahlen. Eine Bayes-Analyse von Radiokarbondaten datiert den Bau auf 1000 bis 800 v. Chr. Damit ist es das älteste bekannte Monumentalbauwerk im Maya-Gebiet und zugleich, gemessen am verbauten Volumen, das größte der gesamten vorspanischen Regionalgeschichte.

Der eigentliche Paradigmenbruch steckt in der Sozialgeschichte. Bis dahin galt monumentale Architektur als Produkt ausdifferenzierter Hierarchien mit Zwangsarbeit. In Aguada Fénix fehlen Anzeichen ausgeprägter sozialer Ungleichheit, es gibt keine Herrscherbildnisse und keine großen Elitenresidenzen. Die Anlage entstand offenbar in kollektiver Arbeit einer teils noch nicht vollständig sesshaften Bevölkerung.

Im November 2025 legte dasselbe Team in Science Advances nach. Die Anlage erwies sich als Kosmogramm, als gebautes Abbild der Weltordnung. Ineinander verschachtelte Kreuzformen entstanden zwischen 1050 und 700 v. Chr. Im Zentrum lag eine kreuzförmige Grube mit einem Depot, das die bislang ältesten richtungsbezogenen Farbsymbole Mesoamerikas enthält: blaues Azurit im Norden, grünes Malachit im Osten, gelber Ocker im Süden, dazu die Schale einer Perlauster. Später niedergelegte Jadebeile deuten auf wiederholte Rückkehr an den Ort.

Die Achsen des Gesamtplans messen 9 und 7,5 Kilometer und werden durch Kanäle und Korridore markiert. Einzelne Kanäle sind bis zu 35 Meter breit und 5 Meter tief, gespeist über einen Damm am Seeufer. Diese Fläche erreicht oder übertrifft die Ausdehnung späterer Metropolen wie Teotihuacán und Tikal. Die Hauptachse zielt auf den Sonnenaufgang am 17. Oktober und am 24. Februar. Diese Tage teilen den 260-tägigen Ritualkalender in zwei Hälften, Jahrhunderte bevor Maya-Königtum und Schriftdenkmäler entstanden.

El Jefeciño und die Funde entlang der Tren-Maya-Trasse

El Jefeciño meldete das INAH am 27. April 2026. Die Stätte liegt im Municipio Othón P. Blanco im Süden von Quintana Roo. Hinweisgeber waren Anwohner, die während der Arbeiten des Rettungsgrabungsprojekts Tren Maya auf die Ruinen aufmerksam machten, Abschnitt 7, Front 1.

Registriert wurden zwischen 2023 und 2024 rund 80 Gebäude auf etwa 100 Hektar, wobei die tatsächliche Ausdehnung größer sein dürfte. Die Architektur folgt dem Petén-Stil mit großen Gewölbebauten, gerundeten und zurückgesetzten Ecken sowie Schürzengesimsen. Daraus leitet das INAH eine Datierung in die Früh- und Spätklassik von 250 bis 900 n. Chr. ab. Der Kernbereich besteht aus fünf Bauten zwischen 11 und 14 Metern Höhe und 16 bis 40 Metern Länge, gruppiert um einen C-förmigen Platz. An Gebäude 53035 haben sich Stuckreste mit Wandmalerei in Weiß, Orange und Rot erhalten, dazu Knochenfragmente aus einem möglichen Grabkontext. Geleitet wurde die Aufnahme von Sonny Moisés Ojeda González und Diana Karina Blancas Olvera. Gegraben wurde nicht, eine LiDAR-Kartierung ist geplant.

Der Fund steht für eine ganze Kategorie. Die Rettungsgrabungen entlang der 1.554 Kilometer Bahnstrecke sind das größte archäologische Vorhaben in der Geschichte Mexikos. Die Schlussbilanz, die das INAH im März 2026 vorlegte, nennt 66.662 registrierte archäologische Monumente, 883 Bestattungen, 1.987 restaurierte Objekte, 170.553 verarbeitete Hektar LiDAR und 23 Arbeitsberichte. In 25 Fällen begründete das Institut eine Verlegung der Trasse, um Bauensembles zu erhalten. Über 6.000 Monumente blieben innerhalb des Bahnkorridors an Ort und Stelle.

Xiol – eine Maya-Stadt unter einem Industriepark bei Mérida

Xiol zeigt die zweite Fundquelle neben der Fernerkundung, nämlich Bauvorhaben. Die Stätte liegt im Municipio Kanasín, rund 20 Kilometer südöstlich von Mérida an der Straße nach Chetumal. Vorgestellt wurde sie im Mai 2022, nachdem die Erschließung eines Industrieparks die Bauten freigelegt hatte.

Der Name bedeutet im Maya so viel wie Geist oder Seele des Menschen. Auf etwa 21 Hektar dokumentierte das Team um Carlos Peraza Lope und Wílberth Cruz Alvarado 12 restaurierte Gebäude, darunter fünf palastartige Bauten, dazu 76 Basamente und einen Platz. Die Architektur folgt dem Puuc-Stil, der für den Süden Yucatáns typisch, im Umland von Mérida aber selten ist. Geborgen wurden 15 Bestattungen von Erwachsenen und Kindern mit Gefäßen, Ketten, Anhängern und Werkzeugen. Die Datierung liegt bei 600 bis 900 n. Chr.

Bemerkenswert ist zweierlei. Erstens war Xiol seit 1980 im Archäologischen Atlas verzeichnet, ohne dass jemand die Dimension kannte. Zweitens wurde der Industriepark nicht gestoppt, sondern umgeplant. Der Grundeigentümer finanzierte Teile der Grabung, die Hauptbauten blieben erhalten. Eine reguläre Öffnung als besuchbare Zone gab es allerdings bis 2026 nicht, trotz gegenteiliger Ankündigungen im Fundjahr.

Neue Fundstellen anderer Kulturen

Die Aufmerksamkeit liegt auf den Maya, die dichtesten Funde der vergangenen zwei Jahre stammen jedoch aus anderen Kulturräumen.

Guiengola in Oaxaca, eine Zapotekenstadt statt einer Festung

Guiengola liegt am Isthmus von Tehuantepec, rund 20 Kilometer von der Stadt Tehuantepec und knapp 30 Kilometer vom Pazifik entfernt. Der Name kommt aus dem Zapotekischen und bedeutet großer Stein. Generationen von Forschern hielten die ummauerte Anlage für eine Garnison.

Pedro Guillermo Ramón Celis von der McGill University widerlegte das mit LiDAR-Befliegungen zwischen 2018 und 2023. Seine im November 2024 in Ancient Mesoamerica erschienene Auswertung zeigt eine Stadt von 360 Hektar mit mehr als 1.100 Gebäuden, vier Kilometern Mauer, einem inneren Wegenetz, Tempeln, zwei Ballspielplätzen und einer klaren Zonierung. Elite und einfache Bevölkerung lebten in getrennten Vierteln, organisiert in verwandtschaftlich geprägten Barrios. Die Keramik weist auf eine Besiedlung ausschließlich in der Spätpostklassik von 1200 bis 1521 n. Chr. hin, ein Vorgängerort fehlt.

Für die Forschung ist der Fall deshalb interessant, weil Guiengola kurz vor der spanischen Ankunft aufgegeben wurde. Die Bewohner zogen nach Tehuantepec, wo ihre Nachfahren heute leben. Die Stadt friert damit einen mesoamerikanischen Zustand ein, bevor koloniale Umbrüche einsetzten. Ramón Celis argumentiert, dass Guiengola über eigene politische Institutionen verfügte. Das verschiebt die Debatte darüber, wie autonom die Isthmus-Zapoteken gegenüber dem Mexica-Reich und später gegenüber der spanischen Krone verhandeln konnten.

Grab 10 von Huitzo in Oaxaca

Am 23. Januar 2026 stellte die mexikanische Regierung eine zapotekische Grabkammer vor, die auf dem Cerro de la Cantera bei San Pablo Huitzo im Valle de Etla liegt. Die Datierung lautet auf etwa 600 n. Chr., Spätklassik. Aufgefunden wurde die Anlage 2025 nach einer anonymen Anzeige wegen Raubgrabung.

Über dem Zugang zur Vorkammer sitzt die Skulptur einer Eule, in der zapotekischen Kosmovision mit Nacht, Tod und Macht verknüpft. Erhalten sind Wandmalerei mit originalen Pigmenten, Friese sowie Platten mit Kalenderinschriften. Die Kammer diente offenbar der Verwahrung und Verehrung eines hochrangigen Ahnen und wurde über Generationen weiter aufgesucht. Präsidentin Claudia Sheinbaum nannte den Befund den bedeutendsten archäologischen Fund des vergangenen Jahrzehnts in Mexiko. Diese Einschätzung stammt aus der politischen Kommunikation, die fachliche Bewertung steht mit der laufenden Ikonografie- und Epigrafikanalyse noch aus.

Höhle Mundo Zoque in Chiapas

Im Juli 2026 machte das INAH einen Fund im Canyon des Río La Venta bei Cintalapa, Chiapas, öffentlich, nahe dem Arco del Tiempo, einem der größten natürlichen Felsbögen der Welt. Der Naturführer Jairo Díaz Barreiro hatte die Höhle im Januar 2026 gemeldet, die Prüfung lief von Februar bis Juni.

Die rund 100 Meter lange Höhle enthält 13 rituelle Deponierungen mit insgesamt 179 Gefäßen, datiert auf die regionale Spätklassik von 600 bis 900 n. Chr. Der Zugang erfordert eine Abseilstrecke von über zehn Metern, dahinter liegt 30 Meter nach dem Eingang ein Siphon, der nur in der Trockenzeit passierbar ist. Genau diese Unzugänglichkeit hat die Deponierungen vor Plünderung geschützt. Gefunden wurden Urnen, Schalen und Räuchergefäße mit Darstellungen von Jaguar, Eule und Schlange, allesamt Tiere der zoquischen Unterweltvorstellung. Räuchergefäße mit den Stacheln des Ceiba-Stamms markieren offenbar den zeremoniellen Weg ins Innere. Die Leitung liegt bei Josuhé Lozada Toledo, unterstützt von der Archäologin und Kletterin Martha Arcelia García Sánchez sowie dem Höhlenforscher Gabriel Merino Andrade.

Tula in Hidalgo

Auch die toltekische Hauptstadt liefert Neues, ausgelöst durch Infrastrukturprojekte. Im März 2026 legte das INAH bei den Rettungsgrabungen für den Personenzug Mexiko-Stadt bis Querétaro einen Altar der Tollan-Phase frei, 900 bis 1150 n. Chr., rund 300 Meter außerhalb der Umgrenzung der Zone. An drei Seiten des unteren Niveaus lagen menschliche Knochen als Opfergabe.

Im Juni 2026 folgte ein Elitegebäude von etwa 40 mal 80 Metern in der Colonia 16 de Enero in Tula de Allende, aufgedeckt bei der Errichtung einer Kläranlage. Zwei skulptierte Platten zeigen den Gott Tlahuizcalpantecuhtli und eine Raubkatze. Nach Einschätzung des Projektleiters Luis Gamboa Cabezas stammen sie ursprünglich von der Pyramide B, dem Bauwerk mit den bekannten Atlanten. Gruppen der Peripherie hätten sich im 12. Jahrhundert Symbole der alten Macht angeeignet, um sich selbst als Tolteken zu legitimieren. Unter einem Wohnfußboden lagen die Überreste von sechs Kleinkindern als Opferdeponierung. Die heutige Schutzzone deckt demnach nur einen Bruchteil der antiken Stadt ab.

Was die Funde für die Forschung bedeuten

Vier Verschiebungen lassen sich aus der Fundserie ableiten.

Erstens fällt der Beginn monumentaler Architektur früher aus als angenommen und braucht keine Königsherrschaft. Aguada Fénix und die 478 Komplexe von 1050 bis 400 v. Chr. zeigen groß angelegte Bauprojekte in Gesellschaften ohne markante Ungleichheit. Die Motivation lieferte offenbar das gemeinsame Werk selbst, ergänzt durch Feste, Tauschgelegenheiten und Rituale.

Zweitens war die Landschaft dichter besiedelt, als die Verbreitungskarten bislang abbildeten. Valeriana und Ocomtún liegen in Zonen, die auf Fundstellenkarten als leer galten. Auld-Thomas und Kollegen formulieren daraus die methodische Warnung, dass frühere Dichteschätzungen systematisch verzerrt sind, weil Grabungen sich auf bereits bekannte Zentren konzentrierten.

Drittens verschiebt sich das Urbanismusbild von der Dichotomie Zentrum gegen Umland zu einem Spektrum. Neben extrem dichten Kernen wie Calakmul und Valeriana stehen weiträumige Agrarlandschaften mit Terrassen, Kanälen und Streusiedlung. Für die Debatte über nachhaltige Landnutzung in Tropenregionen ist das die eigentlich interessante Beobachtung.

Viertens liefern die neuen Monumente Material zur Terminalklassik. Das Datum 849 n. Chr. auf Stele 1 von Minanbé fällt in die Phase unmittelbar vor der regionalen Entvölkerung. Die absichtliche Beschädigung mehrerer Monumente an einem unbewachten Ort ist ein selten sauber dokumentierter Hinweis darauf, dass nach dem Zusammenbruch fremde Gruppen die politische Erinnerung aktiv überschrieben.

Streit um den Tren Maya, Rettung oder Zerstörung

Die Bilanz der Rettungsgrabungen ist fachlich umstritten. Am 7. und 8. Juli 2026 reichte die Kommission für Patrimonialschutz der INAH-Forschergewerkschaft SNPICD bei der Bundesstaatsanwaltschaft FGR in Chetumal eine Strafanzeige von rund 700 Seiten ein. Vorgeworfen wird die Demontage und Veränderung von mindestens 47 Maya-Monumenten in den Abschnitten 6 und 7 sowie deren Wiederverwendung beim Bau des sogenannten Gedächtnisparks Balam Tun. Benannt sind 26 Beschäftigte des INAH, darunter der frühere Generaldirektor Diego Prieto Hernández und der Leiter der Rettungsgrabungen Manuel Pérez Rivas.

Das INAH kündigte an, den Vorgang nach förmlicher Zustellung juristisch zu prüfen. Das Institut hatte zuvor eingeräumt, dass 56 Mauerwerksbauten aus Sicherheitsgründen nicht in situ erhalten werden konnten und deshalb ausgegraben, abgetragen, versetzt und in den Parks Balam Tun und K’awiil neu errichtet wurden. Die Anzeigenden werten genau diesen Vorgang als Verlust von Kontext, Authentizität und Integrität. Einzelne beteiligte Forscher sprechen zudem von 502 zerstörten Fundstellen, eine Zahl, die bislang nur aus der Anzeige und begleitenden Kommentaren stammt und nicht unabhängig bestätigt ist. Im Mai 2026 hatte der Archäologe Fernando Cortés de Brasdefer außerdem Sprengungen in nahegelegenen Materialentnahmestellen für Schäden an den Stuckmasken von Chakanbakán verantwortlich gemacht.

Wer die Fundserie der letzten Jahre einordnet, sollte beide Seiten mitdenken. Ohne das Bauprojekt wären zehntausende Strukturen nie aufgenommen worden. Zugleich entstand der Zeitdruck, unter dem Entscheidungen über Erhalt oder Versetzung getroffen wurden, erst durch dasselbe Projekt.

Welche der neuen Orte man besuchen kann

Für Reisende ist die Ausbeute begrenzt, aber vorhanden.

Ichkabal in Quintana Roo öffnete am 11. Januar 2025 als 194. für den Publikumsverkehr eingerichtete Zone Mexikos. Die Stadt liegt 40 Kilometer westlich der Lagune von Bacalar, die Zufahrt umfasst 23 Kilometer neu gebaute Straße ab der Hauptroute. Ihre Blüte lag zwischen 200 und 600 n. Chr., die Ursprünge reichen bis 400 v. Chr. zurück. Mehrere Bauten überschreiten 40 Meter Höhe und stehen in triadischen Gruppen im Petén-Stil. Der Eintritt ist frei, geöffnet ist Montag bis Sonntag von 8:00 bis 17:00 Uhr, letzter Einlass 16:30 Uhr. Grundlage war ein Nutzungsvertrag über 113 Hektar, den das INAH am 10. Januar 2025 mit 165 Ejidatarios abschloss.

Paamul II an der Küste von Quintana Roo ist seit 2019 registriert und umfasst über 300 Strukturen, einzelne über acht Meter hoch. Für den Erhalt wurde die Bahntrasse verlegt und die Schrägseilbrücke Garra de Jaguar gebaut. Geplant ist ein ökoarchäologischer Korridor mit den Höhlen Ocho Balas, Garra de Jaguar und Manitas. Ein Öffnungstermin steht nicht fest.

Minanbé, Ocomtún, Valeriana, El Jefeciño und die Höhle Mundo Zoque sind nicht besuchbar und werden es auf absehbare Zeit nicht sein. Alle liegen in Schutzgebieten oder ohne Infrastruktur, teilweise ist der Zugang nur mit Machete, Quad und Seilsicherung möglich. Wer die Bautraditionen dieser Orte sehen will, findet Río-Bec-Architektur in Becán, Chicanná und Xpujil, Petén-Stil in Calakmul und Dzibanché.

Was als Nächstes zu erwarten ist

Die Pipeline ist gefüllt. Für El Jefeciño ist eine LiDAR-Kartierung angekündigt, die Ausdehnung und Siedlungsmuster erst bestimmen wird. Die 14 Monumente von Minanbé sind epigrafisch nur angelesen, die stark erodierten Kalkoberflächen erfordern aufwendige digitale Bildbearbeitung. In Huitzo laufen Keramik-, Ikonografie- und anthropologische Analysen parallel zur dringenden Stabilisierung der Wandmalerei, die durch Wurzeln, Insekten und Klimaschwankungen leidet.

Methodisch dürfte der Ansatz von Auld-Thomas Schule machen. Weltweit existieren LiDAR-Datensätze aus Forstwirtschaft, Hochwasserschutz und Infrastrukturplanung, die nie archäologisch ausgewertet wurden. Für Mexiko liegen allein aus dem Tren-Maya-Projekt 170.553 Hektar prozessierte Daten vor. Die nächste Entdeckung braucht möglicherweise keine Machete mehr, sondern nur eine gründliche Recherche in offenen Archiven.

Quellen und Literatur

  • Inomata, T., Triadan, D., Vázquez López, V. A. et al. (2020): Monumental architecture at Aguada Fénix and the rise of Maya civilization. Nature 582, 530 bis 533. doi.org/10.1038/s41586-020-2343-4
  • Inomata, T., Fernandez-Diaz, J. C., Triadan, D. et al. (2021): Origins and spread of formal ceremonial complexes in the Olmec and Maya regions revealed by airborne lidar. Nature Human Behaviour 5(11), 1487 bis 1501. doi.org/10.1038/s41562-021-01218-1
  • Inomata, T., Triadan, D., Vázquez López, V. A. et al. (2025): Landscape-wide cosmogram built by the early community of Aguada Fénix in southeastern Mesoamerica. Science Advances 11(45), eaea2037. doi.org/10.1126/sciadv.aea2037
  • Auld-Thomas, L., Canuto, M. A., Velázquez Morlet, A. et al. (2024): Running out of empty space. Environmental lidar and the crowded ancient landscape of Campeche, Mexico. Antiquity 98(401), 1340 bis 1358. doi.org/10.15184/aqy.2024.148
  • Ramón Celis, P. G. (2024): Airborne lidar at Guiengola, Oaxaca. Mapping a Late Postclassic Zapotec city. Ancient Mesoamerica 35(3), 899 bis 916. doi.org/10.1017/S0956536124000166
  • INAH (2026): Bautizan como Minanbé, „no hay camino“, a ciudad maya virgen al norte de la Biosfera de Calakmul. Boletín 259 vom 22. Juni 2026. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2023): Descubren antigua ciudad maya en Campeche; la nombran Ocomtún, „columna de piedra“. Boletín 384 vom 20. Juni 2023. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2023): Bloque grabado hallado en Ocomtún podría contener el nombre original de esta milenaria ciudad maya. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2026): El INAH registra sitio arqueológico de arquitectura monumental, en Quintana Roo. Meldung vom 27. April 2026. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2026): Más de 6,000 monumentos arqueológicos se conservan in situ en el recorrido del Tren Maya. Meldung vom 17. März 2026. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2025): La antigua urbe maya de Ichkabal abrió sus puertas como zona arqueológica, en Quintana Roo. Meldung vom 13. Januar 2025. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2026): El Gobierno de México anuncia el descubrimiento de una milenaria tumba zapoteca. Meldung vom 23. Januar 2026. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2026): El INAH registra 179 piezas arqueológicas en una cueva de Cintalapa, Chiapas. Meldung vom 27. Juli 2026. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2026): El INAH descubre altar y ofrendas a las afueras de la Zona Arqueológica de Tula, en Hidalgo. Meldung vom 24. März 2026. inah.gob.mx/boletines
  • INAH (2023): El Promeza concreta realidades en 27 zonas arqueológicas del área maya. inah.gob.mx/boletines
  • La Jornada (2026): Hallazgo de tumba en Oaxaca, clave para entender la cultura zapoteca. Ausgabe vom 24. Januar 2026. jornada.com.mx
  • El Universal (2026): INAH responde sobre denuncia ante FGR sobre presunto daño arqueológico en el Tren Maya. Juli 2026. eluniversal.com.mx
  • Diario de Yucatán (2022): Xiol, ciudad maya. INAH presenta hallazgo y restauración de la zona prehispánica. Mai 2022. yucatan.com.mx

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Bacalar – Lagune der sieben Farben, Cenote Azul und der Pirateneinfluss am Süden

Tulum

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Tagesausflüge ab Mérida: 15 Touren zu Cenoten, Maya-Ruinen und Haciendas

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Gruta Chelentún

Gruta Chelentún in Cuzamá

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