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Franziskanerkloster Maní – San Miguel Arcángel und das Autodafé von 1562

Maní – Franziskanerkloster San Miguel Arcángel

  • Der Konvent San Miguel Arcángel in Maní wurde 1549 begonnen und war der dritte Klosterkomplex der Provinz Yucatán, nach Campeche und Mérida. Bauleiter war Fray Juan de Mérida.
  • Die Anlage umfasst rund 20.500 Quadratmeter, allein das Atrium misst etwa 7.268 Quadratmeter und liegt erhöht auf einer eingeebneten vorspanischen Plattform.
  • Am 12. Juli 1562 leitete Diego de Landa in Maní ein Autodafé, bei dem 27 Maya-Handschriften und rund 5.000 Kultbilder verbrannt wurden. Menschen wurden dabei nicht verbrannt.
  • Die Ermittlungen davor trafen nach den spanischen Prozessakten rund 6.300 Menschen, über 4.500 wurden bestraft, mindestens 157 starben.
  • 1588 besuchte der Chronist Antonio de Ciudad Real den fertigen Konvent und beschrieb Kirche, Kreuzgang, Huerta, Noria, Hospital und Schule im laufenden Betrieb.
  • Eine Notgrabung 2015 auf dem Platz vor dem Rathaus legte tausende zerschlagene Räuchergefäße frei, den ersten materiellen Beleg des Autodafés.
  • Maní ist seit Dezember 2020 Pueblo Mágico und liegt rund 90 Kilometer Fahrstrecke südöstlich von Mérida, 11 Kilometer nordöstlich von Oxkutzcab.
Convento de San Miguel Arcángel in Maní mit der capilla abierta
Convento de San Miguel Arcángel in Maní

Das Franziskanerkloster San Miguel Arcángel in Maní gehört zu den größten und ältesten Klosteranlagen Yucatáns. Hier ließ Diego de Landa am 12. Juli 1562 die Bücher der Maya verbrennen. Der Komplex mit offener Kapelle, Kreuzgang, Huerta und Noria steht bis heute und ist der Höhepunkt der Ruta de los Conventos.

Maní - Der Ort Maní in Yucatán wurde Pueblo Mágico ernannt
Maní – Der Ort Maní in Yucatán wurde zum Pueblo Mágico ernannt

Lage und Anfahrt

Maní liegt im Zentrum der Halbinsel Yucatán auf etwa 25 Metern Höhe, rund 90 Kilometer Fahrstrecke südöstlich von Mérida und 44 Kilometer östlich von Uxmal. Der nächste größere Ort ist Oxkutzcab, 11 Kilometer südwestlich. Von Mérida führt die Strecke über Tecoh, Telchaquillo und Tekit oder über Ticul, beides rund anderthalb Stunden. Der Konvent steht mitten im Ort an der Hauptplaza und ist nicht zu verfehlen, seine Schaufassade ist über achtzig Meter breit.

Capilla posa - Nur eine der ursprünglich 4 Posa-Kapellen an jeder Ecke ist erhalten geblieben
Capilla posa – Nur eine der ursprünglich 4 Posa-Kapellen an jeder Ecke des Klosters ist erhalten geblieben

Maní gehört zur Ruta de los Conventos, die die frühkolonialen Franziskanergründungen südöstlich von Mérida verbindet. Sinnvolle Kombinationen an einem Tag sind Mama, Tekit, Teabo und Ticul, dazu Oxkutzcab mit seinem Markt.

Gründung und Bauzeit

Franziskanerkloster in Maní
Franziskanerkloster in Maní

Die Franziskaner begannen 1549 mit dem Bau. Maní war damit nach Campeche und Mérida die dritte Klostergründung der Provinz. Die Bauleitung lag bei Fray Juan de Mérida, der in Yucatán mehrere Konvente errichtete, darunter San Antonio de Padua in Izamal.

Innenhof des Franziskanerklosters in Maní
Innenhof des Franziskanerklosters in Maní

Nach der Auswertung der Bau- und Visitationsquellen durch die INAH-Ethnohistorikerin María de Guadalupe Suárez Castro standen die wesentlichen Bauteile bereits gegen Ende der 1580er Jahre. Erweiterungen am Kirchenschiff und Veränderungen an der Fassade folgten im 17. und 18. Jahrhundert. Als Baumaterial diente in großem Umfang Werkstein aus den vorspanischen Bauten des Ortes.

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts verfiel der Komplex, nachdem die Franziskaner ihn aufgegeben hatten. Die Kirche blieb durchgehend im Gottesdienstgebrauch. Seit den 2010er Jahren laufen Restaurierungsarbeiten mit dem Ziel, Teile des Konvents als Museum zu öffnen.

Der Innenbereich des Klosters von Maní
Der Innenbereich des Klosters von Maní

Der Konvent im Jahr 1588

Wie der Komplex in Betrieb aussah, lässt sich ungewöhnlich genau rekonstruieren. Am Donnerstag, dem 22. September 1588, traf der Generalkommissar der Franziskaner, Alonso Ponce, in Maní ein und blieb vier Tage. Sein Sekretär Antonio de Ciudad Real hielt den Besuch fest. Ciudad Real war 1573 gemeinsam mit Diego de Landa nach Yucatán gekommen, sprach fließend Yukatekisch und verfasste 1577 das Diccionario de Motul.

Der Konvent war fertig. Ciudad Real beschreibt Kreuzgang in zwei Geschossen, Dormitorien, Zellen und eine gewölbte Kirche, alles aus Kalkstein und Mörtel, dazu Steinmetzarbeit an den Gewölben. Die Huerta trug Orangen, Bananen, Guaven, Avocados, Pflaumen und einige Kokospalmen, bewässert aus einer eigenen Noria im Garten. Vier Ordensleute lebten im Haus.

Im Atrium stand eine gewaltige Ramada, über 200 Fuß lang und über 80 Fuß breit, mit einer eigenen gewölbten Kapelle für die Maya-Gemeinde, San Francisco genannt. Der quadratische Hof war mit Orangenbäumen in Reihen bepflanzt, in jeder Ecke stand eine Posa-Kapelle.

Der Ort selbst war der größte der Provinz. Ciudad Real nennt über 3.000 Tributpflichtige. Getrunken wurde aus zwei Norias im Ort, die Tag und Nacht Wasser in zwei Becken förderten. Maní bestand aus zwei parcialidades, Maní und Tezul, jede mit eigenem Gobernador, Alcalden und Cabildo. Es gab ein gemauertes Hospital.

Für 1582 werden für die Guardianía elf Orte mit zusammen 7.591 Einwohnern angegeben, unter ihnen Mama, Tekit und Telchaquillo. Diese Zahl lässt sich mit Ciudad Reals über 3.000 Tributpflichtigen für Maní allein schwer vereinbaren, denn tributpflichtig war jeweils der Haushaltsvorstand. Entweder bezieht sich Ciudad Real auf einen früheren Höchststand vor den Epidemien, oder eine der beiden Angaben ist zu hoch gegriffen.

Eine Krankheit mit spanischem Namen

Im Hospital von Maní wurden 1588 vor allem Kranke mit lamparones behandelt, Halslymphknotentuberkulose, im Deutschen früher Skrofulose genannt. Ciudad Real notiert den Maya-Namen der Krankheit: castellan zob, kastilische Beulen. Die Maya sagten, vor der Ankunft der Spanier habe es sie bei ihnen nicht gegeben. Der Chronist fügt hinzu, unter den Spaniern selbst finde man sie nicht, was er bemerkenswert findet.

Die Fledermausjäger auf der Ramada

Eine Beobachtung aus Maní ist für die Naturgeschichte Yucatáns interessant. Ciudad Real berichtet, seit vielen Jahren setzten sich jeden Tag kurz vor Einbruch der Dunkelheit zwei Vögel auf die große Ramada, die in der Landessprache guenquenbac hießen. Sie warteten, bis die Fledermäuse ausflogen, stießen dann herab und schlugen sie ohne Fehl. Er vergleicht sie mit Baumfalken.

Der Vergleich passt genau auf den Fledermausfalken Falco rufigularis, im Spanischen halcón murciélaguero. Die Art jagt tatsächlich in der Dämmerung Fledermäuse und Schwalben und ähnelt in Größe und Silhouette dem europäischen Baumfalken Falco subbuteo. Damit liegt eine der frühesten Verhaltensbeobachtungen zu einem Vogel Yucatáns überhaupt vor, festgehalten von einem Ordensmann auf Visitationsreise.

Architektur

Der Komplex nimmt rund 20.500 Quadratmeter ein, davon entfallen etwa 7.268 Quadratmeter auf das Atrium. Der Hof liegt deutlich über dem Straßenniveau, was auf eine eingeebnete vorspanische Plattform unter der Anlage hindeutet.

Prägend ist die breite Schaufassade zur Plaza. Links vom Portikus liegt eine monumentale capilla abierta, die offene Kapelle, die unmittelbar in die Fassade übergeht. Diese Bauform entstand in Neuspanien im 16. Jahrhundert, weil die Kirchen die Menschenmengen der Massentaufen nicht fassten. Der Altar steht in einer geöffneten Apsis, die Gemeinde bleibt im Freien. In Maní ersetzte die offene Kapelle funktional den Zeremonialplatz, auf dessen Plattform sie steht.

Das Hauptportal flankieren zwei dreibogige Espadañas, Glockengiebel statt Türmen. Die Kirche ist einschiffig und gewölbt.

Von den ursprünglich vier Posa-Kapellen an den Atriumecken, die Ciudad Real 1588 noch vollzählig sah, ist eine erhalten. Posa-Kapellen dienten als Stationen bei Prozessionen, die Monstranz wurde dort abgesetzt. Außerhalb des Atriums steht ein Steinkreuz des 16. Jahrhunderts. Im Hof liegen bearbeitete Steine aus der vorspanischen Bebauung.

Innenraum und Ausstattung

Die einschiffige Kirche bewahrt sieben Altäre mit fünf polychromen Retabeln des 17. Jahrhunderts. Sie zählen zu den bedeutendsten Beständen kolonialer Sakralkunst in Yucatán. Hinter dem Hauptretabel, das San Miguel Arcángel gewidmet ist, sind Reste der ursprünglichen Wandmalerei erkennbar.

Bei mehreren Seitenaltären sind die Stützen als anthropomorphe Figuren gearbeitet, in der Literatur als Karyatiden bezeichnet. Dieser Kolateraltyp ist mehrfach in Yucatán belegt. Ein Seitenaltar zeigt die regional verehrte Virgen del Lunar.

Patron ist San Miguel Arcángel, der Erzengel, der den Drachen besiegt. Die Wahl war programmatisch. Stärker besucht als das Patronatsfest sind heute allerdings die Feiern zu Nuestra Señora de la Asunción am 15. August.

Kreuzgang, Huerta und Noria

Der zweigeschossige Kreuzgang umschließt einen Garten. Die Noria, ein von Tieren getriebenes Schöpfwerk, förderte das Wasser für die Huerta. Norias sind in Yucatán eine kolonialzeitliche Anpassung an den Karst, in dem Oberflächenwasser fehlt und der Grundwasserspiegel wenige Meter unter der Kalkplatte liegt.

Im Konventbereich liegt außerdem ein Cenote. Führungen durch Kirche, Kreuzgang, Garten, Noria und Cenote werden vom Ort aus angeboten.

Die escuela de indios

Zum Konvent gehörte im 16. Jahrhundert eine Doctrina-Schule, seitlich an die Kirche angebaut. Ciudad Real nennt sie 1588 die beste der ganzen Provinz, aus der die meisten und besten Sänger hervorgingen, weil sie über eigene Einkünfte für Lehrer und Fiscales verfügte. Eine weitere Noria innerhalb der Schule speiste über eine Rohrleitung ein Becken im Kirchhof, damit die Menschen an den Festtagen trinken konnten.

Aufgebaut hatte die Schule der Laienbruder Fray Juan de Herrera. Er bildete zahlreiche Dolmetscher des Spanischen aus, ging später nach Mexiko und weiter ins Land der Chichimeken, wo er getötet wurde. Unterrichtet wurden Gesang, christliche Lehre sowie lateinische und spanische Schrift. Die Söhne der Maya-Elite wurden teils internatsmäßig untergebracht und zu Katecheten (ah cambezah) oder Schreibern (ah tsib) ausgebildet.

Genau diese Ausbildung erzeugte die Schriftkundigen, die später die Bücher des Chilam Balam in lateinischer Schrift auf Yukatekisch niederschrieben. Sie erzeugte auch die Zeugen und Angeklagten von 1562, denn unter den Beschuldigten waren auffällig viele Sakristane und Kantoren. Im frühen 17. Jahrhundert wurde die Schule geschlossen, die Eliten verlagerten sich nach Oxkutzcab.

Das Autodafé vom 12. Juli 1562

Im Mai 1562 fanden zwei Jungen in einer Höhle bei Maní Kultbilder, Menschenknochen und Wildbret. Der Franziskanerprovinzial Diego de Landa ließ ermitteln. Anwohner sagten aus, sie hätten die Bilder um Regen und Jagdglück gebeten.

Es folgte eine Kampagne über die ganze Halbinsel. Nach den spanischen Prozessakten, die France V. Scholes und Eleanor B. Adams 1938 ediert haben, wurden rund 6.300 Menschen in die Verfahren gezogen und über 4.500 bestraft. Mindestens 157 starben an den Folgen der Verhöre, 32 blieben dauerhaft verstümmelt, dutzende nahmen sich das Leben. Angewandt wurde die Garrucha, das Aufziehen an den auf dem Rücken gefesselten Handgelenken, häufig mit Steinen an den Füßen.

Der 12. Juli 1562 war der öffentliche Abschluss. Ein Autodafé ist kein Ketzerverbrennen, sondern die feierliche Verlesung und Vollstreckung der Urteile. In Maní wurde kein Mensch verbrannt. Verbrannt wurden Gegenstände und die Bildnisse Verstorbener.

Der Zug führte Landa und Statthalter Diego Quijada an, bewacht von bewaffneten Spaniern, dahinter die Ordensleute als geistliche Richter. Es folgten Maya-Gehilfen mit 64 vogelscheuchenartigen Effigien verstorbener Würdenträger und 114 zugehörigen Knochenbündeln, die für den Anlass exhumiert worden waren. Dann kamen 69 lebende Würdenträger im Sanbenito, dem gelben Schandgewand mit Andreaskreuz, neun davon zusätzlich mit der spitzen Coroza. Am Ende gingen mindestens 95 weitere Angeklagte, bis zur Hüfte entblößt, mit Stricken um den Hals und grünen Bußkerzen.

Unter den neun am härtesten Bestraften war Francisco de Montejo Xiu, der mächtigste Maya-Herr von Maní. Die Strafen reichten von Haarschur über hunderte Peitschenhiebe bis zu jahrelanger Zwangsarbeit an der Kathedrale von Mérida. Viele Angeklagte mussten ihre eigenen Kultbilder vor der Menge zerschlagen, bespucken und ins Feuer werfen. Es handelte sich häufig um Erbstücke, die Familien über Generationen weitergegeben hatten.

Vernichtet wurden 27 Handschriften auf Rindenbastpapier und nach Landas eigener Angabe rund 5.000 Kultbilder. Über hundert Codices gingen im Lauf der Kolonialzeit insgesamt verloren, erhalten sind heute vier.

Eine wichtige Einordnung

Das Verfahren war keine Aktion der spanischen Inquisition. Das Heilige Offizium hatte über die indigene Bevölkerung Neuspaniens keine Zuständigkeit. Landa handelte als Ordensoberer und beanspruchte inquisitorische Befugnisse für sich, was ihm später zum Vorwurf gemacht wurde. Genau deshalb konnte Bischof Francisco de Toral die Kampagne nach seiner Ankunft im Oktober 1562 stoppen und die Urteile aufheben. Und genau deshalb musste Landa sich 1563 in Madrid vor dem Indienrat verantworten. Es handelte sich um eine monastische Inquisition, das letzte große Verfahren dieser Art in Yucatán. Mehr dazu im Beitrag über Diego de Landa.

Was die Archäologie 2015 fand

Über 450 Jahre gab es zum Autodafé nur Schriftquellen. Im Januar 2015 stießen Arbeiter beim Ausheben von Entwässerungslöchern auf dem Platz vor dem Rathaus auf eine dichte Konzentration von Keramikbruch. Anlass war die Kampagne zur Ernennung Manís zum Pueblo Mágico. Tomás Gallareta Negrón vom INAH führte eine Notgrabung durch.

Zutage kamen mehrere tausend Scherben, ein Teil vermischt mit Holzkohle und mit Brandspuren. Nahezu alle stammen von einem einzigen Gefäßtyp, spätpostklassischen Räuchergefäßen der Zeit von 1300 bis 1450. Diese incensarios tragen meist das Bild einer Gottheit wie Itzamná oder des Regengottes Chaac und dienten dem Verbrennen von Copal. George Bey vom Millsaps College hält den Befund für den ersten materiellen Beleg des Ereignisses. Auffällig ist die Behandlung: die Gefäße sind extrem kleinteilig zerschlagen und anschließend durchmischt worden, als sollte ein Zusammensetzen unmöglich werden.

Leslie Cecil analysierte zwanzig Fragmente chemisch und petrografisch. Der größte Teil stammt nicht aus Maní, sondern aus Mayapán. Zwei oder drei Stücke enthalten zerstoßene Keramik der Spätklassik, eine Machart, die auf den Norden von Belize verweist. Die Objekte wurden also von verlassenen Ruinenstätten herbeigeschafft, die den Maya weiter als Opferorte dienten.

Der Fundort korrigiert außerdem eine verbreitete Ortsangabe. Vielfach heißt es, das Autodafé habe im Atrium des Klosters stattgefunden. 1562 stand auf dem heutigen Rathausplatz der Palast des Francisco de Montejo Xiu. Der Historiker John F. Chuchiak hält den Platz für plausibel, weil die weltliche Gewalt vollstreckte und man dämonisch gedeutete Bilder nicht im geweihten Kirchhof zur Schau gestellt hätte. Die eingesammelten Objekte lagerten im Atrium, zerstört wurden sie auf der Plaza.

Maní vor den Franziskanern

Maní war die Hauptstadt des cuchcabal der Tutul Xiu. Nach dem Fall von Mayapán um 1441 verlegte die Dynastie ihren Sitz hierher. Als die Spanier eintrafen, war Maní neben Campeche und Sací eine der großen Hauptstädte der Halbinsel, die in mindestens achtzehn solcher Territorien zerfiel. Die Xiu schlossen sich 1542 den Spaniern an und halfen bei der Eroberung Yucatáns, was Maní eine Sonderstellung verschaffte. Ciudad Real hält 1588 fest, die Leute von Maní seien die ersten gewesen, die den Spaniern Frieden anboten.

Die Besiedlung reicht weit zurück. Funde aus dem Cenote Xcabachén und aus den Baugruppen von Tipikal belegen Anwesenheit seit dem Mittleren Präklassikum, etwa 1000 bis 400 vor Christus.

Der Landvertrag von 1557

Fünf Jahre vor dem Autodafé, am 15. August 1557, versammelten sich in Maní die Oberhäupter der Linien, um die Grenzen der Territorien festzulegen. Don Francisco de Montejo Xiu, halach uinic des cuchcabal von Maní, ließ das Ergebnis schriftlich fixieren. Das Dokument ist heute als Título de tierras de Maní bekannt und regelte den Grenzstreit zwischen den Xiu von Maní, den Cocom von Sotuta und den Cupul.

Es ist einer der ältesten in Maya-Sprache mit lateinischen Buchstaben geschriebenen Texte. Zum Vertrag gehört eine Karte von 41 mal 31 Zentimetern, die Gaspar Antonio Chi zugeschrieben wird, einem im Franziskanerkloster ausgebildeten Maya-Adligen und späteren Dolmetscher. Die Karte setzt Maní ins Zentrum eines Kreises und zeigt den Klosterkomplex als Miniatur. Der Reisende John Lloyd Stephens sah die Papiere um 1841 im Rathaus von Maní und ließ die Karte für sein Buch Incidents of Travel in Yucatan reproduzieren. Die Originale liegen heute in der Tulane University in New Orleans.

Derselbe Francisco de Montejo Xiu, der 1557 den Vertrag veranlasste, trug 1562 den Sanbenito. Derselbe Gaspar Antonio Chi, der die Karte zeichnete, gilt heute als möglicher Mitautor von Landas Relación.

Der Ort Maní heute

Maní trägt seit Dezember 2020 den Titel Pueblo Mágico und wurde 2021 von der UN-Welttourismusorganisation als Best Tourism Village ausgezeichnet. Der Ort hat etwa 4.000 Einwohner, ein großer Teil spricht Yukatekisch.

Der Ortsname wird meist als Ort, wo alles geschah gedeutet. Daneben steht die Ableitung von Manik, dem Kalendertag, der mit dem Hirsch verbunden ist. Die erste Deutung ist populär und passt auf 1562, sie ist aber nicht gesichert.

Rund um Maní arbeiten zahlreiche Meliponarios mit der stachellosen Biene Melipona beecheii, auf Yukatekisch xunan kab. Diese Bienen wurden schon vorspanisch in liegenden Stammstücken gehalten, ihr Honig war Tributgut und Bestandteil des Ritualtranks Balché. Die Bestände gingen im 20. Jahrhundert stark zurück, in Maní gehört die Haltung zu den lebendigen Traditionen und lässt sich besichtigen.

Kulinarisch ist Maní über Yucatán hinaus für Poc Chuc bekannt, mariniertes und über Holzkohle gegrilltes Schweinefleisch mit Sauerorange. Mehrere Restaurants am Ort haben sich darauf spezialisiert.

Besuch praktisch

Die Kirche ist außerhalb der Gottesdienste in der Regel frei zugänglich, mit mittäglichen Schließzeiten. Für Kreuzgang, Garten, Noria und Cenote werden kommunale Führungen angeboten, meist auf Spanisch, teils auf Yukatekisch. Wer die Retabel und die Reste der Wandmalerei verstehen will, ist mit einer Führung deutlich besser bedient.

Beste Zeit ist der frühe Vormittag, wegen des Lichts auf der nach Westen gerichteten Fassade und wegen der Hitze im Atrium, das keinen Schatten bietet. Für den Konvent selbst reichen ein bis zwei Stunden, mit Meliponario und Mittagessen wird ein halber Tag daraus.

Quellen und Literatur

  • Ciudad Real, A. de (1993 [um 1590]): Tratado curioso y docto de las grandezas de la Nueva España. Relación breve y verdadera de algunas cosas de las muchas que sucedieron al padre fray Alonso Ponce, Band 2, Kapitel 154, Seite 366 bis 370. Hrsg. J. García Quintana und V. M. Castillo Farreras, 3. Auflage. UNAM, Instituto de Investigaciones Históricas, Mexiko-Stadt. historicas.unam.mx/publicaciones/publicadigital/libros/156_02/tratado_curioso.html
  • Suárez Castro, M. de G. (2014): El convento de Maní, Yucatán, en 1588. Boletín de Monumentos Históricos, 3. Epoche, Nr. 31, 78 bis 92. INAH, Mexiko-Stadt. revistas.inah.gob.mx/index.php/boletinmonumentos/article/view/11115
  • Landa, D. de (um 1566): Relación de las cosas de Yucatán. Manuskript, Real Academia de la Historia, Madrid. bibliotecadigital.rah.es/es/consulta/registro.do?id=61962
  • Scholes, F. V. & Adams, E. B. (Hrsg., 1938): Don Diego Quijada, alcalde mayor de Yucatán, 1561 bis 1565. 2 Bände. Editorial Porrúa, Mexiko-Stadt
  • Scholes, F. V. & Roys, R. L. (1938): Fray Diego de Landa and the Problem of Idolatry in Yucatán. Carnegie Institution, Washington
  • Gallareta Negrón, T., Cecil, L. & Bey, G. (2024): Landa’s Auto de Fe and the Destruction of the „Idols“ of Mani. Petrographic and Chemical Analysis from Mani, Mexico. Vortrag, 89. Jahrestagung der Society for American Archaeology, New Orleans. core.tdar.org/document/497604
  • Weiss, D. (2025): Acts of Faith. Archaeology 78(6), November und Dezember 2025. archaeology.org/issues/november-december-2025/features/acts-of-faith/
  • Rodríguez Alcalá, A., Chuchiak, J. F., Raimúndez Ares, Z., Rega, M. F., Díaz de León, L. & Erickson, H. B. (2024): The use of virtualization for the recreation of historical events. The case of the 1562 Auto de Fe of Maní, Yucatan. ACTA IMEKO 13(2), 1 bis 12. doi.org/10.21014/actaimeko.v13i2.1806
  • Restall, M. & Chuchiak, J. F. (2002): A Reevaluation of the Authenticity of Fray Diego de Landa’s Relación de las cosas de Yucatán. Ethnohistory 49(3), 651 bis 669. doi.org/10.1215/00141801-49-3-651
  • Okoshi Harada, T. (2018): Construcción del „futuro pasado“. Una reflexión sobre la elaboración y traslado de los títulos de tierras mayas coloniales. Cuadernos de Lingüística de El Colegio de México 5(1), 286 bis 330. doi.org/10.24201/clecm.v5i1.101
  • Quezada, S. & Okoshi Harada, T. (Hrsg., 2001): Papeles de los Xiu de Yaxá, Yucatán. UNAM, Centro de Estudios Mayas, Mexiko-Stadt
  • Solari, A. (2010): Circles of Creation. The Invention of Maya Cartography in Early Colonial Yucatán. The Art Bulletin 92(3), 154 bis 168. doi.org/10.1080/00043079.2010.10786126
  • Roys, R. L. (1943): The Indian Background of Colonial Yucatan. Carnegie Institution, Washington
  • McAndrew, J. (1965): The Open-Air Churches of Sixteenth-Century Mexico. Atrios, Posas, Open Chapels and Other Studies. Harvard University Press, Cambridge
  • Chávez Gómez, J. M. & Icaza Lomelí, L. (2010): Norias de Yucatán. Ensayo sobre el mestizaje de una síntesis geométrica. Boletín de Monumentos Históricos 18, INAH, Mexiko-Stadt
  • SECTUR: Maní, Yucatán, Pueblo Mágico. gob.mx/sectur/articulos/mani-yucatan (abgerufen August 2026)

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