- Taxco de Alarcón liegt im Norden des Bundesstaats Guerrero, rund 170 Kilometer südwestlich von Mexiko-Stadt, auf etwa 1.780 Metern Höhe.
- Das Wahrzeichen ist die Barockkirche Santa Prisca, von 1751 bis 1758 vom Silberunternehmer José de la Borda errichtet und von 1758 bis 1806 das höchste Gebäude Mexikos.
- Die Stadt trägt seit 2002 den Titel Pueblo Mágico und zählte 2025 nach Angaben des Tourismusministeriums SECTUR über 664.000 Besucher.
- Die Feria Nacional de la Plata fand 2025 in ihrer 88. Auflage vom 29. November bis 6. Dezember statt.
- Rund 25 Kilometer entfernt liegen die Grutas de Cacahuamilpa, eines der größten Höhlensysteme der Welt.
- Das Auswärtige Amt rät zum Stand dieser Recherche von Reisen nach Guerrero dringend ab, mit Ausnahme von Acapulco und Ixtapa-Zihuatanejo bei Anreise per Flugzeug. Die Lage ändert sich schnell und ist vor Reiseantritt zu prüfen.
Taxco de Alarcón ist die berühmteste Silberstadt Mexikos. Die weiß getünchten Häuser mit roten Ziegeldächern kleben an einem steilen Hang der Sierra Madre del Sur, gekrönt von den Zwillingstürmen der Kirche Santa Prisca. Wer sich für Kolonialarchitektur, Silberhandwerk und Bergpanoramen interessiert, findet hier eines der eindrucksvollsten Reiseziele des Landes.
Der Reiz von Taxco liegt in einer seltenen Verdichtung. Auf engem Raum treffen ein Barockbau von europäischem Rang, eine bis heute lebendige Handwerkstradition und eine dramatische Topografie aufeinander. Zugleich steht die Stadt für ein zwiespältiges Gegenwartsbild, denn nach Jahren krimineller Gewalt im Umland kämpft Taxco um die Rückkehr der Besucher. Beide Seiten gehören in einen ehrlichen Reisebericht.
Vom Tlachco der Nahua zur reichsten Silberstadt Neuspaniens
Der Name Taxco geht auf das Nahuatl-Wort Tlachco zurück, das Ort des Ballspiels bedeutet. Vor der Eroberung war der Ort eine Nahua-Siedlung. Die Spanier förderten hier schon im 16. Jahrhundert Silber, doch der eigentliche Boom begann nach 1716, als reiche Erzadern entdeckt wurden. Der Zusatz de Alarcón erinnert an den Dramatiker Juan Ruiz de Alarcón, der zwischen 1581 und 1639 lebte und mit der Stadt verbunden ist.
Die zentrale Figur der Blütezeit war José de la Borda, ein Bergbauunternehmer französisch-spanischer Herkunft, der zwischen etwa 1700 und 1778 lebte. Er häufte mit den Silberminen ein gewaltiges Vermögen an und galt zeitweise als reichster Mann Neuspaniens. Sein bekannter Wahlspruch lautete „Dios da a Borda, Borda da a Dios“, also Gott gibt Borda, Borda gibt Gott. Auch ein anderer berühmter Name ist mit Taxco verknüpft. Alexander von Humboldt wohnte 1803 während seiner Mexiko-Reise in einem herrschaftlichen Haus der Stadt, das heute Casa Humboldt heißt und das Museo de Arte Virreinal beherbergt.
Santa Prisca – das Barockjuwel über der Plaza Borda
Die Parroquia de Santa Prisca y San Sebastián ist das unbestrittene Wahrzeichen der Stadt und einer der bedeutendsten Barockbauten Mexikos. José de la Borda ließ sie zwischen 1751 und 1758 errichten und finanzierte das Werk vollständig aus eigener Tasche. Die Kosten von rund 1,66 Millionen Pesos brachten ihn an den Rand des Ruins. Der Auftrag hatte einen persönlichen Hintergrund, denn die Kirche sollte seinem Sohn Manuel de la Borda als Wirkungsstätte dienen, der ihr erster Priester wurde.
Stilistisch gilt Santa Prisca als Musterbeispiel des churriguereskischen Ultrabarocks. Anders als die meisten Kolonialkirchen entstand sie in nur wenigen Jahren und wirkt deshalb wie aus einem Guss. Von 1758 bis 1806 war sie das höchste Gebäude Mexikos, bis sie vom Templo del Carmen in der Stadt San Luis Potosí übertroffen wurde. Die beiden Zwillingstürme und die Kuppel mit ihren Talavera-Kacheln prägen die Silhouette der Stadt.
Das Innere überwältigt mit neun Altaraufsätzen aus Holz, die vollständig mit Blattgold überzogen sind. Ein wenig bekanntes Detail betrifft die Gemälde. Sie stammen von dem aus Oaxaca gebürtigen Maler Miguel Cabrera, den Zeitgenossen wegen seiner Kunst „el divino“ nannten. De la Borda gab bei ihm unter anderem einen Zyklus zum Leben der Jungfrau Maria für die Sakristei in Auftrag.
Das Silberhandwerk und das Erbe von William Spratling
Taxco ist heute weniger für den Bergbau als für die Silberschmiedekunst bekannt. Dieser Ruf ist überraschend jung. Als die Minen erschöpft waren, verlor die Stadt ihre wirtschaftliche Grundlage. Den entscheidenden Anstoß zur Wiederbelebung gab ein Ausländer.
Der US-amerikanische Architekt und Künstler William Spratling ließ sich um 1929 in Taxco nieder und gründete kurz darauf eine Werkstatt. Er beschäftigte und schulte einheimische Handwerker und entwickelte Entwürfe, die vorspanische Motive mit moderner Formensprache verbanden. Aus dieser Werkstatt ging eine ganze Generation von Silberschmieden hervor, die das heutige Taxco prägt. Sein Beiname als Vater des modernen mexikanischen Silbers ist verdient. Das Museo Guillermo Spratling im Zentrum bewahrt Stücke aus dieser Zeit, war in den vergangenen Jahren allerdings zeitweise geschlossen, weshalb sich ein Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten lohnt.
Highlights im historischen Zentrum
Das Herz von Taxco ist die Plaza Borda direkt vor der Kirche Santa Prisca. Von hier aus erschließt sich die Altstadt zu Fuß, durch ein Gewirr enger, kopfsteingepflasterter Gassen. Ein typisches Bild sind die weißen VW-Käfer, die als Taxis durch die steilen Straßen klettern. Sie heißen bei den Einheimischen liebevoll bochitos.
Mehrere historische Häuser lohnen einen Besuch. Die Casa Borda am Hauptplatz dient heute als Kulturzentrum und zeigt unter anderem moderne Kunst. Die bereits erwähnte Casa Humboldt mit dem Museo de Arte Virreinal vereint sakrale Kunst aus der Kolonialzeit hinter einer prächtigen Maurenfassade. Die Casa Figueroa trägt den Beinamen Casa de las Lágrimas, Haus der Tränen, der auf die Zwangsarbeit indigener Bauleute anspielt. Wer Silber kaufen möchte, findet im verschachtelten Markt unterhalb der Plaza Borda sowie in zahllosen Werkstätten und Galerien ein riesiges Angebot.
Aussichtspunkte über der Silberstadt
Taxcos Hanglage macht die Stadt zu einem Ort der Ausblicke. Der spektakulärste Blick erschließt sich vom Teleférico de Monte Taxco. Die Gondelbahn schwebt am nördlichen Stadtrand auf rund 175 Meter Höhe über das Tal und endet an einem Hotelkomplex mit Panoramaterrasse.
Ein zweiter Aussichtspunkt ist der Cristo Monumental, eine 18 Meter hohe Christusfigur auf einem Hügel über der Stadt. Von dort reicht der Blick über die roten Dächer bis zu den umliegenden Bergen. Erreichbar ist die Statue am bequemsten mit einem der bochito-Taxis.
Die Umgebung – Höhlen, Wasserfälle und Geschichte
Wer mehr Zeit mitbringt, sollte die Umgebung erkunden. Das wichtigste Naturhighlight sind die Grutas de Cacahuamilpa, rund 25 Kilometer von Taxco entfernt. Der gleichnamige Nationalpark schützt eines der größten Höhlensysteme der Welt und erstreckt sich über etwa 2.700 Hektar in den Bundesstaaten Guerrero und Morelos. Besucher legen auf geführten Touren rund zwei Kilometer durch eine Folge gewaltiger Hallen zurück, die durch natürliche Felswände getrennt sind. Das Kalkgestein ist marinen Ursprungs und über Jahrmillionen entstanden. Der breiten Öffentlichkeit bekannt wurden die Höhlen ab 1834, nachdem sich ein flüchtiger Gutsbesitzer namens Manuel Sáenz de la Peña dort versteckt hatte.
Auch oberhalb der Erde gibt es viel zu entdecken. Die Pozas Azules de Atzala sind türkisfarbene Naturbecken, gespeist von einem klaren Bach. Im Parque Nacional del Huixteco stürzt ein rund 80 Meter hoher Wasserfall durch einen Nadelwald. Wenige Kilometer entfernt liegt Ixcateopan de Cuauhtémoc, ein Ort, der für sich beansprucht, die Gebeine des letzten Aztekenherrschers Cuauhtémoc zu bewahren.
Feste – Silbermesse und die Karwoche der Büßer
Zwei Großereignisse prägen den Festkalender. Die Feria Nacional de la Plata, die Nationale Silbermesse, geht auf die 1930er Jahre und die Initiative William Spratlings zurück und wird seit 1937 ausgerichtet. Ihr Kern ist der Concurso Nacional de Platería, ein Wettbewerb, der die besten Silberschmiede des Landes in Kategorien wie Schmuck, Goldschmiedekunst, Skulptur und neue Tendenzen prämiert. Die 88. Auflage fand vom 29. November bis 6. Dezember 2025 statt. Der höchste Preis, der Galardón Nacional de Platería, war mit 100.000 Pesos dotiert, gefolgt von Auszeichnungen über 90.000 und 80.000 Pesos, wobei der dritte Preis den Namen William Spratlings trägt. Die prämierten Werke werden anschließend im Kulturzentrum Casa Borda ausgestellt.
Eindrucksvoller, aber auch verstörender ist die Semana Santa, die Karwoche. Sie wird in Taxco seit über 400 Jahren begangen, die erste Prozession der Büßer ist für die Zeit um 1600 belegt. Während des Cristero-Krieges in den späten 1920er Jahren wurden die Umzüge unterdrückt und kehrten erst Ende der 1940er Jahre auf die Straßen zurück. Zehn Bruderschaften stellen mehrere Hundert Penitentes, die in drei Gruppen auftreten. Die encruzados tragen barfuß und mit verhülltem Gesicht Bündel dorniger Zweige auf den ausgestreckten Armen, die bis zu 70 Kilogramm wiegen. Die flagelantes schlagen sich mit metallbewehrten Geißeln den entblößten Rücken blutig und schleppen schwere Holzkreuze. Die ánimas, meist Frauen, ziehen gebeugt und in Ketten durch die Gassen. Die schwarze Kapuze verbirgt jede Identität und macht aus dem persönlichen Schmerz ein gemeinsames Opfer.
Anreise und beste Reisezeit
Taxco liegt verkehrsgünstig an der Achse zwischen Mexiko-Stadt und Acapulco. Von der Hauptstadt sind es über die Mautautobahn rund 170 Kilometer, die Fahrt dauert je nach Verkehr zweieinhalb bis drei Stunden. Eine beliebte Kombination ist der Zwischenstopp in Cuernavaca im Bundesstaat Morelos, das auf halbem Weg liegt. Viele Reisende verbinden Taxco mit den Grutas de Cacahuamilpa zu einem Tagesausflug.
Klimatisch ist Taxco dank der Höhenlage milder als das heiße Tiefland Guerreros. Die Trockenzeit von November bis April gilt als angenehmste Reisezeit. Wer die Silbermesse erleben will, reist Ende November oder Anfang Dezember, wer die Karwoche sehen möchte, im März oder April. Beide Termine bringen allerdings volle Straßen und höhere Preise mit sich.
Sicherheitslage – was Reisende aktuell wissen müssen
Der wichtigste aktuelle Hinweis betrifft die Sicherheit, und er lässt sich nicht beschönigen. Der Bundesstaat Guerrero gehört zu den von der organisierten Kriminalität am stärksten betroffenen Regionen Mexikos. In den Jahren 2023 und 2024 erlebte Taxco eine schwere Krise. Kriminelle Gruppen wie La Familia Michoacana und Los Tlacos erpressten Schutzgelder von Händlern und kontrollierten die Versorgung mit Grundgütern. Im Januar 2024 legten Transportunternehmer den Verkehr nach der Ermordung eines Fahrers elf Tage lang lahm, der Tourismus brach ein.
Seit dem Wechsel der Stadtregierung 2024 hat sich die Lage spürbar beruhigt. Bewohner und Händler berichteten zur Karwoche 2025 von zurückkehrenden Besuchern, und das Tourismusministerium meldete für 2025 über 664.000 Gäste. Entwarnung ist das jedoch nicht. Im September 2025 baten Einwohner Präsidentin Claudia Sheinbaum schriftlich um die Stationierung der Nationalgarde, und im Februar 2026 beendete eine Schießerei im Zentrum eine rund 16 Monate dauernde Phase ohne schwere Gewalt.
Für deutsche Reisende ist die verbindliche Quelle das Auswärtige Amt. Es rät zum Stand dieser Recherche von Reisen in den Bundesstaat Guerrero dringend ab, mit Ausnahme von Acapulco und Ixtapa-Zihuatanejo bei Anreise per Flugzeug. Taxco fällt damit derzeit unter diese Reisewarnung. Auch das US-Außenministerium führt Guerrero in der höchsten Warnstufe und nennt Taxco ausdrücklich. Wer dennoch reist, sollte sich tagesaktuell informieren, Überlandfahrten nur bei Tag und direkt über die Autobahn unternehmen und die Lage fortlaufend verfolgen.
Ausblick
Taxco bleibt ein Reiseziel von außergewöhnlicher Dichte, das eine der schönsten Barockkirchen Amerikas, ein weltbekanntes Silberhandwerk und eine spektakuläre Bergkulisse auf wenigen Quadratkilometern bündelt. Sein Schicksal hängt in den kommenden Jahren ebenso vom kulturellen Erbe wie von der Sicherheitslage ab. Reisende treffen ihre Entscheidung am besten auf Grundlage der tagesaktuellen Hinweise des Auswärtigen Amtes und sollten die Erholung der Stadt im Blick behalten.
Quellen und Literatur
- Instituto Nacional de Antropología e Historia (INAH): Templo de Santa Prisca. inah.gob.mx/foto-del-dia/templo-de-santa-prisca
- Secretaría de Turismo (SECTUR): Taxco se consolida como emblema cultural de Guerrero con más de 664 mil turistas en 2025. gob.mx/sectur
- Auswärtiges Amt: Mexiko, Reise- und Sicherheitshinweise. Abgerufen Juni 2026. auswaertiges-amt.de/de/service/laender/mexiko-node
- Gobierno del Estado de Guerrero: En noviembre, Taxco celebrará la 88 Feria Nacional de la Plata, sowie Mitteilung zur Sicherheitskoordination, Oktober 2025. guerrero.gob.mx
- Comisión Nacional de Áreas Naturales Protegidas (CONANP): Parque Nacional Grutas de Cacahuamilpa. gob.mx/conanp
- Sitio oficial de Taxco: Descubre Taxco. descubretaxco.com.mx
- El Universal (2025): Semana Santa 2025, Taxco se llena de turistas, habitantes reconocen que violencia ha disminuido. eluniversal.com.mx
- Infobae (2026): Tiroteo en el centro de Taxco, operativo policial reaviva el miedo y la extorsión en Guerrero. infobae.com
- El Heraldo de México (2026): Flagelantes, encruzados y ánimas, Semana Santa en Taxco. heraldodemexico.com.mx
- Smarthistory: Church of Santa Prisca and San Sebastián, Taxco, Mexico. smarthistory.org/church-santa-prisca-and-san-sebastian-taxco







