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Mexikos rätselhafte Phänomene – was die Wissenschaft heute erklärt

Auf einen Blick

  • Eine spanisch-mexikanische Studie aus dem Jahr 2024 datiert mindestens fünf Megabeben zwischen 100 und 600 nach Christus, die Teotihuacán schwer beschädigt haben.
  • Forschende der Université de Montréal zeigten im November 2025, dass die Maya-Region Itzan in Guatemala den Großen Kollaps ohne lokale Dürre erlebte.
  • Die Kristallschädel im British Museum, im Quai Branly und im Smithsonian wurden im 19. Jahrhundert in Idar-Oberstein aus brasilianischem Bergkristall gefertigt.
  • Die „Zona del Silencio“ im Mapimí-Becken verdankt ihren Mythos einem Athena-Raketenabsturz vom 11. Juli 1970, geologisch erklärbaren Magnetit-Vorkommen und drei Meteoritenfällen zwischen 1938 und 1969.
  • Die im September 2023 vor dem mexikanischen Kongress präsentierten „Alien-Mumien“ wurden im Januar 2024 von der peruanischen Forensik als Puppen aus Tierknochen, Kleber und menschlichen Fragmenten identifiziert.
  • Echte Forschungslücken bleiben rund um die Funktion von Quecksilber und Glimmer im Tunnel unter dem Tempel der gefiederten Schlange in Teotihuacán.

Mexiko gilt als Brennpunkt für rätselhafte Phänomene. Zwischen Pyramiden mit klingenden Treppen, Wüstenzonen ohne Funkempfang und Mumien vor dem Kongress sammelt sich ein Bestand an Erzählungen, der populäre Sachbücher und Doku-Serien füllt. Der wissenschaftliche Stand 2026 sieht anders aus als die Mystery-Literatur. Vieles ist gelöst, manches ist Konstrukt, weniges bleibt offen.

Dieser Artikel sortiert die bekanntesten Fälle nach dem aktuellen Forschungsstand. Er nennt die Studien beim Namen, weist auf Streitpunkte hin und benennt am Ende die Phänomene, die auch nach mehreren Jahrzehnten Forschung ungelöst sind.

Teotihuacán – was die Erdbeben den Pyramiden antaten

Pyramiden von Teotihuacán
Pyramiden von Teotihuacán

Teotihuacán, mit rund 100.000 Einwohnern eine der größten Städte des präkolumbischen Amerikas, wurde nach 550 nach Christus weitgehend aufgegeben. Eine im Journal of Archaeological Science: Reports veröffentlichte Studie von Raúl Pérez-López und Kollegen identifizierte 2024 systematisch Earthquake Archaeological Effects an den drei Hauptpyramiden. Versetzte Mauerblöcke aus Andesit, gedrehte Treppenfundamente am alten Tempel der gefiederten Schlange und das beschriebene neue Schadensmuster der „floating-dipping broken corners“ deuten auf mindestens fünf zerstörerische Erdbeben zwischen den kulturellen Phasen Tzacualli (1 bis 100 nach Christus) und Metepec (450 bis 550 nach Christus) hin.

Die Schäden lassen sich nach Pérez-López einer Quelle in der Mesoamerikanischen Subduktionszone vor der Pazifikküste zuordnen, also Megathrust-Beben mit einer Magnitude größer 8,5. Die Bewohner reagierten architektonisch. Sie verstärkten die Sonnenpyramide entlang der Nord-Süd-Achse und kaschierten den charakteristischen Versatz der Westtreppe.

Der Befund ist allerdings nicht unumstritten. Im Februar 2025 publizierten Gerardo Suárez, Pierre Lacan und Ramón Zúñiga eine Replik in derselben Zeitschrift, in der sie historische Aufnahmen aus Manuel Gamios Grabungen von 1920 als Hauptbeleg gegen die seismische Deutung anführen und stattdessen Verwitterung und Strukturversagen als Erklärung vorschlagen. Die Debatte verläuft entlang einer methodischen Trennlinie zwischen Archäoseismologie und klassischer Bauforschung. Geklärt ist sie nicht. Klar ist, dass mehrere Faktoren wie politische Krise, soziale Ungleichheit und seismische Schäden zusammenwirkten.

Maya-Kollaps – die Dürre-Hypothese ist nicht falsch, aber unvollständig

Lange galt eine Reihe schwerer Dürren zwischen 750 und 900 nach Christus als Hauptursache des klassischen Maya-Kollapses im Tiefland. Diese Sicht stützte sich auf Sedimentkerne aus dem Norden Yucatáns, in denen Sauerstoff-Isotope deutliche Trockenphasen zeigen. Sie ist jetzt angreifbar.

Im November 2025 publizierten Benjamin Gwinneth und Kollegen von der Université de Montréal eine Studie im Open-Access-Journal Biogeosciences, die diese Vereinfachung systematisch zerlegt. Sedimentkerne aus der Laguna Itzan im Süden Guatemalas decken 3.300 Jahre Siedlungsgeschichte ab. Die Forschenden analysierten drei Marker. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe zeigen die Intensität von Brandrodung, Blattwachse rekonstruieren Niederschlag und Vegetation, fäkale Stanole liefern eine Schätzung der Bevölkerungsdichte.

Das Ergebnis ist überraschend. Itzan zeigte während des Großen Kollapses keinen lokalen Dürresignal. Die Region liegt im Lee der Cordillera und bezog regelmäßige orographische Niederschläge aus der Karibik. Trotzdem brach die Bevölkerung zur gleichen Zeit ein wie in dürregeplagten Nachbarregionen. Daraus folgt: Der Kollaps lief in vernetzten Stadtstaaten als kaskadierender sozialer Prozess ab. Lokale Stabilität reichte nicht, wenn die Handelsnetze ringsum zerfielen, Kriegsflüchtlinge eintrafen und politische Allianzen zusammenbrachen.

Eine ältere Arbeit derselben Forschungsrichtung von Benjamin Keenan und Peter Douglas (McGill University, 2021, Quaternary Science Reviews) hatte bereits gezeigt, dass die Maya-Population sowohl auf Dürren als auch auf besonders feuchte Phasen mit Rückgang reagierte. Der Mensch war nicht passives Klimaopfer, sondern Teil eines komplex gekoppelten Systems aus Landnutzung, Regen, Brand und Politik.

Das Quecksilber unter dem Tempel der gefiederten Schlange

Im Oktober 2003 entdeckte der mexikanische Archäologe Sergio Gómez Chávez nach einem heftigen Regenguss eine Senkung am Fuß des Tempels von Quetzalcóatl in Teotihuacán. Sieben Jahre später begann das Team mit der eigentlichen Grabung. Der Tunnel reicht etwa 100 Meter unter die Pyramide und endet in drei Kammern, deren Wände und Decken mit Magnetit, Hämatit und Pyrit überzogen sind. Im Schein einer Fackel erscheint die Decke wie ein funkelnder Sternenhimmel.

Die Sensation kam 2015. Die Kammern enthielten kleine Pools aus flüssigem Quecksilber. Die Teotihuacanos müssen es aus Zinnobererz gewonnen haben, durch Erhitzen und Auffangen der kondensierten Dämpfe. Der Prozess ist hochgiftig und technisch anspruchsvoll. Vergleichbare Quecksilberfunde gibt es bisher nur in zwei Maya-Stätten und einer olmekischen Grabung sowie im Mausoleum des chinesischen Kaisers Qin Shi Huang.

Die Mainstream-Deutung von Gómez und Mitarbeitenden wie Rosemary Joyce (UC Berkeley) ist klar mythologisch. Das Tunnelsystem stellt die Unterwelt dar. Quecksilber simuliert Gewässer, Pyrit den Sternenhimmel, der „Floor“ der Kammern wurde mit kleinen Bergen und Tälern modelliert. Die zahlreichen Opfergaben (Krokodilzähne, Jaguarknochen, Jadefiguren, Bernsteinaugen) passen in dieses kosmologische Schema.

Spekulative Lesarten in populären TV-Dokumentationen interpretieren das Ensemble aus Quecksilber, Glimmer, Pyrit und nachgewiesenem Radongas als „antike Energieanlage“. Dafür gibt es bisher keinen physikalisch belastbaren Beleg. Was offen bleibt, ist die Frage nach der konkreten rituellen Praxis und nach möglichen Königsgräbern in den drei noch nicht vollständig erforschten Subkammern.

Der Quetzal-Ruf an der Pyramide von Chichén Itzá

Wer am Fuß der Treppe der Kukulkán-Pyramide in die Hände klatscht, hört ein chirpendes Echo, das frappierend an den Ruf des Quetzal-Vogels erinnert. Der kalifornische Akustiker David Lubman dokumentierte den Effekt 1998 erstmals systematisch und veröffentlichte Tonaufnahmen samt Vergleich mit Quetzal-Sonogrammen.

Die Physik ist gut verstanden. Es handelt sich um einen „picket fence echo“, erzeugt durch Bragg-Streuung an den 91 Treppenstufen einer der vier Seiten des Bauwerks. Jede Stufe wirkt als Reflektor. Weil die Reflexionen von höher gelegenen Stufen mit größerem zeitlichem Abstand am Hörer eintreffen, sinkt die wahrgenommene Frequenz im Verlauf des Echos um etwa eine Oktave. Das vollständige Echo dauert mehr als 100 Millisekunden, mehr als doppelt so lang wie das Echo im antiken Theater von Epidauros.

Eine vollständige Diffraktionssimulation veröffentlichte Nico Declercq an der Universität Gent 2004 im Journal of the Acoustical Society of America. Sie bestätigt Lubmans Modell mathematisch und erklärt zusätzlich den Regentropfen-Effekt. Schritte einer Person, die die Treppe hinaufsteigt, klingen für einen Beobachter unten wie Tropfen, die in einen Wassereimer fallen. Da sowohl der Quetzal als Götterbote als auch der Regengott Chaac zentrale Rollen in der Maya-Theologie spielten, gilt eine intentionale Konstruktion als plausibel, wenn auch nicht zweifelsfrei beweisbar.

Kristallschädel – der Skandal hieß Eugène Boban

Über Jahrzehnte galten die in europäischen und amerikanischen Museen ausgestellten Kristallschädel als aztekische oder maya-zeitliche Kultobjekte mit angeblich paranormalen Eigenschaften. Eine forensische Untersuchung der Smithsonian Institution unter Jane MacLaren Walsh und des British Museum, 2008 publiziert im Journal of Archaeological Science, schloss die Akte praktisch.

Rasterelektronenmikroskopie zeigte an allen untersuchten Schädeln Spuren rotierender Werkzeuge mit modernen Schleifmitteln, am Smithsonian-Exemplar konkret Siliziumkarbid. Diese Verbindung wird industriell erst seit 1893 hergestellt und wurde flächendeckend verfügbar im 20. Jahrhundert. Geochemische Analysen zeigten, dass das Quarz-Rohmaterial aus Brasilien oder Madagaskar stammt, also aus Regionen ohne präkolumbischen Kontakt zu Mexiko. Die Schädel wurden mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 1850 und 1950 in Idar-Oberstein gefertigt, dem damaligen Zentrum der europäischen Quarz-Verarbeitung.

Im Zentrum der Provenienzkette steht der französische Antiquitätenhändler Eugène Boban, geboren 1834, der von 1857 bis 1886 in Mexiko-Stadt einen Handel betrieb und zwischenzeitlich als offizieller Archäologe am Hof Maximilians I. fungierte. Boban verkaufte mindestens drei der bekannten Kristallschädel, darunter das Stück, das später ins British Museum gelangte. In einem Vortrag in Paris im Jahr 1900 räumte er selbst ein, dass zahlreiche angeblich präkolumbische Quarz-Schädel auf dem Markt seien, die „so geschickt gefertigt“ wurden, dass sie selbst Museumsexperten täuschten. Er nannte keine Werkstatt. Walsh hat seine Geschichte 2018 in dem Buch „The Man Who Invented Aztec Crystal Skulls“ rekonstruiert.

Die wissenschaftliche Frage ist damit beantwortet. Kristallschädel haben in keiner mesoamerikanischen Kosmologie, in keinem Codex und in keiner Bildtradition einen festen Platz. Sie sind ein Produkt des europäischen 19. Jahrhunderts mit seiner Faszination für das Memento mori und das exotische Andere.

Zona del Silencio – eine Athena-Rakete und sehr viel Magnetit

Im trockenen Norden Mexikos, im Bolsón de Mapimí an der Schnittstelle der Bundesstaaten Durango, Chihuahua und Coahuila, liegt die „Zone der Stille“. Touristenführer berichten dort von ausfallenden Funkgeräten, rotierenden Kompassnadeln, mutierten Kakteen und vereinzelt von blonden, hochgewachsenen Wesen.

Die Faktenbasis ist überschaubar. Das Mapimí-Biosphärenreservat liegt auf einem alten Meeresboden mit hohen Magnetit-Konzentrationen. Magnetit ist ein natürlich magnetisches Mineral, das Kompasse messbar, aber begrenzt beeinflusst. Die Region wurde im 20. Jahrhundert dreimal von größeren Meteoriten getroffen: 1938 und 1954 trafen zwei Meteoriten dieselbe Ranch, am 8. Februar 1969 fiel im benachbarten Allende-Tal ein Kohliger Chondrit, der bis heute zu den am besten untersuchten Meteoriten der Welt gehört.

Der eigentliche Mythos entstand am 11. Juli 1970. Eine US-Athena-Rakete (RTV) wurde vom Green River Launch Complex in Utah gestartet, geriet außer Kontrolle, durchbrach mexikanischen Luftraum und stürzte mehrere hundert Kilometer vom geplanten Ziel entfernt im Mapimí-Becken ab. An Bord befanden sich zwei kleine Behälter mit Cobalt-57, einem schwach radioaktiven Isotop. Die folgende dreiwöchige Suchaktion einer gemeinsamen amerikanisch-mexikanischen Bergungstruppe, samt Abtransport von kontaminiertem Oberboden auf Lkw, lieferte die Bilder, aus denen Boulevardpresse und Esoterikszene den Mythos formten.

Die nüchterne Realität dokumentierte die Geographin Andrea Kaus in ihrer Doktorarbeit zum Mapimí-Reservat. Weder sie noch ihre Kollegen hatten in jahrelanger Feldarbeit Probleme mit Funkgeräten oder Kompassen, abgesehen von dem, was in jeder mineralreichen Wüste zu erwarten ist. Die „violetten Kakteen“ und „mutierten Schildkröten“ sind Anpassungen an UV, Trockenheit und sehr alte ökologische Nischen. Die endemische Bolsón-Schildkröte, der Wüstenfuchs und der Steinadler sind biologische Realitäten, keine Artefakte einer geheimnisvollen Strahlung.

Popocatépetl – Webcam-Artefakte und thermische Plumen

Der 5.426 Meter hohe Popocatépetl südöstlich von Mexiko-Stadt gehört zu den am besten überwachten Vulkanen der Welt. Webcams des Centro Nacional de Prevención de Desastres (CENAPRED) und der UNAM senden im Sekundentakt Bilder. Genau diese Bilderflut ist der Grund, warum der Popo seit Jahren Schauplatz vermeintlicher UFO-Sichtungen ist.

Die meisten viralen Aufnahmen sind Zeitraffer, gefilmt mit Belichtungszeiten von mehreren Sekunden. Insekten, die wenige Zentimeter vor dem Objektiv durchs Bild fliegen, erscheinen darin als orange leuchtende Lichtstreifen, die scheinbar mit irrwitziger Geschwindigkeit über den Vulkanhang ziehen. Bei Infrarot-Kameras ist der Effekt besonders stark. Hinzu kommen Verkehrsflugzeuge in 10.000 Metern Höhe, die im stark komprimierten Bild den Krater „passieren“. Brennender Schwefel kann in der Dunkelheit blau leuchten und auf Kameras als schwebende Orbs aussehen.

Spektakulärer sind Spiralen auf Wetterradaren nach starken Eruptionen. Sie sind keine „Vortexe“, sondern Echos der mit warmer Luft aufsteigenden Aschefahne, die im Doppler-Bild als rotierende Struktur erscheint. Auch die thermischen Anomalien, die Infrarotsensoren über dem Krater erfassen, sind durch Vulkangase und Lava erklärbar.

Was nicht restlos erklärt ist, sind einzelne Sichtungen vom Boden, etwa der Bericht des Augenzeugen Luis Guerra im Jahr 2023 von einer scheibenförmigen Erscheinung über dem Krater. Die UNAM hat solche Fälle nicht abschließend kommentiert. Der populäre Erklärungspromoter Jaime Maussan deutet sie als „interdimensionale Portale“ und beruft sich dafür auf Magnetfeldbeobachtungen der Universität Bergen, die er aus dem Kontext der Sonnenwind-Forschung herauslöst. Die zitierten „X-Punkte“ sind Phänomene der Magnetosphäre, nicht des Erdmantels.

Die „Außerirdischen-Mumien“ vor dem Kongress

Am 12. September 2023 präsentierte der mexikanische Journalist und UFO-Aktivist Jaime Maussan vor einer Anhörung des mexikanischen Abgeordnetenhauses zwei mumifizierte Kleinkörper aus Peru. Maussan bezeichnete sie als nichtmenschliche Wesen, später wurden weitere Exemplare gezeigt, darunter „María“, „Victoria“ und „Montserrat“.

Die wissenschaftliche Aufklärung ging schnell. Sequenzdaten, die ein Forscher der UNAM in das NIH Sequence Read Archive (SRA) hochlud, ergaben für drei untersuchte Proben menschliche Genome ohne extraterrestrische Anomalien. Die häufig erwähnte „30 Prozent unbekannte DNA“ ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Artefakt aus Degradation und mikrobieller Kontamination, ein in der Paläogenetik wohlbekanntes Phänomen.

Den entscheidenden Schlag setzte im Januar 2024 der peruanische Forensiker Flavio Estrada vom Instituto de Medicina Legal. Die kleinen Mumien sind nach seiner Analyse Konstruktionen aus echten Knochenfragmenten verschiedener Spezies (darunter Mensch, Vögel, Lamas), zusammengeklebt mit modernen synthetischen Klebstoffen, eingehüllt in Diatomeenerde zur Mumifikation und teils mit metallischen Implantaten versehen, die jünger sind als die angeblich präkolumbischen Wesen. Der peruanische Mumienforscher Guido Lombardi nannte das Ganze öffentlich ein „Desinformationsprojekt“, verbunden mit illegalem huaqueo, dem Plündern präkolumbischer Gräber für Bestandteile.

Eine kleinere Forschergruppe um den ehemaligen Mediziner der mexikanischen Marine, José de Jesús Zalce Benítez, hält die Untersuchungen aufrecht und legte 2025 weitere Befunde zu Verletzungsmustern an „María“ vor. Der breite wissenschaftliche Konsens bleibt unverändert. Die vor dem Kongress präsentierten Objekte sind keine fremden Lebensformen, sondern Artefakte einer kommerziellen Pseudoarchäologie. Ein Punkt, der für mexikanische Archäologen besonders bitter ist, weil das Land tatsächlich Tausende echter prähispanischer Mumien besitzt, die wissenschaftlich kaum bekannt sind.

Sac Actun – der reale Ort der Unterwelt

Während die „Alien-Mumien“ verblassen, hält Yucatán eine echte archäologische Sensation bereit. Im Januar 2018 verband das Great Maya Aquifer Project unter Guillermo de Anda zwei zuvor getrennt vermessene Höhlensysteme, Sac Actun und Dos Ojos, zu einem zusammenhängenden Komplex. Mit aktuell 368 Kilometern Länge und 226 verbundenen Cenotes ist das System der größte gefluteten Höhlenkomplex der Welt und steht seit 2022 auf der IUGS-Liste der 100 wichtigsten geologischen Erbestätten weltweit.

Die archäologische Bedeutung ist enorm. Im Hoyo Negro, einem 71 Meter tiefen Schacht innerhalb des Systems, fanden Forschende das Skelett einer etwa 13.000 Jahre alten Jugendlichen („Naia“), eines der ältesten und vollständigsten Frühmenschen-Funde der Amerikas. Daneben Knochen ausgestorbener Megafauna wie Riesenfaultiere, Gomphotherien und Säbelzahnkatzen. Die Maya-Kultur betrachtete die Cenoten als Zugang zu Xibalba, der Unterwelt, und brachte dort Opfergaben dar. Über 120 archäologische Kontexte sind in Sac Actun bisher dokumentiert.

Das System ist real, gewaltig und gefährdet. Der Bau der Tren-Maya-Trasse über karstigem Untergrund führte 2024 zu mehreren Erdfällen, die Hydrogeologinnen und Cenoten-Aktivisten lange vorhergesagt hatten. Die „Unterwelt“ der Maya ist heute wissenschaftlich besser dokumentiert als die meisten Pyramiden über Tage. Sie ist auch eine Mahnung. Die größte mesoamerikanische Sehenswürdigkeit liegt unsichtbar unter der Oberfläche.

Was wirklich offen bleibt

Wer die Liste durchsieht, sieht ein Muster. Die meisten „Mysterien“ Mexikos sind durch interdisziplinäre Forschung weitgehend entzaubert. Erdbebenarchäologie, Sediment-Geochemie, forensische Mineralogie und genomische Sequenzierung haben in den letzten zwanzig Jahren mehr aufgeklärt als ein Jahrhundert spekulativer Literatur.

Drei Punkte verdienen weiterhin offene Aufmerksamkeit. Die genaue Funktion der Quecksilber-, Pyrit- und Glimmer-Akkumulationen unter dem Tempel der gefiederten Schlange in Teotihuacán ist nicht abschließend erklärt, vor allem die Herkunft des Glimmers aus dem fast 3.000 Kilometer entfernten Brasilien wirft Fragen nach den Handelsnetzen auf. Die Schadensmuster an Teotihuacáns Pyramiden bleiben methodisch umstritten, eine Entscheidung zwischen Megabeben-These und Verwitterungs-These ist nicht gefallen. Und die Erdbebenlichter, die bei mehreren mexikanischen Beben (2017, 2021) gefilmt wurden, haben zwar Hypothesen (piezoelektrische Effekte in Quarzgesteinen, Triboluminescence), aber keine konsensfähige physikalische Erklärung.

Mexikos rätselhafte Phänomene zeigen, was Wissenschaft kann und was sie nicht ersetzt. Sie löst Fälle, sie verschiebt Grenzen, sie zerlegt Mythen. Sie ersetzt nicht das Staunen über eine Stadt, deren Erbauer wir noch immer nicht beim Namen kennen, oder über eine Höhle, in der eine Jugendliche aus dem Pleistozän neben einem Mastodon liegt. Das eigentliche Mysterium ist nicht das Übernatürliche. Es ist die Tiefe der dokumentierten Realität.

Quellen und Literatur

  • Pérez-López, R., Moragas-Segura, N., Elez, J., Silva, P. G., Giner-Robles, J. L., Rodríguez-Pascua, M. A., Garduño-Monroy, V. H. et al. (2024): Teotihuacan ancient culture affected by megathrust earthquakes during the early Epiclassic Period (Mexico). Journal of Archaeological Science: Reports 55, 104528. doi.org/10.1016/j.jasrep.2024.104528
  • Suárez, G., Lacan, P. & Zúñiga, F. R. (2025): Did Teotihuacán collapse due to a major earthquake? Comment on Pérez-López et al. (2024). Journal of Archaeological Science: Reports. doi.org/10.1016/j.jasrep.2025.104946
  • Gwinneth, B., Johnston, K., Breckenridge, A. & Douglas, P. M. J. (2025): Evidence for highly variable land use but a stable climate in the southwest Maya lowlands. Biogeosciences 22, 7079 bis 7088. doi.org/10.5194/bg-22-7079-2025
  • Keenan, B., Imfeld, A., Johnston, K., Breckenridge, A., Gélinas, Y. & Douglas, P. M. J. (2021): Molecular evidence for human population change associated with climate events in the Maya lowlands. Quaternary Science Reviews 258, 106904. doi.org/10.1016/j.quascirev.2021.106904
  • Sax, M., Walsh, J. M., Freestone, I. C., Rankin, A. H. & Meeks, N. D. (2008): The origins of two purportedly pre-Columbian Mexican crystal skulls. Journal of Archaeological Science 35(10), 2751 bis 2760. doi.org/10.1016/j.jas.2008.05.007
  • Walsh, J. M. & Topping, B. (2019): The Man Who Invented Aztec Crystal Skulls – The Adventures of Eugène Boban. Berghahn Books, New York.
  • Lubman, D. (1998): Archaeological acoustic study of chirped echo from the Mayan pyramid at Chichen Itza. Vortrag und Abstract, 136th Meeting of the Acoustical Society of America. acoustics.org/pressroom/httpdocs/136th/lubman.htm
  • Declercq, N. F., Degrieck, J., Briers, R. & Leroy, O. (2004): A theoretical study of special acoustic effects caused by the staircase of the El Castillo pyramid at the Maya ruins of Chichen-Itza in Mexico. Journal of the Acoustical Society of America 116(6), 3328 bis 3335. doi.org/10.1121/1.1764833
  • Gómez Chávez, S. (2017): Some Considerations About the Tunnel under the Feathered Serpent Pyramid in Teotihuacan. In: Robb, M. H. (Hrsg.): Teotihuacan – City of Water, City of Fire. de Young Museum, San Francisco, Seite 60 bis 65.
  • Smithsonian Magazine (2016): Discovery of a secret tunnel in Mexico may finally solve the mysteries of Teotihuacán. smithsonianmag.com/history/discovery-secret-tunnel-mexico-solve-mysteries-teotihuacan-180959070/
  • Kaus, A. (1992): Common Ground – Ranchers and Researchers in the Mapimí Biosphere Reserve. PhD-Dissertation, University of California, Riverside.
  • IUGS International Commission on Geoheritage (2022): Sac Actun underwater cave system. iugs-geoheritage.org/geoheritage_sites/sac-actum-underwater-cave-system/
  • INAH – Instituto Nacional de Antropología e Historia (laufend): Proyecto Gran Acuífero Maya, Forschungsberichte. inah.gob.mx
  • Estrada, F. (2024): Forensic analysis of the so-called „non-human bodies“ presented to the Mexican Congress. Pressekonferenz des peruanischen Instituto de Medicina Legal y Ciencias Forenses, 12. Januar 2024. Bericht zusammengefasst in: Bioinformatics CRO Blog, bioinformaticscro.com/blog/dna-evidence-for-alien-nazca-mummies-lacking/
  • Cuevas-Diarte, M. Á. (Hrsg., 2020): El meteorito de Allende – 50 años de investigación. UNAM, Ciudad de México.
  • CENAPRED – Centro Nacional de Prevención de Desastres (laufend): Reportes diarios del volcán Popocatépetl. gob.mx/cenapred

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Kategorie: Mexiko Stichworte: Rätselhafte Phänomene

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