- Colima ist mit 731.391 Einwohnern (Censo 2020) die bevölkerungsärmste Bundesentität Mexikos, bei der Fläche liegt es mit 5.627 Quadratkilometern auf Rang 28 von 32.
- Der Volcán de Colima erreicht 3.860 Meter, gilt als gefährlichster Vulkan des Landes und ist für Besucher gesperrt. Die letzte große Explosion datiert auf den 3. Februar 2017.
- Zum Bundesstaat gehört das UNESCO-Welterbe Archipiélago de Revillagigedo, vier Vulkaninseln 720 bis 1.000 Kilometer vor der Küste.
- Manzanillo bewegte 2025 rund 3,89 Millionen Standardcontainer und ist damit Mexikos größter Containerhafen.
- CONABIO zählt für Colima 6.084 Arten auf 0,3 Prozent der Landesfläche, darunter 508 Vogelarten und 14 Vegetationstypen.
- Die Landesküche stützt sich auf pozole seco, tatemado mit Kokosessig und tuba, ein Palmgetränk philippinischen Ursprungs.
- Das Auswärtige Amt rät mit Stand 28. Juli 2026 dringend von Reisen in den gesamten Bundesstaat ab, ohne Ausnahme für Manzanillo.
Colima liegt an der mexikanischen Pazifikküste zwischen Jalisco und Michoacán. Der Bundesstaat vereint auf kleiner Fläche einen aktiven Vulkan, Trockenwälder, Salinen, den größten Containerhafen des Landes und ein UNESCO-Welterbe im offenen Ozean. Die gleichnamige Hauptstadt wurde 1523 gegründet und zählt heute rund 157.000 Einwohner.
Kaum ein anderer mexikanischer Bundesstaat wird von deutschsprachigen Reiseportalen so oberflächlich behandelt. Standardformulierungen wie „kleinster Bundesstaat Mexikos“ oder „Vulkan über der Hauptstadt“ sind ungenau bis falsch. Gleichzeitig fehlt in fast allen Texten der Hinweis, dass die deutsche Reisewarnung für Colima seit Jahren zu den schärfsten für ganz Mexiko gehört. Dieser Artikel arbeitet mit Primärquellen von INEGI, CONABIO, INAH, der Universidad de Colima und dem Auswärtigen Amt.
Colima in Zahlen – klein, aber nicht der kleinste
Colima ist die bevölkerungsärmste Bundesentität Mexikos, flächenmäßig aber nicht die kleinste. Der Censo 2020 des Instituto Nacional de Estadística y Geografía zählte 731.391 Menschen, davon 370.769 Frauen und 360.622 Männer. Die Landesfläche beträgt 5.626,9 Quadratkilometer, das sind 0,3 Prozent des Staatsgebiets. Damit rangiert Colima auf Platz 28 von 32 Bundesentitäten. Tlaxcala, Morelos, Aguascalientes und Mexiko-Stadt sind kleiner.
Die Bevölkerungsdichte liegt bei 130 Einwohnern je Quadratkilometer, deutlich über dem Landesdurchschnitt. Der Bundesstaat gliedert sich in zehn Municipios. Vier davon vereinen rund 84 Prozent der Bevölkerung: Manzanillo mit 191.031, Colima mit gut 157.000, Villa de Álvarez mit 149.762 und Tecomán. Das Medianalter lag 2020 bei 30 Jahren, zehn Jahre zuvor waren es 26. Nur 0,74 Prozent der Bevölkerung sprechen eine indigene Sprache, meist Náhuatl oder Mixteco.
Politisch wurde Colima erst spät eigenständig. Bis 1824 gehörte das Gebiet zur Intendencia Guadalajara, am 4. Oktober 1824 wurde es Bundesterritorium, 1856 folgte der Status als Bundesstaat.
Die Stadt Colima – zwei Gründungen, viele Wiederaufbauten
Die Stadt Colima wurde zweimal gegründet, weil der erste Standort unbewohnbar war. Am 25. Juli 1523 gründete Gonzalo de Sandoval im Auftrag von Hernán Cortés die Villa de Colima beim indigenen Ort Caxitlán nahe der Küste. Fieber, Hitze und Widerstand der ansässigen Bevölkerung führten zur Verlegung. Am 20. Januar 1527, dem Tag des heiligen Sebastian, entstand die Villa de San Sebastián de Colima an der heutigen Stelle im Tal von Tuspa.
Wie prominent diese Gründung war, ist unter Historikern strittig. Ernesto Terríquez Sámano zählt sie als achtes Ayuntamiento Neuspaniens und als erstes an der Pazifikseite, andere Darstellungen sprechen vom drittältesten Cabildo. Belegt ist, dass Colima im 16. Jahrhundert das Verwaltungszentrum des spanischen Vordringens an die „Mar del Sur“ war.
Erdbeben haben das Stadtbild geprägt. Die Pinacoteca Universitaria Alfonso Michel etwa musste nach mehreren Beben in Teilen neu errichtet werden, wobei die Ergänzungen an den Bestand angepasst wurden. Die Kathedrale in ihrer heutigen neoklassizistischen Form stammt im Wesentlichen aus dem späten 19. Jahrhundert. Sehenswert sind das Museo Regional de Historia de Colima mit einer begehbaren Nachbildung eines Schachtgrabs sowie das Museo Universitario de Artes Populares. Im Volksmund heißt Colima „Stadt der Palmen“.
Vulkane über der Stadt – und beide stehen anderswo
Die beiden Vulkane, die das Panorama von Colima bestimmen, liegen ganz oder überwiegend im Nachbarstaat Jalisco. Das Centro Universitario de Estudios e Investigaciones en Vulcanología der Universidad de Colima nennt für den aktiven Volcán de Fuego de Colima 3.860 Meter über dem Meer und die Koordinaten 19 Grad 30 Minuten Nord, 103 Grad 37 Minuten West. Der Gipfel markiert die Grenze zwischen den Municipios Comala und Cuauhtémoc in Colima sowie Tuxpan, Zapotitlán und Tonila in Jalisco. Der erloschene Nevado de Colima liegt vollständig auf jaliszischem Gebiet. Seine Höhe wird je nach Quelle mit 4.240 bis 4.330 Metern angegeben, ein Widerspruch, der sich sogar innerhalb derselben Institution findet.
Beide bilden zusammen mit dem stark erodierten Volcán Cántaro (2.900 Meter) den Complejo Volcánico de Colima am Westrand des Transmexikanischen Vulkangürtels. Angetrieben wird das System von der Subduktion der Rivera-Platte mit etwa 2,4 Zentimetern pro Jahr und der Cocos-Platte mit rund 4,8 Zentimetern pro Jahr.
In den vergangenen 500 Jahren registrierte der Volcán de Colima mehr als 40 Eruptionen. Die Ausbrüche von 1818 und 1913 waren subplinianisch, mit Eruptionssäulen von bis zu 15 Kilometern und pyroklastischen Strömen bis 14 Kilometer vom Gipfel. Der Krater von 1913 war rund 500 Meter tief und füllte sich bis 1961 wieder mit Lava. Seit 1961 wuchsen etwa 13 Dome heran. Das Ereignis vom 10. und 11. Juli 2015 war das größte seit 1913: Ein Domkollaps erzeugte pyroklastische Ströme, die in den Barrancas Montegrande und San Antonio 10,3 Kilometer weit reichten. Die letzte zeitgenössische Explosion datiert auf den 3. Februar 2017.
Überwacht wird der Berg von der Red Sísmica Telemétrica del Estado de Colima, dem 1994 gegründeten Vulkanologiezentrum der Universidad de Colima und dem nationalen Katastrophenschutz CENAPRED. Im Gefahrenbereich liegen Orte wie La Yerbabuena und La Becerrera in Colima sowie San Marcos und Tonila in Jalisco. Wer eine Besteigung plant, sollte wissen: Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass der Vulkan aktiv und für Besucher gesperrt ist.
Erdbeben und Tsunami – die zweite Naturgefahr
Colima liegt in einer der seismisch aktivsten Zonen Amerikas, und die Geschichte des Bundesstaats ist eine Kette schwerer Beben. Am 3. Juni 1932 erschütterte das stärkste je in Mexiko registrierte Erdbeben mit einer Magnitude von 8,2 die Küsten von Jalisco, Colima und Nayarit. Knapp drei Wochen später, am 22. Juni 1932 um 7 Uhr morgens, folgte ein Beben der Magnitude 6,9, dessen seismische Energie eigentlich harmlos wirkte.
Fünf Minuten danach erreichte ein Tsunami die Küste. Er zerstörte den Badeort Cuyutlán fast vollständig. Corona und Ramírez-Herrera rekonstruierten 2012 aus Zeitungsberichten und Überlebendenaussagen 50 Tote und rund 1.200 Verletzte, eine spätere seismologische Neuauswertung im Geophysical Journal International kommt auf mindestens 75 Tote und eine Auflaufhöhe von 10 Metern auf 25 Kilometern Küste. Fachlich gilt das Ereignis heute als „tsunami earthquake“, also als Beben, das im Verhältnis zu seiner Magnitude eine unerwartet große Welle auslöst.
Auch danach blieb es unruhig. Das Beben von Manzanillo am 9. Oktober 1995 erreichte Magnitude 7,9 und forderte mindestens 48 Tote, überwiegend durch Bodenverflüssigung. Am 21. Januar 2003 traf ein Beben der Magnitude 7,6 die Region Tecomán, mit 30 Toten, mehr als 400 Schwerverletzten und rund 10.000 beschädigten Wohnungen. Wer in Colima ein Hotel bucht, sollte die Verhaltensregeln für Erdbeben kennen.
Flora und Fauna – 6.084 Arten auf 0,3 Prozent der Landesfläche
Colima gehört zu den artenreichsten kleinen Bundesstaaten Mexikos, weil sich Meeresspiegel und Hochgebirge auf wenigen Kilometern begegnen. Die CONABIO-Studie „La biodiversidad en Colima“ von 2016, an der 200 Forschende aus 49 Institutionen mitwirkten, verzeichnet 6.084 Arten. Darunter sind 508 Vogelarten, was etwa 40 Prozent der mexikanischen Avifauna entspricht, dazu 131 Säugetier- und 117 Reptilienarten, 110 Farne und Bärlappe, 103 Orchideen und 91 Libellenarten. Mehr als die Hälfte der Vögel sind Zugvögel aus Kanada und den USA.
Der Nationale Forstinventar unterscheidet in Colima 14 Vegetationstypen, von der selva baja caducifolia über Nebelwald und Kiefern-Eichen-Wald bis zu Mangrove, Palmenhain und Dünenvegetation. Der tropische Trockenwald ist der prägende Lebensraum. Padilla-Velarde und Kollegen dokumentierten 2006 im Revista Mexicana de Biodiversidad 550 Baumarten in 92 Familien und 285 Gattungen. Nur drei davon sind Endemiten Colimas, 21 weitere kommen ausschließlich hier und in Jalisco vor. Von 33 gefährdeten Baumarten liegen 64 Prozent im Biosphärenreservat Sierra de Manantlán, das sich Colima mit Jalisco teilt.
Ein ethnobotanisch spannendes Detail: Colima beherbergt 23 Arten der Gattung Bursera, also Copal- und Cuajiote-Bäume, das sind 23 Prozent der landesweiten Vielfalt. Bursera macvaughiana wächst nur in Colima und Jalisco. Im Meer dominieren Rotalgen die Artenzusammensetzung, in der Laguna de Cuyutlán stellen acht Fischgruppen 80 Prozent des Fangs, darunter Huachinango, Pargo und Sierra. Beim Thunfischfang liegt Colima bundesweit auf Platz drei, beim Kalmar auf Platz vier.
Revillagigedo – der Teil Colimas, der 720 Kilometer draußen liegt
Verwaltungsmäßig gehört zu Colima ein Archipel, das die meisten Reiseführer schlicht vergessen. Das Archipiélago de Revillagigedo besteht aus den Inseln Socorro, Clarión, San Benedicto und dem Felsen Roca Partida. San Benedicto liegt 720 Kilometer westlich von Manzanillo, Clarión rund 1.000 Kilometer vor dem Festland. Es sind die Spitzen von Unterwasservulkanen, der höchste Punkt ist der Cerro Evermann auf Socorro mit 1.130 Metern. Dauerhaft leben dort nur Marineangehörige, der Censo zählte 54 Personen.
Die UNESCO nahm das Archipel 2016 nach den Kriterien vii, ix und x in die Welterbeliste auf. Die Kernzone umfasst 636.685 Hektar, die Pufferzone 14.186.420 Hektar. Am 27. November 2017 erklärte Mexiko das Gebiet zum Nationalpark mit 14.793.261 Hektar Meeresfläche und einem vollständigen Fischereiverbot, damals das größte vollgeschützte Meeresschutzgebiet Nordamerikas. Ramsar-Gebiet ist das Archipel seit 2004. Geschützt sind unter anderem 366 Fischarten und 25 Korallenarten. Tauchreisen sind ausschließlich auf lizenzierten Safarischiffen möglich, gesteuert über das Managementprogramm von 2018.
Für deutsche Leser ist die Socorrotaube (Zenaida graysoni) der interessanteste Fall. Verwilderte Hauskatzen und Bejagung rotteten sie aus, das letzte freilebende Exemplar wurde 1972 gesichtet. Die IUCN führt sie als „in der Natur ausgestorben“. Überlebt hat die Art nur in Menschenobhut, das Europäische Erhaltungszuchtprogramm und das Zuchtbuch werden im Zoo Frankfurt geführt, wo seit 1987 rund 40 Jungvögel schlüpften. 2004 entstand auf Socorro mit privaten Mitteln und Unterstützung der mexikanischen Marine eine Zuchtstation für die geplante Wiederansiedlung. Solange die verwilderten Katzen nicht vollständig entfernt sind, bleibt die Rückkehr Theorie.
Küste, Salz und Schildkröten
Colimas Küstenlinie misst nur rund 140 Kilometer, trägt aber die wirtschaftlich und ökologisch wichtigsten Orte des Bundesstaats. Manzanillo ist Mexikos größter Containerhafen. Die Hafenverwaltung ASIPONA meldete für 2025 einen Umschlag von 3.893.357 Standardcontainern nach 3.924.501 im Jahr 2024. In der CEPAL-Rangliste der Häfen Lateinamerikas und der Karibik liegt Manzanillo damit hinter Santos auf Platz zwei. Bekannt ist die Stadt außerdem für Hochseeangeln auf Fächerfisch und für die Strände Miramar, La Audiencia und La Boquita.
Cuyutlán im Municipio Armería lebt von drei Dingen: Salz, schwarzem Sand und Schildkröten. Der Sand stammt aus vulkanischer Asche, was die Bucht optisch von jeder anderen mexikanischen Pazifikküste unterscheidet. Die Salzgewinnung aus der Laguna de Cuyutlán reicht bis in die Kolonialzeit zurück, das Museo de la Sal ist in einer hölzernen Salzbodega aus dem späten 19. Jahrhundert untergebracht. Zwischen April und Juni rollt die „Ola Verde“ an, eine Brandung, die mehrere Meter hoch werden kann. Sie hat nichts mit dem Tsunami von 1932 zu tun, auch wenn beides in vielen Onlinetexten vermischt wird.
Wenige Kilometer südlich liegt das Centro Ecológico El Tortugario, seit 1982 in Betrieb. Dort brüten Eier von Oliv-Bastardschildkröte, Schwarzer Schildkröte und gelegentlich Lederschildkröte aus, Besucher können an Auswilderungen teilnehmen. Der angeschlossene Estero Palo Verde ist ein Mangrovenästuar mit Krokodilen, Leguanen und einer nach älteren Erhebungen dreistelligen Zahl an Vogelarten.
Comala und der Mythos Pedro Páramo
Comala ist das touristische Aushängeschild Colimas und zugleich ein literarisches Missverständnis. Der Ort liegt rund zehn Kilometer nördlich der Hauptstadt und trägt seit 2002 den Titel Pueblo Mágico. Weiß gekalkte Fassaden, rote Ziegeldächer und Kopfsteinpflaster prägen den Kern, auf der Plaza de Armas steht neben der Pfarrkirche San Miguel Arcángel ein aus Deutschland importierter Musikpavillon.
Juan Rulfos Roman „Pedro Páramo“ von 1955 spielt in einem Comala, das mit diesem Ort wenig gemein hat. Rulfo wählte den Namen wegen seiner Nähe zum „comal“, der flachen Tonpfanne, um eine glühende Ebene zu evozieren. Das reale Comala liegt kühl und grün am Vulkanfuß, umgeben von Kaffeehaciendas. Ob Rulfo überhaupt dort war, wird bis heute diskutiert, manche Forschende halten Tuxcacuesco im Süden Jaliscos für die geografische Vorlage. Die Netflix-Verfilmung von 2024 hat die Zahl literarischer Pilgerreisen dennoch erhöht.
Kulinarisch steht Comala für Milchprodukte wie quesillo ranchero, panela und crema sowie für Süßgebäck. Die „picones“, ein großes Hefegebäck, gehören zum Nachmittagsritual, traditionell begleitet vom lokalen ponche.
Kultur – Keramikhunde, Schachtgräber und ein Jahrmarkt aus dem 16. Jahrhundert
Die bekanntesten archäologischen Objekte Mexikos aus dem Westen stammen aus Colima, und fast alle kommen aus Gräbern. Die Region gehört zur Tradición Teuchitlán mit ihren tumbas de tiro, Schachtgräbern mit senkrechtem Schacht und seitlicher Grabkammer. In der Comala-Phase, datiert zwischen 200 und 400 nach Christus, enthielten sie reiche Beigaben: polierte sienafarbene Gefäße, Okarinas, Flöten, Schädeldeformatoren, Schamanenfiguren und vor allem die weltberühmten runden Hundefiguren. Diese Keramikhunde bilden den Xoloitzcuintle ab, den haarlosen Hund, der als Nahrung, Gefährte und Führer ins Jenseits diente.
Zwei Zonen sind öffentlich zugänglich. La Campana im Municipio Villa de Álvarez umfasst 132 Hektar zwischen den Flüssen Colima und Pereira, mit Straßenraster, Entwässerungssystem, Ballspielplatz und zahlreichen Petroglyphen. Die Blütezeit lag zwischen 700 und 900 nach Christus, seit 1917 steht das Areal unter Schutz, seit 1995 ist es geöffnet. Die zweite Zone ist El Chanal im Norden der Hauptstadt.
Deutlich älter ist die Capacha-Phase, die Isabel Kelly 1980 in ihrer Monografie „Ceramic sequence in Colima“ beschrieb. Ihre Keramik datiert auf etwa 1500 vor Christus und gehört damit zu den frühesten Keramikkomplexen Mesoamerikas. Reste davon finden sich auch im Untergrund von La Campana.
Der wichtigste Festkalender des Bundesstaats ist die Feria de Todos los Santos in der Hauptstadt, deren früheste Belege bis 1572 zurückreichen und die bis heute rund um Allerheiligen stattfindet. In Villa de Álvarez folgen im Februar die Fiestas Charrotaurinas zu Ehren von San Felipe de Jesús mit Reiterumzügen. In Suchitlán am Vulkanfuß wird die Danza de los Morenos mit geschnitzten Holzmasken getanzt.
Essen und Trinken – trocken, sauer und philippinisch beeinflusst
Die Küche Colimas fällt durch eine Eigenheit auf: Viele Gerichte werden bewusst trocken serviert. Das gilt vor allem für den pozole seco, bei dem die Brühe fast vollständig einkocht, bis Mais und Schweinefleisch eine dichte Masse bilden. Gegessen wird er mit Salat, Zwiebeln, Radieschen, Oregano und Limette, oft auf einer Tostada. Der Legende nach entstand er in Manzanillo, weil eine Köchin den Topf zu lange auf ausgehender Glut stehen ließ.
Das zweite Leitgericht ist der tatemado, Schweinefleisch, mariniert in Kokosessig und geschmort in einer Sauce aus chile guajillo und Gewürzen. Der Name kommt vom Anrösten der Zutaten bis kurz vor dem Verbrennen. Die sopitos aus Villa de Álvarez sind kleine frittierte Maistortillas mit Rinderhack, Kohl, Zwiebel, Radieschen und Frischkäse, übergossen mit Tomatensauce. Dazu kommen cuachala aus grob gemahlenem Mais mit zerpflücktem Huhn, pepena aus geschmorten Innereien und Tamales de pata de mula, gefüllt mit Bohnen und in Maisblätter statt in totomoxtle gewickelt.
Vom Meer kommt der ceviche colimense, klassisch aus fein gehacktem Sägefisch mit Limettensaft aus Tecomán, Karotte, Zwiebel, Koriander und Tomate. Auch hier ist die Konsistenz trockener als in Nayarit oder Sinaloa. Als Getränke prägen tuba, bate und tejuino die Region, dazu die Salzspezialitäten aus Cuyutlán.
Kokospalme, Tuba und der Ursprung des Mezcal
Die interessanteste Spur der Landesküche führt nicht nach Spanien, sondern auf die Philippinen. Tuba ist der frisch vergorene Saft der Kokospalme, mild, süßlich, oft mit Erdnüssen serviert und manchmal mit Rote-Bete-Saft rosa gefärbt. Das Wort stammt aus dem Tagalog und kam über die Manilagaleone nach Neuspanien, jene Handelsroute, die von 1565 bis 1821 Acapulco mit Manila verband. Filipinos ließen sich an der Küste Colimas nieder, wo die Kokospalme ideale Bedingungen fand.
Daraus wurde mehr als ein Getränk. Daniel Zizumbo-Villarreal und Patricia Colunga-GarcíaMarín legten 2008 in Genetic Resources and Crop Evolution botanische, archäologische, toponymische und ethnohistorische Belege dafür vor, dass es in Mexiko vor dem europäischen Kontakt keine Destillation gab. Die philippinische Bevölkerung in Colima etablierte die Technik im 16. Jahrhundert zur Herstellung von Kokosbrand. Die Zahlen aus den Kolonialakten sind eindrücklich: 1612 wurde vino de cocos in 60 Schenken der Villa de Colima ausgeschenkt, rund 50 Haciendas produzierten etwa 232.000 Liter jährlich, 1631 waren es 54 Haciendas mit rund 262.000 Litern.
Der entscheidende Schritt folgte, als dieselbe Technik auf Agave angustifolia übertragen wurde, zuerst in den unteren Flussbecken von Armería, Ayuquila, Coahuayana und Tuxpan. Von dort wanderte sie in die Schluchten am Fuß der Colima-Vulkane und weiter nach Westmexiko. Zwei Praktiken halfen beim Umgehen der kolonialen Verbote: die geheime Vergärung in versiegelten, in den Fels geschlagenen Erdgruben und die kleinen, leicht zu versteckenden Brennapparate philippinischer Bauart. Wer Mezcal und Tequila trinkt, trinkt damit auch ein Stück Kolonialgeschichte Colimas. Diese Herleitung ist in der Forschung nicht unumstritten, konkurrierende Modelle sehen eine europäische Einführung der Destillation, doch das archivalische Material aus Colima ist die derzeit stärkste Evidenz.
Limetten, Kokos und ein Bakterium – wovon Colima lebt
Die Landwirtschaft Colimas hängt an zwei Kulturen und einer Pflanzenkrankheit. Die mexikanische Limette (Citrus aurantiifolia), lokal limón mexicano, ist die Leitkultur. 2019 erntete der Bundesstaat 263.646 Tonnen, knapp 22 Prozent der nationalen Menge, bei einem Wert von rund 1,71 Milliarden Peso. Tecomán und Armería vereinen etwa 80 bis 89 Prozent der Anbaufläche.
Im April 2010 wurde in Tecomán erstmals Huanglongbing an mexikanischen Limettenbäumen nachgewiesen, verursacht durch das Bakterium Candidatus Liberibacter asiaticus und übertragen vom Asiatischen Zitrusblattfloh (Diaphorina citri). Die Folge war ein deutlicher Produktionseinbruch zwischen 2013 und 2021 und ein teilweiser Umbau der Betriebe auf andere Kulturen. INIFAP entwickelte am Versuchsstandort Tecomán ein technisches Paket, mit dem infizierte Bäume produktiv bleiben. In der Gesamtstatistik aller Limetten- und Zitronentypen liegt Colima heute hinter Michoacán und Veracruz auf Platz drei.
Die zweite Säule ist die Kokospalme. Nach Angaben der Landesbehörde Seder bewirtschaften rund 850 organisierte Erzeuger etwa 17.290 Hektar mit den Sorten Alto Pacífico und Amarillo Malayo, vor allem in Tecomán, Armería, Manzanillo und Coquimatlán. Beim Kopra liegt Colima national auf Platz zwei hinter Guerrero. Verarbeitet werden Öl, Trockenkokos, Aktivkohle und Kokosfaser. Dazu kommen Bananen, Mango, Papaya und Zuckerrohr sowie der Hafen als größter Arbeitgeber der Küste.
Sicherheitslage – was das Auswärtige Amt derzeit sagt
Für Colima gilt derzeit die schärfste Warnstufe, die das Auswärtige Amt für mexikanische Bundesstaaten vergibt. In der Fassung mit Stand 28. Juli 2026 heißt es ohne Einschränkung: Von Reisen in den Bundesstaat Colima wird dringend abgeraten. Bemerkenswert ist, dass die frühere Ausnahme für Manzanillo bei Anreise per Schiff oder Flugzeug in dieser Fassung nicht mehr auftaucht. Nach dem Einsatz mexikanischer Sicherheitskräfte in Jalisco am 22. Februar 2026, bei dem ein Kartellführer getötet wurde, kam es in mehreren Landesteilen zu Unruhen und Straßensperren.
Die Zahlen dahinter sind ungewöhnlich eindeutig. Nach Daten des Secretariado Ejecutivo del Sistema Nacional de Seguridad Pública führte Colima 2024 mit einer Rate von 110,05 Tötungsdelikten je 100.000 Einwohner die nationale Statistik an, bei einem Landesdurchschnitt von 22,72. Der Höchstwert des Jahrzehnts fiel mit 117,64 auf 2023. Für 2025 weist der Índice de Paz México des Institute for Economics and Peace 74,1 Tötungsdelikte je 100.000 Einwohner aus, weiterhin der höchste Wert des Landes und das vierte Jahr in Folge der letzte Platz im Friedensindex. Die Zählweisen unterscheiden sich, weil Opferzahlen und Ermittlungsakten getrennt erfasst werden, an der Rangfolge ändert das nichts.
Die Gewalt richtet sich nicht gegen Reisende, sondern folgt Konflikten um Hafenzugänge und Schmuggelrouten. Getroffen werden kann trotzdem jeder. Die Wahrnehmung der Bevölkerung spiegelt das: Nach der INEGI-Erhebung ENSU fühlten sich im ersten Quartal 2026 in der Stadt Colima 77,2 Prozent der Befragten unsicher, in Manzanillo 71,4 Prozent. Wer dennoch reist, sollte Überlandfahrten auf Tageslicht und Mautautobahnen beschränken, sich in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND eintragen und die Deckung des Reiseversicherers für Regionen mit Reisewarnung vorab schriftlich klären.
Klima, beste Reisezeit und Anreise
Colima ist tropisch warm, mit einer scharf abgegrenzten Regenzeit. Der offizielle Klimabericht des Bundes für Colima nennt für die Normalperiode 1981 bis 2010 an sechs Messpunkten Jahresmitteltemperaturen von 23,4 bis 26,1 Grad Celsius, Tagesmaxima von 31,6 bis 33,5 Grad und Minima von 15,2 bis 20,1 Grad. Die höchsten Mittelwerte treten im Süden des Bundesstaats auf. Der Niederschlag konzentriert sich auf Juni bis Oktober, die Hurrikansaison im Ostpazifik läuft von Juni bis November. Tropische Wirbelstürme waren zwischen 1999 und 2018 die klimabedingte Katastrophenart mit den meisten Mitteln aus dem Katastrophenfonds FONDEN.
Trocken und angenehm sind die Monate November bis Mai. Wer den Nevado de Colima aus der Ferne mit Schnee sehen will, kommt im Dezember, Januar oder Februar. Anreise per Flug erfolgt über den internationalen Flughafen Manzanillo an der Straße nach Barra de Navidad oder über Guadalajara, von wo Cuyutlán rund drei Fahrstunden entfernt liegt. Zwischen der Hauptstadt und Comala sind es zehn Kilometer, nach Manzanillo etwa eine Autostunde.
Bleibt die offene Frage, die Colima seit Jahren begleitet. Ein Bundesstaat mit UNESCO-Welterbe, aktivem Vulkan, Pueblo Mágico und einem der wichtigsten Häfen Amerikas hätte touristisch alle Voraussetzungen. Solange die Gewaltraten die höchsten des Landes bleiben und die deutsche Reisewarnung nicht gelockert wird, bleibt Colima für europäische Reisende vor allem eines: ein Ort, über den es sich zu lesen lohnt, bevor man ihn ansteuert.
Quellen und Literatur
- Corona, N. & Ramírez-Herrera, M. T. (2012): Mapping and historical reconstruction of the great Mexican 22 June 1932 tsunami. Natural Hazards and Earth System Sciences 12, 1337 bis 1352. doi.org/10.5194/nhess-12-1337-2012
- Zizumbo-Villarreal, D. & Colunga-GarcíaMarín, P. (2008): Early coconut distillation and the origins of mezcal and tequila spirits in west-central Mexico. Genetic Resources and Crop Evolution 55(4), 493 bis 510. doi.org/10.1007/s10722-007-9255-0
- Padilla-Velarde, E. u. a. (2006): Riqueza y biogeografía de la flora arbórea del estado de Colima, México. Revista Mexicana de Biodiversidad 77(2). Zusammenfassung über doaj.org/article/d2055b706e564077a8b0185d6780cb65
- The „tsunami earthquake“ of 1932 June 22 in Manzanillo, Mexico (2011): Geophysical Journal International 187(3), 1443 bis 1459. academic.oup.com/gji/article/187/3/1443
- Kelly, I. (1980): Ceramic sequence in Colima. Capacha, an early phase. Anthropological Papers of the University of Arizona 37, Tucson.
- CONABIO (2016 und 2021): La biodiversidad en Colima. Estudio de Estado sowie Resumen. Comisión Nacional para el Conocimiento y Uso de la Biodiversidad, México. biodiversidad.gob.mx/region/eeb/estudios/ee_colima (abgerufen am 31. Juli 2026)
- INEGI (2021): Panorama sociodemográfico de Colima. Censo de Población y Vivienda 2020. Instituto Nacional de Estadística y Geografía, Aguascalientes. inegi.org.mx/programas/ccpv/2020/
- Universidad de Colima, Centro Universitario de Estudios e Investigaciones en Vulcanología: Volcán de Colima. portal.ucol.mx/cueiv/volcan-colima.htm (abgerufen am 31. Juli 2026)
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- INAH: Zona Arqueológica Cerro de La Campana sowie Lugares INAH, Tumbas de tiro. inah.gob.mx/zonas/zona-arqueologica-cerro-de-la-campana (abgerufen am 31. Juli 2026)
- Auswärtiges Amt: Mexiko, Reise- und Sicherheitshinweise, Stand 28. Juli 2026. auswaertiges-amt.de/de/service/laender/mexiko-node/mexikosicherheit-213648 (abgerufen am 31. Juli 2026)
- Instituto para la Economía y la Paz (2026): Índice de Paz México 2026. Zusammenfassung der Landeswerte für Colima.
- Secretaría de Cultura, Turismo Cultural: Comala, Colima. Gastronomía. cultura.gob.mx/turismocultural/destino_mes/comala/gastronomia.html (abgerufen am 31. Juli 2026)
- ASIPONA Manzanillo und Secretaría de Marina (2026): Movimiento de contenedores 2025. puertomanzanillo.com.mx (abgerufen am 31. Juli 2026)
- CEPAL (2026): Boletín FAL 414, Informe portuario de América Latina y el Caribe 2024. cepal.org
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- Zoo Frankfurt: Socorrotaube, Zenaida graysoni. Artenschutzprojekt und EEP-Zuchtbuch. zoo-frankfurt.de (abgerufen am 31. Juli 2026)







